Apotheker plus, 29.04.2011

Apothekermargen unter Druck

Der finanzielle Druck auf die Apotheken wird 2011 durch die Folgen des AMNOG weiter steigen. Doch Apotheker können gegensteuern.

Von Hauke Gerlof

Viele Apotheker werden sich 2011 aufgrund des Arzneimittelmarktneuordnungsgesetzes (AMNOG) tatsächlich auf einen möglichen Rückgang des Rohgewinns einstellen müssen. Das haben Berechnungen der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank) ergeben, von denen "Apotheker plus" nach der Bilanzpressekonferenz des Instituts auf Anfrage erfahren hat.

Bekanntlich belastet das AMNOG die Apotheker unter anderem durch einen höheren Kassenabschlag bei der Rezeptvergütung. Das könnte den durchschnittlichen Rohertrag ohne Gegensteuern der Apotheker in diesem Jahr rechnerisch um 9000 Euro im Jahr drücken.

Hinzu kommt steigender Druck vonseiten des Großhandels, der versuchen wird, seinerseits wenigstens einen Teil der AMNOG-bedingten Erlösminderungen bei den Apotheken wieder hereinzuholen.

Diese Situation werde "den Wettbewerb der Apotheken untereinander intensivieren", heißt es bei der apoBank. "Unter ökonomischen Aspekten" könne es daher sinnvoll sein, sich in diesem Wettbewerb zu positionieren und zum Beispiel in die Apotheke zu investieren oder zu expandieren, um auf diese Weise die Umsätze zu erhöhen oder die Kosten zu senken, heißt es.

Zuvor hatte Vorstandssprecher Herbert Pfennig in der Jahrespressekonferenz der apoBank angekündigt, dass die Bank für 2010 voraussichtlich wieder eine Dividende von vier Prozent an die Mitglieder ausschütten werde. Darüber wird die Hauptversammlung der Bank im Juni entscheiden.

Nach dem ersten Verlust in ihrer Geschichte 2009 sei die Standesbank der Heilberufler im vergangenen Jahr wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt und habe einen Jahresüberschuss von 53,4 Millionen Euro erwirtschaftet, so Pfennig.

Strategisch will sich die Bank nach den Worten Pfennigs in drei Feldern weiterentwickeln, um auf die Veränderungen im Gesundheitsmarkt zu reagieren: So sollen die Geschäftsaktivitäten bei angestellten Heilberuflern ausgebaut werden.

Die Bank will sich außerdem stärker als ganzheitlicher Finanzdienstleister positionieren und in das Anlagegeschäft mit Privatkunden investieren. Und nicht zuletzt soll das Geschäft mit ambulanten Versorgungsstrukturen ausgebaut werden, etwa mit Medizinischen Versorgungszentren.

Der Anteil der MVZ am Kreditneugeschäft mache bislang rund acht Prozent aus, so Pfennig, das solle in den nächsten Jahren kräftig ausgebaut werden. Dabei habe die apoBank jedoch Präferenzen: "Für uns stehen solche Versorgungsstrukturen im Vordergrund, die von Heilberuflern getragen werden."

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Gefahr im Vekehr oder alles im grünen Bereich?

Patienten, die Cannabispräparate in Dauermedikation haben, dürfen am Straßenverkehr teilnehmen. Eine wissenschaftliche Debatte über ein erhöhtes Verkehrssicherheitsrisiko wurde noch nicht geführt. mehr »

Frau hat keinen Anspruch auf Schmerzensgeld

Hat eine Frau Anspruch auf Schmerzensgeld, wenn ein Arztfehler zu Impotenz des Mannes führt? Das OLG Hamm verneint – und gibt eine Begründung. mehr »

Tausende Pfleger ergreifen die Flucht

Großbritannien gehen die Pflegekräfte aus: Zu groß ist die Unzufriedenheit mit dem System. Sie zeigt sich zunehmend auch bei Patienten. mehr »