ArztRaum, 29.07.2010

Die Auswahl ist Chefsache

Ein guter Praxis-Schreibtisch ermöglicht komfortables Arbeiten und bietet eine Plattform für das Gespräch mit den Patienten. Er ist zugleich individuelles Statussymbol, exklusives Designobjekt und prägend für das Arztzimmer.

Von Franziska Stelter

Die Auswahl ist Chefsache

Bunt: "BaObab" ist Tisch und Skulptur zugleich. Die besondere Form bietet viel Stauraum. Preis ca. 2500 Euro.
www.vitra.com

Deutsche Ärzte sitzen täglich zwei bis drei Stunden an bürokratischen Aufgaben am Schreibtisch - das stellte das eHealth-Unternehmen "CompuGROUP" in einer aktuellen Umfrage fest. Hinzu kommt seine Rolle als Kommunikationsplattform: Patientengespräche werden oft über das zentral, zwischen den Gesprächspartnern platzierte Möbel hinweg geführt.

Die Auswahl ist Chefsache

Extravagant: Der formschöne
"i-con-desk" ist in verschiedenen Größen erhältlich. Preis ca. 3500 Euro.
www.arco-moebel.de

Ein enormes Angebot an Material, Form und Farbe stellt jeden Mediziner vor eine schwierige Entscheidung. Ganz frei ist man bei der Wahl des idealen Schreibtisches allerdings nicht: Damit sich beide - Arzt und Patient - vor und hinter dem Möbel wohlfühlen, gilt es, einige Aspekte zu beachten.

So sollte die Raumatmosphäre berücksichtigt werden: In einer traditionellen Praxis etwa wirkt ein futuristischer Designertisch in knalligem Grün fehl am Platz. Ebenso würde ein massives Holzgebilde in schlicht-modernen Räumlichkeiten von den Patienten leicht als Störfaktor wahrgenommen werden.

Als Fauxpas könnte sich ein schwarzer Schreibtisch erweisen. Einersets liegen die dunklen Möbelstücke stark im Trend, weil sie dem Raum eine edle Note und dem Besitzer Würde verleihen. Allerdings steht Schwarz auch für Trauer und Leid. Dies könnte im Unterbewusstsein der Patienten negative Assoziationen auslösen und Ängste hervorrufen.

Empfehlenswert für Praxis und Klinik sind eher warme sowie fröhliche Farben oder - wo es mit der restlichen Einrichtung harmoniert - ein dezentes Designerstück.

Ergonomisch und sicher

Anforderungen an den Praxis-Schreibtisch

Es liegt im Ermessen des Arztes, welchen Schreibtisch er für sein Chefzimmer wählt. Die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) hat jedoch Anforderungen an den Arbeitsplatz formuliert, an denen man sich bei der Wahl des Möbels orientieren kann.

Sicherheit: Zu diesem Aspekt zählen Material, Oberfläche und Stabilität. Es muss gewährleistet werden, dass die verwendeten Rohstoffe den täglichen Beanspruchungen standhalten. Zudem darf keine Verletzungsgefahr, etwa an scharfen Ecken, bestehen. Bei Belastungen darf der Tisch nicht nachgeben. Stabilität ist bei Stehpulten sehr wichtig.

Ergonomie: Eine Tischhöhe von 72 Zentimetern ist Standard, höhenverstellbare Modelle sind variabel bis 118 Zentimeter. Die Mindestiefe liegt bei 80 Zentimetern, die Ablagefläche sollte minimal 128 Quadratzentimeter betragen.

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[22.05.2017, 15:24:16]
Astrid Poensgen-Heinrich 
keine homöopathie mehr
Es gibt eine ganze Reihe von Verfahren, deren Nutzen "wissenschaftlich" nicht nachgewiesen wurden, die dennoch hilfreich sind bzw. zur Heilung beitragen.Zum Beispiel hilft einer Patientin Homviotensin nachhaltig, soll diese jetzt wieder eine Verordnung mit den wesentlich teureren Sartanen bekommen, mit all deren Nebenwirkungen? Das ist für mich nicht nachvollziehbar.  zum Beitrag »
[22.05.2017, 15:15:25]
Karlheinz Bayer 
warum keine Homöopathie und warum Digitalisierung, Herr Gassen?

