Apotheker plus, 30.04.2009

Mit Darwins Augen um die Welt

200 Jahre nach dem Geburtstag von Charles Darwin erinnern zahlreiche Ausstellungen an die großartigen wissenschaftlichen Leistungen des englischen Naturforschers. Das Berliner Naturkundemuseum zeigt den Wissenschaftler als Mensch und geht mit ihm auf eine "Reise zur Erkenntnis".

Von Angela Mißlbeck

Fünf Jahre fuhr Darwin mit bei der abenteuerlichen Weltumsegelung auf dem Vermessungsschiff HMS Beagle. Die Reise führte ihn von Europa nach Brasilien und Feuerland und nach Australien und Südafrika.

Fotos: Museum für Naturkunde, Berlin

Möwen schreien. Das Meer rauscht. Unter meinen Füßen knarzen Holzplanken. Ich bin auf der Beagle, dem Schiff, mit dem Charles Darwin die Welt umsegelte. Zumindest will das Berliner Museum für Naturkunde mich das glauben machen. Denn es hat einen Schiffsrumpf als Ausstellungsrahmen nachgebaut. Erspart bleibt mir glücklicherweise das Schaukeln, das den Forscher bis zum Ende der fünfjährigen Schiffsreise mit Seekrankheit quälte. Aber ich hätte gern den Kapitän des Schiffes Robert Fitz Roy kennen gelernt. "Er ist die markanteste Persönlichkeit, mit der ich jemals zu tun hatte", schreibt Darwin nach dreijähriger Reise.

Als Theologe gestartet, als Forscher zurückgekehrt

Darwin sammelte alles an Tieren und Pflanzen, was ihm in die Finger kam.

Nicht als Wissenschaftler, sondern vorrangig als standesgemäßer Begleiter für den berühmten Kapitän Fitz Roy hat Darwin die Beagle 1831 bestiegen. Nach einem abgebrochenen Medizinstudium und dem Abschluss in Theologie stand er kurz vor einem ruhigen Leben als Landpfarrer, als der Ruf auf die Beagle den 22-jährigen Sprössling reicher Eltern erreichte. Fünf Jahre später verließ er das Schiff als anerkannter Naturforscher, irritiert von einer Idee, die erst Jahrzehnte später seinen heutigen Ruf in der Wissenschaft begründen sollte: die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl.

Auf der Reise war Darwin nichts weiter als ein Sammler. Wo immer er von Bord ging, machte er sich auf die Suche nach Tieren und Pflanzen. Dabei ging er wenig systematisch vor. "Während der Reise habe ich ausschließlich aus bloßer Freude gearbeitet", so Darwin selbst. Das spiegelt auch die Ausstellung wider. Transportkisten mit Sichtfenstern zeigen, was er gesammelt hat. Ein Seelöwenfell, ein präparierter Kaiserpinguin und die riesige Braunalge Kelp treffen sich in Kisten von den Falkland-Inseln. In den Patagonien-Kisten liegen ein Zwerggürteltier, das Fell eines Pampashasen, eine präparierte Biberratte und große, fossile Knochen einträchtig beieinander. Der Zahn des vorzeitlichen Riesenfaultiers Mastodon ist auch dabei - alles kommentiert und beschrieben mit Darwins eigenen Worten.

Seine Beobachtungen beschränken sich nicht allein auf die Natur. Vielmehr stellt er wie ein typischer Universalgelehrter auch ausgiebig Betrachtungen zur "überlegenen" Kultur der Gauchos an oder schildert das "erbärmliche" Dasein der Wilden in Feuerland. Einige dieser Eindrücke haben die Schiffszeichner festgehalten. Ihre Bilder zeigt die Ausstellung mit einer kleinformatigen Diashow in einem gekippten Holzfass.

Das Galapagos-Archipel prägte seine Evolutionsideen

Das Galapagos-Archipel wird schließlich zum Ausgangspunkt seiner Evolutionstheorie durch intensive Beobachtung von Vögeln und Schildkröten. 26 Arten Landvögel hat er gesammelt, darunter "drei Arten der Spottdrossel" und "eine ganz eigentümliche Gruppe Finken". Wie Darwin genau zu seiner Theorie kam, schildert ein zweiter Ausstellungsteil zum Thema Evolution. Diese Dauerpräsentation gewährt Einblick in das Leben Darwins und zeigt, wie die Evolutionstheorie in ihrem historischen Umfeld entstanden ist. Mehr als 350 Objekte aus der Sammlung des Berliner Naturkundemuseums sind insgesamt in der Ausstellung zu sehen, die Teil einer Kooperation mit dem Stuttgarter Naturkundemuseum ist. Dort beginnt dann im Oktober eine Ausstellung zur Evolutionstheorie.

Ausstellung

"Darwin - Reise zur Erkenntnis"

Museum für Naturkunde Berlin, Invalidenstr. 43, 10115 Berlin Geöffnet: Di - Fr 9.30 - 17 h, Sa +So 10 -18 h (bis 12.8.)

Eintritt:: 6,00/3,50 Euro

Weitere Infos: www.naturkundemuseum-berlin.de

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