Apotheker plus, 19.09.2008

"Die Krone der Heilpflanzen"

Nicht umsonst kommt das Wort Salbei von "salvare", heilen: Gilt die Pflanze doch als Allheilmittel unter den Kräutern. Auch eine kleine Dresdner Firma hat für das Mittelmeerkraut eine Passion entwickelt.

Von Katlen Trautmann

Bereits im Mai startet die Salbeisaison mit dem Abernten der lilafarbenen Blüten. Dazu werden Spezialmaschinen wie bei der Lavendelernte in Frankreich genutzt. Zurück bleiben die grünen Blätter bis zu deren Ernte im September.

Foto: Bombastus

Jeden Morgen nimmt daher in Freital ein Betriebsritual seinen Lauf und zwar schon seit Jahrzehnten: Dann erhält jeder Mitarbeiter des Hauses Bombastus eine Liter-Kanne Salbeitee, selbstverständlich mit Kräutern aus eigenem Anbau. Der Betrieb nahe Dresden setzt seit seiner Gründung vor nunmehr 104 Jahren auf Naturarznei - vor allem aus Salbei. Nach Auffassung von Vorstand Siegfried Anke ist sie die "Krone der Heilpflanzen".

Bombastus verarbeitet als weltweit einziger Hersteller Salbei von der Wurzel bis zur Blüte und gilt als größter ökologisch zertifizierter Salbei-Anbaubetrieb in Europa. In den vergangenen Wochen sind gerade die grünen Pflanzenteile geerntet worden. Große Erntemaschinen rollen dabei über die 31 Hektar firmeneigener Felder und schneiden die Pflanzenteile bis 25 Zentimeter über dem Boden ab. Anschließend werden die Blätter und Triebspitzen bei Temperaturen unter 36 Grad Celsius getrocknet.

Zwölf Tonnen Salbeiblätter landen in einem Tee

Das genaue Einhalten der Temperatur ist entscheidend. "Bei höheren Temperaturen würden sich die ätherischen Öle in den Blättern nicht abkapseln, sondern mit dem Wasser verflüchtigen", erläutert Marketing-Chef Wieland Prkno. Dann wäre die gesundheitsfreundliche Wirkung im wahrsten Sinn verpufft. Rund zwölf Tonnen Pflanzenteile landen auf diese Weise in dem leicht bitter schmeckenden Tee, der sich etwa bei Erkältungskrankheiten bewährt hat.

Bereits im Mai wird alljährlich die Salbeisaison mit dem Sammeln der Blüten eröffnet. Der Anblick der großen Felder in Ostdeutschland erinnert dann an die prächtigen violetten Lavendelfelder in Frankreich. Spezialmaschinen - wie sie auch zur Lavendelernte genutzt werden - heben die Blütenköpfe hoch und schneiden sie ab. Zurück bleiben Pflanzen, die wie Bubiköpfchen aussehen. Ein bis zwei Tonnen Blüten nehmen anschließend den Weg zur Weiterverarbeitung in die Werkhalle.

Viele der Blüten kommen dann in 500-Liter-Bottiche aus Steinzeug, die mit einem Gemisch aus Alkohol oder Essig und Wasser gefüllt sind. Wenn die blauen Blüten über Wochen ihre Wirkstoffe abgeben, füllt zarter Duft die Werkhalle. "Am schönsten duftet es, nachdem der Alkohol abdestilliert wurde. Das riecht ganz anders als Salbei-Tee", schwärmt Anke. Der Blütenansatz bildet die Grundlage für Blütenwein oder nervenberuhigende Einreibungen. Die Pressung aus einigen frischen Blüten wird zudem frischen Pflanzensäften beigemischt.

Alle fünf Jahre wird auch die ganze Pflanze gerodet. Die Wurzeln werden nach der Reinigung extrahiert und der Extrakt wird Pasten oder Tinkturen beigefügt.

Insgesamt fast 1000 verschiedene Produkte aus Heilpflanzen und Mineralien verlassen das 1904 erbaute Stammhaus in Freital zumeist an Großhändler und Apotheken in Deutschland. Tees und Teemischungen bilden dabei das Rückgrat des Sortiments, ergänzt durch Nahrungsergänzungsmittel, Kosmetika und Schüsslersalze. Vor allem ätherische Öle - darunter so interessant klingende Mischungen wie "Lebenstropfen" - sind über die deutschen Grenzen hinaus etwa in Taiwan gefragt.

Auch zu DDR-Zeiten wurden pflanzliche Mittel produziert

Die Bombastus-Werke berufen sich in ihrer Firmengeschichte auf den Naturarzt Theophrastus Bombastus von Hohenheim (1493-1541), genannt "Paracelsus". Dieser postulierte, dass Disharmonie zwischen Mensch und Schöpfung zu Krankheit führt, Harmonie hingegen zu Gesundheit. Als Firmenlogo wurde daher ein Harmonieschlüssel gewählt.

Bereits die Gründer, Emil Bergmann, Otto Braune und Max Däbritz, und auch spätere Besitzer setzten auf Wirkstoffe aus der Natur. Zunächst wurden damit ausschließlich kosmetische Präparate zur Mund-, Haar- und Hautpflege hergestellt, später zudem pharmazeutische Mittel. Auch als Betriebsteil im VEB Arzneimittelwerk Dresden stellte das Werk als eines der ganz wenigen Unternehmen in der DDR pflanzliche Arzneimittel her. Den Umbruch 1990 mit Reprivatisierung und Umwandlung zur Aktiengesellschaft im Jahr 2000 hat die Firma gut überstanden: Zehn Millionen Euro setzte die Firma 2007 um, 20 Prozent davon im Ausland.

Anekdoten

Bis ins Mittelalter war die Salbei-Ernte mit einem streng geregelten Ritual verbunden. Man musste saubere Füße haben, eine weiße Tunika tragen und ihn mit einem Werkzeug aus Eisen abschneiden. Anschließend bereitete man daraus Kräutertees oder einen Sud. Ein berühmter Liebhaber des Kräutertees war übrigens der französische Sonnenkönig Ludwig XIV.

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