Nach der griechischen Mythologie folgt die Nemesis auf die Hybris.
Hybris ist, wenn man sagt, Homöopathie habe nichts im GKV-Katalog zu suchen. Die Nemesis ist folgerichtig die Digitalisierung unseres Berufsstands.
Herr Gassen möge von seinem hohen Roß und sich anschauen, wieviele Menschen, die alle GKV-Beiträge zahlen, sich der Homöopathie zuwenden, der Phytotherapie, und darüber hinaus einem schönen Bündel anderer alternativer Behandlungsmethoden.
Klar daß das ein gelernter Unfallchirurg und Orthopäde wie Andreas Gassen anders sieht als ein Landarzt.

Dr.Karlheinz Bayer, kein Homöopath, aber Landarzt
 zum Beitrag »
[22.05.2017, 11:26:18]
Anne C. Leber 
Leserzuschrift von Ulrich E. Hammerla
Sehr richtig erkannt: Der Hausarzt ist die Stelle, an der problematischer Alkoholgebrauch am besten erkannt und der oft letale Verlauf unterbrochen werden kann.
Dennoch: Trotz einer Prävalenz des Alkoholismus von 3 bis 5 Prozent der über 15-jährigen wird die Diagnose F10.2 nur in 0.75 Prozent der Hausarztfälle kodiert!
Das ist nur durch "aktives Wegschauen" erklärbar. Schon O. Ameisen beschrieb in seinem Buch "Das Ende meiner Sucht", dass die allermeisten Ärzte sofort das Thema wechseln, wenn das Gespräch auf Alkoholprobleme kommt.
Denkbarer Grund dafür ist zum einen, dass Alkoholiker als "anstrengende" Patienten gelten, bei denen der ohne Vergütung erbrachte Aufwand an Zeit und Leistungen ohnehin frustran bleibt.
Zum anderen ist es natürlich die Hilflosigkeit der Krankheit gegenüber. Die meist völlig obsoleten Kenntnisse der Ärzte aus Studium und Weiterbildung beschränken das hausärztliche Eingreifen auf die Ausstellung der Einweisung zur Entgiftung und den Reha-Antrag für die Entwöhnung - "viel Glück, kommen Sie wieder, wenn Sie trocken sind...."
Dass bereits zwei(!) "qualifizierte suchtmedizinische Interventionen" beim Hausarzt einen nachhaltigen Effekt auf den Verlauf der Alkoholgebrauchsstörungen haben, ist weithin unbekannt, erst recht die nachweislich wirksamen Konsumreduktionsprogramme, deren Wirkung der von zugelassenen "Entwöhnungsmitteln" ebenbürtig ist (z.B. "Kontrolliertes Trinken" n. Körkel)
Es ist ja offensichtlich auch erwünscht, dass das so bleibt! Selbst suchtmedizinisch qualifizierte Ärzte erhalten für ihre Leistungen keine extrabudgetäre Vergütung, Interventionen vor Manifestation der Abhängigkeit sind überhaupt nicht vorgesehen, da der "schädliche Gebrauch von Alkohol" nicht als Krankheit, sondern nur als schlechte Angewohnheit gilt - wie Nasebohrn oder Nägelkauen.
Obwohl Alkoholentgiftungen in 90 Prozent der Fälle und mit besseren Ergebnissen ambulant durchgeführt werden können, besteht seitens der Krankenkassen kein Interesse an einer Ausweitung des erfolgreichen IV-Projektes in Saarlouis.
Solange qualifizierte suchtmedizinische Leistungen bei Hausärzten aus den lächerlichen Honoraren für Gesprächsleistungen und Psychosomatik wirtschaftlich nicht darstellbar sind, wird sich da auch nichts ändern...
Mit freundlichen Grüßen
Ulrich E. Hammerla
FAfAM, Suchtmedizin, Psychotherapie,
Oberhausen


