Ärzte Zeitung online, 18.08.2011

Bestellservice mit Rx-Bonus: Linda fordert Konkurrenz heraus

Bonusprogramme öffentlicher Apotheken sorgen immer wieder für Zwist in der Branche. Doch wenn der Dachmarkenverbund Linda seinen jetzt angekündigten bundesweiten Roll-Out des Bestellsystems "Vorteil24" wahr macht, waren alle bisherigen Scharmützel um Einkaufsvorteile im Rx-Geschäft nur ein Sturm im Wasserglas.

Bestellservice mit Rx-Bonus: Linda fordert Konkurrenz heraus

Linda-Apotheke: Bald soll es den Rx-Bonus in der Fläche geben.

© Ott

KÖLN (cw). Bisher nehmen nach Angaben der Linda-Zentrale rund 100 Apotheker an dem Bonusmodell "Vorteil24" teil. Doch der vor knapp einem Jahr gestartete Testlauf soll zur Apothekermesse Expopharm Anfang Oktober abgeschlossen sein.

Dann will die Zentrale allen 1300 Linda-Partnern das Bestellsystem anbieten. Die Nachfrage der Partner sei bereits jetzt "massiv", so Linda-Sprecherin Vanessa Bandke. Wöchentlich nähmen die Interessensbekundungen zu, derzeit lägen etwa 500 Voranmeldungen vor.

Bis zu 15 Euro Bonus bei Rezepten

"Vorteil24" beinhaltet einen ausgeklügelten Bezug verschreibungspflichtiger Medikamente bei einer niederländischen Apotheke, der Montanus B.V..

Deutsche Kunden können in der hiesigen Linda-Apotheke Medikamente aus Holland bestellen und abholen. Dabei erhalten sie einen Bonus - drei Prozent des Apothekenabgabepreises, mindestens 2,50 Euro, maximal 15 Euro -, der mit der Zuzahlung verrechnet sowie auf den OTC-Einkauf angerechnet wird.

Zwischen dem hiesigen Bestell- und Abholort (Linda-Apotheke) und der niederländischen Apotheke sitzt ein Dienstleister, der die Ware im Kundenauftrag beschafft.

De jure findet der Einkauf also in den Niederlanden statt, der deutsche Apotheker erhält statt des üblichen Fixzuschlags eine Vermittlungsprovision.

Auf diesem Weg können sowohl hierzulande nicht erlaubte Rezeptboni gewährt werden, als auch das Ertragspotenzial der Mehrwertsteuerdifferenz zwischen Deutschland (19 Prozent) und den Niederlanden (6 Prozent) zu Gunsten aller Beteiligten erschlossen werden.

Keine negative Reaktion bei den Kassen

Die Krankenkassen, die mit der niederländischen Montanus-Apotheke abrechnen müssen, stehen dem Bestellservice mit Rx-Bonus offenbar aufgeschlossen gegenüber.

Im Juni seien alle GKV-Kassen angeschrieben und über "Vorteil24" informiert worden, eine Rote Karte habe man bislang nicht gesehen, versichert Linda-Sprecherin Bandke.

Mit einigen Kassen habe man das Modell auch schon ausführlicher besprochen und dabei gleichfalls keinerlei negative Resonanz erfahren - "im Gegenteil", heißt es andeutungsweise.

Juristisch erweist sich "Vorteil24" bislang als erstaunlich stabil. Ein Verfahren, dass die Wettbewerbszentrale gegen die Erfinder und verantwortlichen Betreiber, die Burscheider Apothekerfamilie Winterfeld, schon vor drei Jahren angestrengt hat, setzt inzwischen beim Bundesgerichtshof Staub an.

Ein Verhandlungstermin ist nicht in Sicht. Die Wettbewerbszentrale hatte einen Verstoß gegen die Arzneimittelpreisverordnung beklagt.

Vermittlertätigkeit Anlass für ein neues Verfahren

Ein weiteres wettbewerbsrechtlich motiviertes Verfahren der Apothekerkammer Nordrhein sowie ein aufsichtsrechtliches Verfahren des Amtsapothekers im Landkreis Euskirchen - beide gegen dieselbe Linda-Apotheke - scheiterten im Januar dieses Jahres an Formfehlern.

Unterdessen hat die Euskirchener Aufsicht einen zweiten Anlauf genommen und erneut Klage eingereicht.

In der Hauptsache bringt der Amtsapotheker gegen "Vorteil24" und den Linda-Apotheker dessen Vermittlungstätigkeit vor. Die stelle ein Shop-in-Shop-Konzept dar, das sich mit der Apothekenbetriebsordnung nicht vereinbaren lasse.

Dagegen verteidigt Linda-Sprecherin Bandke "Vorteil24" als ein "scharfes Wettbewerbsinstrument": "Wir wollen nicht tatenlos zusehen, wie die Kunden ins Internet gehen statt in die Apotheke".

Allerdings sind es nicht nur die Versandapotheken, gegen die sich die Linda-Partner mit ihrem Bonusmodell in Stellung bringen. Ein erfolgreicher Roll Out würde vor allem den stationären Apothekenmarkt gehörig durcheinanderwirbeln.

Ausweitung von Bonusangeboten

Angesichts der bundesweiten Präsenz der Linda-Apotheken wären Bonusangebote im Rezeptgeschäft dann nicht mehr auf eine Handvoll Anbieter beschränkt, die kaum weiter auffallen und zudem den Linda-Rabatten nichts vergleichbares entgegenzusetzen hätten.

Nach aktueller Rechtslage gelten gerade mal Rx-Boni bis zur Wertgrenze eines Euros als vertretbar.

Potenzial für aggressives Rx-Marketing in der Fläche ist jedenfalls da: Neben den 1300 bestehenden Linda-Apotheken sollen auch weitere 2100 Apotheken der Linda-Mutter MVDA (Marketing Verein Deutscher Apotheker) an "Vorteil24" partizipieren dürfen, sofern sie der Dachmarke beitreten und sich das Linda-Logo an die Ladentür hängen.

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