Apotheker plus, 17.10.2008

Apotheker fordern mehr

Österreichs Apotheker fordern von der neuen Regierung mehr Unterstützung. Künftig sollen unter anderem Ärzte auf dem Land keine Hausapotheken mehr aufmachen dürfen und die Aut-idem-Regelung landesweit umgesetzt werden.

Von Sabine Schiner

Derzeit gibt es in Österreich 1248 Apotheken und 962 Landärzte mit Hausapotheken. Für Heinrich Burggasser, Präsident der Österreichischen Apothekerkammer, sind Praxisapotheken lediglich ein Notapparat. Seine Kritik: "Überall dort, wo Hausapotheken schließen und Apotheken aufsperren, verbessert sich die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung", so Burggasser auf dem "Tag der Apotheke 2008". Praxisapotheken seien mit ihren meist kleinen Medikamentenvorräten nicht in der Lage, die Versorgung sicherzustellen. Nur öffentliche Apotheken hätten ein Vollsortiment.

Ärger mit Ärzten vorprogrammiert

Mit dieser Forderung bringt der Apotheker-Chef viele Ärzte gegen sich auf. "Wenn Sie morgens nach einem Medikament fragen, das nicht auf Lager ist, bekommen Sie es mittags geliefert", sagt etwa der Leiter des Referats für Medikamente der Österreichischen Ärztekammer, Dr. Otto Pjeta, auf Anfrage von "ApothekerPlus". Vor allem ältere Menschen schätzten den Service, bei ihrem Hausarzt nicht nur das Rezept, sondern gleichzeitig auch die Medikamente zu bekommen. Zudem schlössen sich viele Landärzte zu größeren Verbänden zusammen, um beispielsweise einen Service rund um die Uhr zu organisieren.

Auch den Vorstoß der Apotheker für eine Aut-idem-Regelung zur Senkung der Arzneimittelkosten weist Pjeta zurück. Aut idem verunsichere Patienten und gefährde die Behandlungserfolge. Die Apotheker schätzen, dass durch Aut idem das österreichische Gesundheitswesen bis zu 56 Millionen Euro pro Jahr einsparen könnte.

Die Apotheker wünschen sich zudem von den Politikern eine stärkere Einbindung beim Thema Prävention. Sie seien ausreichend qualifiziert, um Vorsorgemaßnahmen machen zu können und etwa Blutdruck, Cholesterin, Bauchumfang, Blutzucker und Gewicht bei den Kunden zu messen. "Viele Leute gehen nicht zur Vorsorgeuntersuchung zu Ärzten - aus Zeitgründen oder weil sie Angst haben", sagt Burggasser. Niederschwellige Check-up-Angebote von Apotheken füllten eine Marktlücke. Erfolgreich erprobt worden sei dies bei der Präventionsaktion "10 Minuten für meine Gesundheit" im Jahr 2006. Damals hätten über 68 000 Österreicher ihre Gesundheitswerte in Apotheken checken lassen. Dabei sei unter anderem festgestellt worden, dass 53 Prozent der Untersuchten erhöhte Cholesterinwerte hatten und weitere 46 Prozent zu hohen Blutdruck.

Regierungsbildung hat Vorrang

Bis die Politiker in Österreich über die Forderungen der Apotheker beraten, wird es noch dauern. Zunächst steht die Regierungsbildung an. Bei den Parlamentswahlen in Österreich war die sozialdemokratische Partei Österreichs (SPÖ) auf knapp 30 Prozent gekommen. Damit ist sie stärkste Partei. Nach Berichten führt sie derzeit Koalitionsverhandlungen mit der konservativen Volkspartei (ÖVP).

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