Apotheker plus, 24.09.2009

Häufigster Rat lautet Arztbesuch

Die Selbstmedikation wirft in rund 20 Prozent aller Fälle Probleme auf. Meist empfehlen Apotheker dann ihren Kunden zum Arzt zu gehen.

Von Ilse Schlingensiepen

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In der Selbstmedikation ist fachkundige pharmazeutische Beratung gefragt.

Foto: ABDA

In der Hälfte dieser Fälle ist entweder die Selbstmedikation zur Lösung des gesundheitlichen Problems ungeeignet oder aber das gewünschte Präparat passt nicht. Das zeigt eine Untersuchung der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). Dafür hatten über 100 Apotheker aus dem ganzen Bundesgebiet jeweils Daten zu 100 aufeinander folgenden OTC-Kunden erfasst.

Insgesamt wurden mehr als 11 000 Patienten mit 12 567 Selbstmedikationswünschen einbezogen - laut Professor Martin Schulz, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker, die bis dato größte Studie dieser Art.

In 17,6 Prozent der Fälle stießen die Apotheker auf Ereignisse oder Umstände, die das Erreichen der angestrebten Ziele der Selbstmedikation hätten gefährden können. "Hochgerechnet sind das fast 350 000 arzneimittelbezogene Probleme pro Tag allein in der Selbstmedikation", sagte Schulz anlässlich des Deutschen Apothekertages in Düsseldorf. 75 Prozent der festgestellten Probleme traten in vier Bereichen auf:

  • Die Selbstmedikation war ungeeignet (29,7 Prozent),
  • Das Präparat war ungeeignet (20,5 Prozent),
  • Es lag ein Missbrauch vor oder das Medikament wurde zu lange eingenommen (17,1 Prozent)
  • Oder die Dosierung war falsch (6,8 Prozent).

Am häufigsten (39,5 Prozent) intervenierten die Apotheker, indem sie ihre Kunden an einen Arzt verwiesen. Zu einem anderen Arzneimittel wurde in 28,1 Prozent der Fälle geraten. Da die Patienten die Selbstmedikation meist nicht überblicken könnten, sei das gute Zusammenspiel zwischen Arzt und Apotheker besonders wichtig, betonte Schulz. Große Bedeutung komme dem grünen Rezept zu. "Das ist ein sehr gutes Instrument, das die Arzt-Apotheker-Kooperation stärkt und das gefördert werden sollte".

Den Aufbau eines systematischen Kommunikationssystems zwischen den beiden Berufsgruppen forderte in diesem Zusammenhang ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf. Bisher hänge der Austausch stark von den individuellen Umständen ab und sei von sehr unterschiedlicher Qualität. "Wir sehen erheblichen Bedarf nach einer systematisierten und institutionalisierten Kommunikation", sagte Wolf. Über dieses Thema gebe es bereits konkrete Gespräche zwischen Ärzten und Apothekern.

Für ein sinnvolles Instrument hält Wolf darüber hinaus die Entwicklung einer elektronischen Medikationsdatei. "Auf sie hätten der Hausarzt und der Hausapotheker Zugriff, sofern der Patient es autorisiert", sagte der ABDA-Präsident.

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