 zum Beitrag »
[21.05.2017, 15:28:12]
karla Gstaeckbun 
Leider kein Grundrecht auf Reichtum/ Sicherstellung der Versorgung rechtlich einfachst möglich
Der Reputationsverlust der Ärzte ( diese Zeitung berichtete über die Zunahme an Gewalt) dürfte bei breiter Prüfung auch auf die für die Bevölkerung schwer verständliche Einstellung zum Einkommen attribuiert werden können, die vermutlich eine andere Vorstellung von marktkontrolliertem freien Unternehmertum hat.
Ein massenweise Niederlegung der Arbeit ließe sich im Justizministerium einfach mit einer Novelle der unterlassenen Hilfeleistung in Verbindung des vom Berufsstandes nach außen getragenen Selbstbildes des ehrbaren Heilers verbinden. zum Beitrag »
[19.05.2017, 14:10:43]
Patricia Singer 
Ein Blick über den Tellerrand
Ein Blick nach Österreich hilft abzusehen, was wohl wirklich passieren würde - Kassenärzte haben weiterhin nur 3-5 Minuten pro Patient Zeit und volle Praxen. Diejenigen, die da nicht mitmachen sind privat niedergelassen (in Österreich "Wahlärzte") und betreuen Patienten, die bereit sind dafür aus eigener Tasche zu zahlen, dass sich ein Arzt Zeit nimmt. Die Kassen erstatten hierfür allerdings 80% der Leistung an den Patienten, die ein Patient bei einem Kassenarzt gekostet hätte (also ca. 16 Euro, glaube ich, wobei die meisten Patienten sich nicht die Mühe machen, das einzureichen, da ein Wahlarzt die Kosten für seinen Termin ganz ohne GOÄ bestimmen kann und somit eher bei 60-120 Euro liegt; dennoch eine gute Geste der KV). Wenn die KV Beiträge dann noch deutlich günstiger werden durch die Bürgerversicherung (Vergleich Österreich- die GKV kostet halb so viel wie in Deutschland, der Patient erhält aber etwas mehr Leistungen und der Arzt etwas mehr Bezahlung - und die Kasse eben etwas weniger), dann hat der Bürger ja eine Basisversorgung und kann sich von dem ersparten Geld im Bedarfsfall auch einen privaten Arzt leisten. zum Beitrag »
[19.05.2017, 12:53:07]
Thomas Georg Schätzler 
Koffeinintoxikation und plötzlicher Herztod?
Die Originalmeldung lautet:
"FOR IMMEDIATE RELEASE CONTACT: GARY WATTS, CORONER - 5/15/17 2:44 PM (803)576-1799 RICHLAND COUNTY, SC
At a press conference held today at 1:00 p.m. at the Richland County Coroner’s Office at 6300 Shakespeare Road, Columbia, SC, Richland County Coroner Gary Watts released the cause of death of Davis Allen Cripe. Mr. Cripe was the 16 year-old Spring Hill High School student that died on April 26, 2017. The final cause of death was determined to be due to a caffeine-induced cardiac event causing a probable arrhythmia."
Quelle http://rccosc.com/news-2015-archive/
RccoSC.com | Richland County Coroner's Office | South Carolina > USA

Daraus geht eine vage Vermutung einer wahrscheinlichen Arrhythmie als Koffein-induziertes Herz-Ereignis und damit einer "bestimmten" Todesursache hervor. Eine möglicherweise kausale Ursache-Wirkungsbeziehung bleibt damit völlig offen und ermöglicht der interessierten Öffentlichkeit die wildesten Spekulationen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund zum Beitrag »
[19.05.2017, 12:29:56]
Thomas Georg Schätzler 
SPD - gesund, krank oder krass?
Einführung
Politische Parteien, die doch Krankheitsprobleme und Bewältigungsstrategien perspektivisch und innovativ begleiten sollen, schwadronieren gerne ebenso allgemein-abstrakt wie Medizin- und Versorgungs-bildungsfern von 'Gesundheit'. Dieser postfaktische Ansatz verunsichert unsere oftmals akut, chronisch, schwer oder unheilbar kranken Patientinnen und Patienten, bzw. stellt ihre Versorgung in Frage. So auch die gute, alte SPD. Ihr permanenter Gebrauch einer oft deplatzierten "Gesundheits"-Begrifflichkeit unterstellt bei Kranken, Behinderten und dysfunktionellen Patientinnen und Patienten unter anderem den unterschwelligen Vorwurf, sie hätten einfach nur nicht gesund genug gelebt. Sonst könnten sie doch auf notwendige Arzt- und Hausbesuche, pflegerische Maßnahmen und Medikamente eher verzichten.

