ArztRaum, 29.07.2010

Die Auswahl ist Chefsache

Ein guter Praxis-Schreibtisch ermöglicht komfortables Arbeiten und bietet eine Plattform für das Gespräch mit den Patienten. Er ist zugleich individuelles Statussymbol, exklusives Designobjekt und prägend für das Arztzimmer.

Von Franziska Stelter

Die Auswahl ist Chefsache

Bunt: "BaObab" ist Tisch und Skulptur zugleich. Die besondere Form bietet viel Stauraum. Preis ca. 2500 Euro.
www.vitra.com

Deutsche Ärzte sitzen täglich zwei bis drei Stunden an bürokratischen Aufgaben am Schreibtisch - das stellte das eHealth-Unternehmen "CompuGROUP" in einer aktuellen Umfrage fest. Hinzu kommt seine Rolle als Kommunikationsplattform: Patientengespräche werden oft über das zentral, zwischen den Gesprächspartnern platzierte Möbel hinweg geführt.

Die Auswahl ist Chefsache

Extravagant: Der formschöne
"i-con-desk" ist in verschiedenen Größen erhältlich. Preis ca. 3500 Euro.
www.arco-moebel.de

Ein enormes Angebot an Material, Form und Farbe stellt jeden Mediziner vor eine schwierige Entscheidung. Ganz frei ist man bei der Wahl des idealen Schreibtisches allerdings nicht: Damit sich beide - Arzt und Patient - vor und hinter dem Möbel wohlfühlen, gilt es, einige Aspekte zu beachten.

So sollte die Raumatmosphäre berücksichtigt werden: In einer traditionellen Praxis etwa wirkt ein futuristischer Designertisch in knalligem Grün fehl am Platz. Ebenso würde ein massives Holzgebilde in schlicht-modernen Räumlichkeiten von den Patienten leicht als Störfaktor wahrgenommen werden.

Als Fauxpas könnte sich ein schwarzer Schreibtisch erweisen. Einersets liegen die dunklen Möbelstücke stark im Trend, weil sie dem Raum eine edle Note und dem Besitzer Würde verleihen. Allerdings steht Schwarz auch für Trauer und Leid. Dies könnte im Unterbewusstsein der Patienten negative Assoziationen auslösen und Ängste hervorrufen.

Empfehlenswert für Praxis und Klinik sind eher warme sowie fröhliche Farben oder - wo es mit der restlichen Einrichtung harmoniert - ein dezentes Designerstück.

Ergonomisch und sicher

Anforderungen an den Praxis-Schreibtisch

Es liegt im Ermessen des Arztes, welchen Schreibtisch er für sein Chefzimmer wählt. Die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) hat jedoch Anforderungen an den Arbeitsplatz formuliert, an denen man sich bei der Wahl des Möbels orientieren kann.

Sicherheit: Zu diesem Aspekt zählen Material, Oberfläche und Stabilität. Es muss gewährleistet werden, dass die verwendeten Rohstoffe den täglichen Beanspruchungen standhalten. Zudem darf keine Verletzungsgefahr, etwa an scharfen Ecken, bestehen. Bei Belastungen darf der Tisch nicht nachgeben. Stabilität ist bei Stehpulten sehr wichtig.

Ergonomie: Eine Tischhöhe von 72 Zentimetern ist Standard, höhenverstellbare Modelle sind variabel bis 118 Zentimeter. Die Mindestiefe liegt bei 80 Zentimetern, die Ablagefläche sollte minimal 128 Quadratzentimeter betragen.

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VBG (12)
[24.03.2017, 12:18:02]
Remco Salomé 
Krankenversicherung - MDK - Sozialgerichtsbarkeit: Ursachen und Wirkungen
Die etwas "aufgeregt formulierten" Kommentare der oben genannten Kollegen und natürlich der Beitrag selbst, sind sachlich nachvollziehbar. Es lohnt sich aber, die Sache etwas kühler auf den Punkt zu bringen. Ein Versuch dazu:
- Krankenkassen haben entdeckt, dass der Vorwurf "Abrechnungsbetrug" unabhängig vom Wahrheitsgehalt in der Öffentlichkeit sehr gut "funktioniert".
- Aus rein subjektiven Meinungen über die "medizinische Notwendigkeit" eines jeden Behandlungstages / Behandlungsschrittes werden "Fehler", ja sogar "Straftaten" konstruiert. Es findet eine Art "Prüfungscharade" statt. Diese dient dazu, eine nachweislich recht willkürliche Beurteilung seriös / objektiv wirken zu lassen.
- Der MDK wird durch starke Einflussnahme der Kassen (Verwaltungsrat!) in diesem Prozess gefügig gemacht. Die einzelnen Gutachter werden nach meinem Wissensstand nicht durch finanzielle Anreize beeinflusst. Wohl aber durch Kritik einer internen "Qualitätssicherung" und durch Widersprüche der Kostenträger gegen Gutachten.
- Die Sozialgerichtsbarkeit, insbesondere der erste Senat des BSG, unterstützt als "Hüter der Solidarkasse" die Bestrebungen der Kassen in extremer und teilweise rechtswidriger Form.
Das Ergebnis ist ein Teufelskreis, der die Kassen belohnt. Es wird immer mehr Geld aus dem Krankenhausbudget zweckentfremdet und als eine Art Zubrot den Kassen zugesteckt. Diese haben (dadurch?) 2016 einen Gewinn in Höhe von 1,4 Milliarden Euro gemacht. Davon können die Krankenhäuser nur träumen.
Wir brauchen ein völlig anderes Prüfsystem, das nicht die Kassen für unsittliches Prüfverhalten belohnt! Sinnvolle Vorschläge dafür gibt es schon seit Jahren. zum Beitrag »
[24.03.2017, 10:35:03]
Ilka Martina Enger 
Gut verhandelt???
Manche der Aussagen des Vorsitzenden der kassenärztlichen Vereinigung muss man wohl hinterfragen!

