Apotheker plus, 28.11.2008

Gips und Gift für die Schönheit

Kosmetik und Schminken sind so alt wie die Menschheit. Jedes Mittel war recht, das einen dem jeweiligen Schönheitsideal entsprechenden Effekt versprach: von zerstoßenen Schlangen über Gips bis hin zu gefährlichen Schwermetallen.

Von Ursula Armstrong

Gips und Gift für die Schönheit

Schönheit im Wandel der Zeiten. Stets wurden Kosmetika genutzt, um sie zu unterstreichen.

Fotos: Mario Bruno©www.fotolia.de Vladislav Gansovsky©www.fotolia.de

Man zerstoße eine Viper in zwei Pinten Milch, gebe vier Unzen Vitriol dazu und destilliere diese Mischung." Wird die Haut mit diesem Likör betupft, verschwinden sofort alle roten Flecken. "Aber auch die Haut verschwindet", fügt der französische Historiker Guy Breton hinzu, der in seinem Buch "Les Sourires de l'Histoire" auch von der Geschichte der Schönheitsideale und der Kosmetik erzählt.

Das Rezept mit der Viper stammt aus dem 18. Jahrhundert. In dieser Zeit, dem Rokoko, legte die vornehme Gesellschaft großen Wert auf eine blasse, möglichst weiße Haut. Dazu bedeckten Frauen Gesicht, Schultern und Dekolleté mit Gips. Wenn der brüchig wurde, kam eben eine neue Schicht drauf.

Die Haut musste blass und durchscheinend sein

Aber die weiße Haut musste auch durchscheinend sein. So transparent musste die Haut sein, dass man sehen konnte, wie Rotwein durch die Kehle floss. Um die Gipsschicht auf der Haut durchscheinend aussehen zu lassen, malten die Frauen kurzerhand zarte blaue Adern auf den Gips. Blau wie das königliche blaue Blut…

Der Begriff Kosmetik kommt von griechischen "kosmeo" für "ordnen", "schmücken". Im 18. Jahrhundert verbreitete sich das Wort "cosmétique". Und erst um 1850 gelangte der Begriff in den deutschen Sprachraum und ersetzte den bis dato gebräuchlichen Ausdruck "Schönheitsmittel".

Kosmetik hat immer mit einem Schönheitsideal zu tun. Und das variierte stark durch die Jahrhunderte. Zur Zierde des eigenen Körpers haben sich die Menschen wohl von Anfang an geschminkt. Prähistorische Abbildungen, etwa Höhlenmalereien in Alicante und Lascaux, lassen darauf schließen, dass schon damals die Menschen Schminke verwendet haben. Frauen scheinen ihre Gesichter mit roter Farbe bemalt zu haben.

Ganz groß in Mode war das Schminken bei den Ägyptern. Ab etwa 2500 v. Chr. gibt es dafür Nachweise. Männern wie Frauen liebten es bunt: Grundiert wurde in kräftigem Ockergelb oder noch dunkler, wird im Onlinemagazin "Farbimpulse" berichtet. Venen und Schläfenlinien wurden mit blauer Farbe nachgezogen. Auf die Augenlider kam Grün, auf Wangen und Lippen Rouge und um die Augen ein dicker schwarzer Strich. Dabei waren die Ägypter nicht wählerisch in den für die Schönheit verwendeten Substanzen: In manchen Rezepten ist etwa von Schildkrötengehirn, Ibiskot oder in Eselsmilch aufgelösten Talg die Rede.

Gips und Gift für die Schönheit

Schönheit im Wandel der Zeiten. Stets wurden Kosmetika genutzt, um sie zu unterstreichen.

Fotos: Mario Bruno©www.fotolia.de Vladislav Gansovsky©www.fotolia.de

Viele antike Kosmetika waren allerdings richtig gefährlich. Die dunkle Schminke für die Augen enthielt außer Ruß und Eisenoxid auch Manganoxid und Galenit, auch Bleiglanz genannt. Manganoxid kann Manganstaub freisetzen, der Atemwege und Haut reizt und sogar zu Sprach- und Bewegungsstörungen führen kann. Und Bleiglanz wirkt schon beim Kontakt mit der Haut giftig. Der grüne Lidschatten wurde aus Malachit oder Kupferspat hergestellt, einem potenten Brechmittel. In Puderform benutzt setzt Malachit Kupferpulver frei, das Nase, Mundschleimhaut und Augen reizen und zu Kopf- und Magenschmerzen sowie zu Brechreiz und Durchfall führen kann.

Wer schön sein will, muss leiden - das gilt schon lange

Das Leiden um der Schönheit willen prägte ganze Jahrhunderte. Besonders krass gilt das für das 16. und das 17. Jahrhundert. Im 16. Jahrhundert wurde das Baden als gesundheitsgefährdend verschrien. Schließlich wuschen sich die Menschen gar nicht mehr. Auf die Haut kamen dann zwei Schichten Schminke - die erste sollte nur den Schmutz bedecken. Folge waren nicht nur zwei Jahrhunderte der Schminke und des Parfums. Das 16. und das 17. Jahrhunderte war vor allem die Zeit der Läuse, der Flöhe und der Wanzen. Die Menschen kratzten sich ununterbrochen, berichtet Breton. Wegen des Ungeziefers konnte man nicht mehr schlafen. Das wurde so schlimm, dass die Männer sich schließlich die Köpfe rasierten und Perücken trugen.

Doch es ging auch ganz anders. Diane de Poitiers (1499 bis 1566) war die schönste Frau ihrer Zeit und bestimmte das Schönheitsideal in Frankreich für 100 Jahre. Sie war mit 40 Jahren - und das war damals alt - die Mätresse des 19-jährigen französischen Königs Henri II. und wurde selbst noch als 65-Jährige für ihre Schönheit bewundert. Ihre Schönheitspflege war denkbar einfach: Sie stand um 6 Uhr auf, nahm ein Bad in kaltem Regenwasser und ritt bis 8 Uhr aus. Dann ging sie zurück ins Bett, nahm ein leichtes Frühstück zu sich und las im Bett bis mittags. Puder oder Pomaden benutzte sie nie.

Anekdoten

Im 16. Jahrhundert war das Schönheitsideal in Frankreich von einer Frau bestimmt: Diane de Poitiers (1499 bis 1566). Frauen, die schön sein wollten, mussten ihr gleichen. Dafür galt eine Dreierregel, erzählt der französische Historiker Guy Breton:

  • Dreimal weiß: die Haut, die Zähne, die Hände
  • Dreimal schwarz: die Augen, die Augenbrauen, die Augenlider
  • Dreimal lang: der Körper, die Haare, die Fingernägel
  • Dreimal kurz: die Zähne, die Ohren, die Füße
  • Dreimal schmal: der Mund, die Taille, die Fesseln
  • Dreimal dick: die Arme, der Hintern, die Schenkel
  • Dreimal klein: die Brustwarzen, die Nase, der Kopf.

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