Bürgerversicherung
Doch nun zur "Bürgerversicherung" der SPD. Diese ist in der Gesundheitspolitik der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands ganz oben auf der Wahlkampfagenda platziert. Nicht nur SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach kündigt an, die Bürgerversicherung zum Wahlkampfthema zu machen. Auch SPD-Vize Ralf Stegner legte nach. "Ohne eine Verständigung auf eine Bürgerversicherung sollten die Sozialdemokraten nach der Bundestagswahl kein neues Bündnis mit der Union eingehen", sagte er.

Martin Schulz, Kanzlerkandidat?
Auch Martin Schulz, designierter Kanzlerkandidat, Parteivorsitzender und Hoffnungsträger (?) der SPD, setzt auf einen Gerechtigkeitswahlkampf. Dazu gehören neben einer paritätisch finanzierten Bürgerversicherung die Absage an die sogenannte Zwei-Klassen-Medizin.

Lauterbach & Co
Doch liebe SPD, so wird das auch mit Martin Schulz nichts mit dem Krankheits- und Gesundheitswesen! Denn der stets besserwisserisch-auftrumpfende SPD-Fraktionsvize Prof. Dr. med. Karl Lauterbach (Approbation als Arzt erst seit 2010 lt. Handbuch des Deutschen Bundestages) und der eher mürrisch-vorwurfsvolle SPD-Vize Ralf Stegner sind Garanten dafür, dass die SPD bei der nächsten Bundestagswahl unter ihren Erwartungen bleiben wird. Ausgerechnet Bürgerversicherung, Zwei-Klassen-Medizin, Chancengleichheit im Bildungssystem, gerechte Familienpolitik und Absinken des Rentenniveaus zum Wahlkampfthema machen zu wollen, kommt von Experten, die das alles mit der Schröder'schen "Agenda 2000" bereits vorexerziert, demontiert und zunichte gemacht haben.

Bürgerversicherung und Sozialpolitik konkret
1. Mit der Bürgerversicherung verdirbt man es sich mit allen Beamtinnen, Beamten und Beihilfeberechtigten im Öffentlichen Dienst. Die Private Krankenversicherung (PKV) und die Altersrückstellungen ihrer Mitglieder kann man nicht entschädigungslos enteignen. Außerdem müssten dann endlich auch die Beitragsbemessungsgrenze und die Freistellung sonstiger Einkünfte wegfallen, was die SPD geradezu in Panik versetzen würde.
2. Die Zwei-Klassen-Medizin wurde mit §12 Sozialgesetzbuch 5 (SGB V) "Die Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein; sie dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten" (WANZ-Prinzip wirtschaftlich, ausreichend, notwendig, zweckmäßig) auch und gerade von der SPD für die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) eingeführt und zementiert. Systematisch überproportionale Zuzahlungen und finanzielle Extra-Belastungen bei unseren einkommensschwächsten Patienten sind die Folge. Alle gut verträglichen, nicht rezeptpflichtigen Präparate sind oft unerreichbare Selbstzahler-Leistungen.

Schere zwischen Arm und Reich
Die Schere zwischen Arm und Reich geht in Deutschland immer weiter auf. Jede/r, der/die mit Fingerspitzengefühl, emotionaler, sozialer und praktischer Intelligenz in der hausärztlichen Praxis arbeitet, wird das bestätigen können. Wie schaffen wir es, eine Balance von Solidarität, Selbstverantwortung und Subsidiarität in der Krankenversicherung herzustellen? O h n e dass sozial Schwache, Kranke, Alte, Junge, Kinder, Erwachsene, Reiche, Arme, Kluge und weniger Kluge ausgegrenzt, diskriminiert und im Krankheitsfall in Existenzangst oder würdeloses Sterben getrieben werden?

Zukunftsfestigkeit
Es geht um unsere Zukunft, die unserer Kinder, deren umfassende Krankheits- und Risikovorsorge der Staat endlich mit einem angemessenen GKV-Bundeszuschuss garantieren muss; es geht um junge Menschen in der Ausbildung, die für kleines Geld Kranken- u n d Sozialversicherung brauchen; es geht um Gut-, Schlecht- u n d Spitzenverdiener im Reproduktions- und Arbeitsleben, aber auch um Rentner/-innen mit dann schwindendem Einkommen und hoher Morbiditätslast, um Geringverdiener, Arbeitslose, Minijobber, ALG-I- und -II-Bezieher.

