ArztOnline, 30.06.2010

Auch die Energie wird interaktiv

Verbraucher sollen künftig ihren Stromverbrauch besser kontrollieren können. Dazu werden jetzt erste Haushalte mit intelligenter Technik ausgestattet.

Energiefresser werden von digitalen Stromzählern erkannt, Geräte und Heizungen vom Computer gesteuert, Elektroautos nachts als Energiespeicher benutzt. Das digitale Energiezeitalter steht in der Erprobungsphase. Die Schlagworte lauten: Smart Grids, Smart Energy, Smart Metering und Smart Home.

In Mülheim an der Ruhr stattet der Energiekonzern RWE 116 000 Haushalte mit digitalen Energiezählern und Kommunikationstechnik aus, die den Verbrauch von Strom, Gas, Wärme oder Wasser online monatlich an das Energieunternehmen übermitteln. 20 000 Haushalte sind schon ausgerüstet. Mieter oder Hausherren können mit entsprechender Software Details über ihren Verbrauch erfahren und ihr Verhalten gezielt anpassen. Bis Ende 2011 soll das größte Smart-Meter-Projekt Deutschlands abgeschlossen sein. "Wir wollen in Mülheim vor allem Erfahrung mit dieser neuen Technik sammeln", sagt Wolfgang Schley von der RWE-Netzgesellschaft. Auch der Konkurrent Eon testet die Geräte in einer Reihe von Pilotversuchen. Nach EU-Vorgaben müssen 80 Prozent aller Haushalte bis 2020 mit Smart Metern ausgestattet sein.

Anbieter müssen lastvariable Stromtarife gewähren

Zum Jahreswechsel bietet RWE Vertrieb passend zu Smart Meter last- und zeitvariable Stromtarife an. Die Bundesnetzagentur hatte am 23. Juni noch einmal klargestellt, dass die Versorger bis Ende 2010 solche Tarife anbieten müssen. So ergeben sich für den Verbraucher Sparmöglichkeiten: Lässt er etwa seine Waschmaschine nachts oder am Wochenende laufen, zahlt er weniger als zu Spitzenlastzeiten.

Verlässt man das Haus, schaltet sich der Fernseher aus

Die Energiesteuerung kann auch gleich komplett technisiert werden. Smart Home heißt die Variante, die RWE ab Herbst anbieten will. Einmal programmiert, schaltet eine Zentraleinheit die Heizung aus, wenn gelüftet wird. Verlassen die Bewohner das Haus, schaltet sich am Fernseher der Standby-Betrieb ab, per Funk. Jeder Stromverbrauch kann durch den Kunden nach Bedarf gesteuert werden. Von Außen kann in Spitzenlastzeiten sogar der Gefrierschrank kurzzeitig abgeschaltet oder Strom aus dem in Schwachlastzeiten "aufgetankten" Elektroauto vom Unternehmen zurückgekauft werden. (dpa)

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