Ärzte Zeitung online, 23.11.2011

Wettbewerbszentrale nimmt Linda ins Visier

BAD HOMBURG (cw). Die Wettbewerbszentrale verzichtet auf Revision gegen einen Apotheker, der die Praxisgebühr übernimmt und wendet sich jetzt dem Bonus-System "Vorteil24"zu.

Wettbewerbszentrale nimmt Linda ins Visier

Linda: Das Holland-Modell ist der Wettbewerbszentrale ein Dorn im Auge.

© Christian Ott

Das Bad Homburger Selbstkontrollorgan wird keine Berufung gegen ein Urteil des OLG Düsseldorf einlegen, demnach die Erstattung der Praxisgebühr durch Apotheker zulässig ist.

Nach Ansicht des Vereins lohnt sich der Gang vor den Bundesgerichtshof nicht. Einesteils stünden die Chancen schlecht, den Prozess zu gewinnen.

Anderenteils sei die Subvention der Praxisgebühr durch Apotheken auch "kein Thema mehr", wie Rücksprachen mit mehreren Landesapothekerkammern ergeben hätten.

Die Apotheker hätten schnell gemerkt, dass die Sache richtig teuer werden kann, erklärte eine Sprecherin der Wettbewerbszentrale auf Anfrage.

Wenig Aussicht auf der Prozesserfolg

Die Zentrale hatte einem Apotheker vorgeworfen, mit seiner Aufforderung "holen Sie sich die Praxisgebühr zurück" deren gesetzgeberischen Zweck zu unterlaufen, Patienten von überflüssigen Arztbesuchen abzuhalten.

Das Oberlandesgericht Düsseldorf vertrat jedoch die Auffassung, der einschlägige Passus im SGB V stelle keine wettbewerbsrechtlich relevante Marktverhaltensregel dar.

"Man wird deshalb davon ausgehen können, dass derartige Aktionen nicht mehr mit Erfolg beanstandet werden können", lautet das Fazit der Zentrale.

Auch eine Kollision mit der Standesaufsicht ist unwahrscheinlich. Denn die meisten Länderkammern untersagen in ihren Berufsordnungen lediglich Abweichungen von der Arzneimittelpreisverordnung.

Wettbewerbszentrale läuft "gerade warm"

Eine Ausnahme bildet etwa die Berufsordnung für bayerische Apotheker, die auch eine "teilweise Erstattung von gesetzlich vorgeschriebenen Eigenanteilen des Patienten (zum Beispiel Praxisgebühr)" ausdrücklich verbietet.

Was den Preiswettbewerb unter Apotheken betrifft, nimmt sich die Wettbewerbszentrale unterdessen neuer Herausforderungen an: nämlich des rabattbegünstigten Holland-Einkaufs, den die Apothekenkooperation "Linda" unter dem Namen "Vorteil24" anbietet.

Laut Systemzentrale praktizieren mittlerweile rund 300 Linda-Mitglieder das Modell. Dabei wird deutschen Kunden der Einkauf verschreibungspflichtiger Arzneimittel in den Niederlanden ermöglicht - inklusive satter Rx-Boni. Die hiesigen Apotheker, die die Ware nur aushändigen, erhalten eine Vermittlungsgebühr.

Das will die Wettbewerbszentrale unterbinden und bereitet einen Musterprozess gegen einen Linda-Apotheker vor. "Wir laufen uns gerade warm", heißt es. Argumentativer Ansatz: unzulässiges Fremdgeschäft, das die Linda-Apotheker in der Auftragsannahme für Dritte betreiben.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Im Sushi war der Wurm drin

Der Hinweis aufs Sushi brachte die Ärzte auf die richtige Spur. Statt den Patienten wegen Verdachts auf akutes Abdomen zu operieren, führten sie eine Gastroskopie durch. mehr »

Alle wichtigen Videos vom Ärztetag

Digitalisierung, Angst vor Veränderung, Wunschminister: Die Ärztezeitung fasst für Sie die wichtigen Themen des Ärztetags in kurzen Videos zusammen. mehr »

Importierte Infektionen führen leicht zu Diagnosefehlern

Wann muss ein Arzt für eine Fehldiagnose gerade stehen? In einem aktuellen Fall entschied das Oberlandesgericht Frankfurt gegen einen Arzt. mehr »