GKV-Bürgerversicherung neben der PKV
Eine lupenreine "Bürgerversicherung" existiert bereits über 100 Jahre für 90 Prozent der mittlerweile knapp 83 Millionen Menschen in Deutschland als Gesetzliche Krankenversicherung (GKV). Einschließlich Herz-Lungen-Nieren-Leber-Hornhaut etc. Transplantationen, einschließlich drug-eluting und bare-metal Stents, einschließlich TAVI, Biologicals, Interferon-, HIV-Medikation, E-Rollstuhl und Carbonprothesen, stationärer, ambulanter und palliativer Versorgung, einschließlich Beatmungs- und Palliativpflege usw. usf. Eine Zwei-Klassen-Medizin wird nicht durch gerade mal 10 Prozent Vollversicherte in der Privaten Krankenversicherung (PKV) abgebildet, sondern durch immer höhere Zuzahlungen, Versorgungsausschlüsse, G-BA-Ausgrenzungen und Torpedierung wesentlicher nicht-medikamentöser Therapiemaßnahmen innerhalb der GKV. Dadurch werden Geringverdiener in der GKV-Versorgung und -Sicherstellung zunehmend ins Abseits gestellt.

Die gute alte Tante SPD?
Wenn die gute alte Tante SPD noch so einen Hauch von "sozialem Gewissen der Nation" darstellen will, müsste sie im G e g e n s a t z zur Bundesregierung jährlich ungeschönte, unzensierte und unmanipulierte Armutsberichte erstellen. In Kindergärten, Horten, Heimen, Sozialhilfezentren, Schulen, Krankenhäusern, REHA-Einrichtungen, Ferienlagern, Jugendlichen- und Erwachsenenbildung, Seniorenzentren, Begegnungsstätten, Heimen und Hospizen den Sorgen und Nöten der Bevölkerung zuhören.

Bürgerversicherung vs. Kopfpauschale
Mit einem intellektuell abgehobenen Streit um Bürgerversicherung vs. Kopfpauschale, der die FDP Kopf und Kragen gekostet hatte, um Einheits-Krankenkassen oder Einheitsmedizin mit 3 Pillen à la Lauterbach kann die SPD in einem Wahlkampf-Marathon nicht punkten. Die vielzitierte "Gerechtigkeitslücke" ist viel zu abstrakt, um die systematische Ausgrenzung und Entsolidarisierung in Deutschland zu beschreiben.

Strukturgrenzen aufheben?
Absolut aberwitzig ist die von der Hamburger Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks aufgebrachte Idee der Aufhebung der Grenzen zwischen den ambulanten und stationären Sek­toren: Die Grenzen zwischen ambulant/stationär komplett aufheben zu wollen, hieße Medizin- und Versorgungs-bildungsfern den REHA-Patienten auf der Intensivstation zu therapieren, den akuten Herzinfarkt ambulant auf der grünen Wiese per PTCA zu katheterisieren und die akute Appendizitis nur noch durch den Hausarzt operieren zu lassen.

Abgestufte Versorgungsebenen
Was wir brauchen dagegen brauchen, liebe SPD, ist ein auch für Laien verständliches, strukturiertes Konzept mit abgestuften Versorgungsebenen:
1. Strukturen mit präformiertem medizinischen Laienwissen

2. Lotsenfunktion/Koordination durch Hausärzte als "Primärarzt"

3. allgemeinärztlich-internistisch-pädiatrische Grundversorgung

4. fachärztliche, spezialmedizinische, ambulante Fachversorgung

5. ambulante bis stationäre Stufendiagnostik

6. Therapie/Versorgung Beschwerden-, Situations- und Krankheits-adaptiert vom Kreiskrankenhaus bis zur Uniklinik.

Mantra der Gesundheit?
Und wir müssen weg von dem ewigen Mantra der Gesundheit und dem Versuch, alle bio-psycho-sozialen Probleme gesundbeten zu wollen. Endlich Krankheit, Behinderung, Siechtum und körperliche bzw. psychische Beschädigungen als integral-vitale, schwierige und zugleich bereichernde Lebensäußerungen zu begreifen und unsere Patientinnen und Patienten dort abzuholen, wo sie gerade stehen: Bei Schwangerschaft, Geburt, Kindheit, Jugend, Adoleszenz, Erwachsensein, Alterung, Leben, Vergänglichkeit und Tod!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund zum Beitrag »
[19.05.2017, 12:27:12]
Thomas Georg Schätzler 
Wo soll das Ganze denn noch hinführen?
Da werden alle 43.145 schwedischen Männer derart detailliert erfasst, die in den Jahren 2007 bis 2013 erstmals wegen eines Herzinfarkts in stationärer Behandlung gewesen waren. Und während eines Nachbeobachtungszeitraums von im Mittel 3,3 Jahren konnte exakt überprüft werden, dass 7,1 Prozent von ihnen Rezepte für Medikamente gegen erektile Dysfunktion (ED) eingelöst hatten.

Ob sie diese auch eingenommen und Geschlechtsverkehr praktiziert haben, ließe sich flächendeckend in ganz Schweden mit permanenter Wärmbildkamera-Überwachung detektieren!? - Doch so weit gehen die Schweden (noch) nicht?

Aber eine simple Frage bleibt in "Association between treatment for erectile dysfunction and death or cardiovascular outcomes after myocardial infarction" von Daniel P Andersson et al. http://heart.bmj.com/content/early/2017/03/22/heartjnl-2016-310746
völlig unberücksichtigt: Wer hatte denn schon v o r dem Infarktereignis eine ED und wie wurde diese therapiert? Waren Männer mit präformierter ED, Infarktereignis und therapierter Postinfarkt-ED nicht einfach besser informiert und drauf, fitter und cleverer als die Vergleichsgruppen mit/ohne ED und mit/ohne ED-Therapie?

Was das allerwichtigste ist, hatte die sexuell mit pharmakologischer Unterstützung aktivere Überlebensgruppe eine Partnerschaft, für die sich der Einsatz von Alprostadil (wer nimmt das denn?) und PDE-5-Hemmern überhaupt lohnt?

Denn nicht nur die kardiovaskuläre Mortalität, sondern auch (Multi-)Morbidität und Gesamtmortalität sind bei unverheirateten Single-Männern weltweit in allen Studien höher als bei denen, die in einer festen Beziehung leben.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund  zum Beitrag »
[18.05.2017, 10:32:57]
Hildegard Fuchs 
Fehlinterpretationen - medizinisch und gebührenrechtlich
Auf die allgemeinen Ausführungen soll hier nicht näher eingegangen werden. Aber zwei Dinge sind zu betrachten: Ein Druckverband nach der Op. mag noch angehen, nicht aber bei den Wundkontrollen. Wenn dem so ist, hat der Operateur etwas falsch gemacht - noch dazu an der beschriebenen Stelle am Körper. Gleiches gilt für den Zustand nach Fadenzug. Somit scheidet die Berechnung eines Druckverbandes i. S. der Nr. 204 der GOÄ aus und ergeben sich andere Konstellationen zur Nutzung der Höherwertigkeitswahl. Zudem greift der Ausschluss der 1 und/oder 5 neben Sonderleistungen im ersten Termin nach der Op. nicht, da es sich hierbei um einen neuen Behandlungsfall handelt!
Fazit: Fallkonstruktionen genau an der Realität beschreiben, dann passt's auch mit der Honorargestaltung.
Hildegard Fuchs zum Beitrag »
[17.05.2017, 09:50:17]
Thomas Georg Schätzler 
Mein hausärztlicher Zehn-Punkte-Plan für eine bessere schmerzmedizinische Versorgung!
1. Schmerzen sind Bestandteile zu behandelnder Krankheiten und Lei(d)t-Symptome
2. Primärdiagnostik bzw. Fokussuche müssen nachvollziehbar/konsistent sein
3. Schmerzbehandlungen folgen i.d.R. adäquaten Krankheitsbehandlungen
4. Schmerztherapie ist integraler Bestandteil haus- und fachärztlicher Arbeit
5. Fachärztliche Schmerztherapeuten sind Fachspezialisten in Klinik und Praxis
6. Beherrschbare akute Schmerzen verhindern Entwicklung chronischer Schmerzen
7. Schmerzen haben auch Warn-, Alarm-, Notfall- und Schutzfunktionen
8. Akute und chronische Schmerzen lassen sich nicht immer ausradieren
9. Auch maximale Schmerztherapie muss Teilhabefähigkeit und Autonomie ermöglichen
10 WHO-Konzeption völliger Abwesenheit von Schmerz oder regionale Schmerzlos-Konzepte wie "Schmerzfreie Stadt Münster" sind unangemessen und irreführend

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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