Zum Einen ist die Honorartrennung in der KV Bayern eben nicht 50/50, sondern 52,5 zu 47,5% zu Gunsten der Hausärzte. Dieses Verhältnis wurde vor etlichen Jahren so aufgestellt nach Bundeszahlen und wurde seitdem auch nicht wieder angepasst.

In der Tat ist es so, dass die Auszahlung im hausärztlichen Bereich in Bayern seit Beginn der letzten Legislatur zu 100% erfolgt und noch "ein Schnaps pro Fall draufgelegt wurde, weil der Topf der Hausärzte so gut gefüllt war und zur Zeit noch ist, dass man noch eine Strukturpauschale ausbezahlte.
Bei den Fachärzten muss man vermutlich die Lage durchaus differenzierter betrachten. Hier wurde zu Beginn der letzten Legislatur der Jahresfallwert eingeführt, der so berechnet wurde, dass das Geld für die Bezahlung des Jahresfallwertes reicht, so lange der Fallzahlanstieg in den Grenzen von 3% bleibt. Ob dieser Jahresfallwert jedoch die Leistungen zu hundert Prozent abdeckt, kann man sicher diskutieren. Auf jeden Fall ist es nach wie vor auch in Bayern so, dass ein Teil der Leistungen eben nicht bezahlt wird, die erbracht werden. Das ist in Bayern nicht anders als im Rest des Bundesgebietes was die Fachärzte angeht.
Was jedoch dazu kommt, ist die Tatsache, dass es sehr starke Verwerfungen innerhalb der Fachgruppen gibt. Wer viele Leistungen innerhalb der budgetierten mGV erbringt, hat das kürzere Hölzchen und muss um die wirtschaftliche Tragfähigkeit seiner Praxis bangen. Wem viele extrabudgetäre Leistungen und förderungswürdige Leistungen beschwert werden, der tut sich leichter mit einer gewinnbringenden fachärztlichen Tätigkeit.

Das ist es übrigens auch, was man im Neubauergutachten herauslesen kann, wenn man sich die Mühe macht, die Zahlen mal zu studieren.
Ich finde es gelinde gesagt unverantwortlich von Herrn Krombholz diese Tatsachen, die ihm wohlbekannt sind, so zu schönen.

Wenn er von Ärztemangel auf dem Land spricht, sollte er diese Tatsachen nicht verschweigen:
Mit patienten-intensiver Zuwendungsmedizin, wie sie heute notwendig wäre, gehen viele Kollegen das Risiko ein, ihre Praxis bei vollen Wartezimmern finanziell an die Wand zu fahren.
 zum Beitrag »
[24.03.2017, 09:35:32]
Rudolf Hege 
Verschreibungspflicht...
PPIs gehören (wieder) unter Verschreibungspflicht gestellt. Die Geschichte zeigt doch, dass gerade Medikamente, die schnell wirken immer missbraucht werden. Ob das Laudanum war, später Barbiturate oder Benzos - was "gut wirkt" wird schnell zur Sucht. Die Beschwerden einfach wegschlucken, ohne sich um die Ursachen Gedanken zu machen - oder gar diese anzugehen - ist nun mal bequem. Leider ist zu beobachten, dass auch Ärzte PPIs wie "Hustenguzel" verordnen - "Magenschutz" kann ja nichts Schlechtes sein... zum Beitrag »
[24.03.2017, 07:12:49]
Erich Blöchinger 
Laien können nur subjektiv urteilen
Dem oben gesagten kann man nur zustimmen. Aber der Markt (Patienten, Medien) giert nach jeder Form von Beurteilungen. Ich finde das Bewertungsystem in der Zeitschrift FOCUS gut. zum Beitrag »
[23.03.2017, 18:06:30]
Michael Paritosh Jordan 
Kiffen bis der Arzt kommt, warum nicht ???
Lieber M.A. Überall,

bitte bleiben Sie beim Thema und spielen Sie nicht eine Außenseitermethode gegen die andere aus !!! Ich habe in einem Selbstversuch beide Methoden schätzen gelernt. Patienten können jetzt endlich ohne Kosten( 800 Euro pro Monat Selbstkosten, wenn man nicht an einer todbringenden Krankheit litt) behandelt werden u. Kiffen bis der Arzt kommt . zum Beitrag »
[23.03.2017, 13:05:00]
Thomas Georg Schätzler 
Genetik-, Epigenetik- und Lebensstil-Faktoren bei den bolivianischen Tsimané
Können Lebensweisen von Jägern und Sammlern, Fischern und Gartenbauern den Menschen in (post-)industriellen Gesellschaften wirklich weiterhelfen?
 
In diesem Artikel des exzellent informierten und früher kardiologisch tätigen Kollegen (Charité/B) bzw. Autors nicht nur der Ärzte Zeitung, Philipp Grätzel von Grätz MD, mehrfach erwähnt, können bei den bolivianischen Tsimané die Altersangaben nur geschätzt werden. Damit erstaunt auch nicht, dass in der umfangreichen Literatur über diese Ethnie der Jäger, Sammler, Fischer und Gärtner/Landwirte detaillierte Angaben zu durchschnittlicher Lebenserwartung, Mütter- und Säugling-Sterblichkeit weitgehend fehlen.

Meine Recherchen für Gesamt-Bolivien ergaben:
Lebenserwartung bei Geburt (Männer) 1990-1995 - 57,7 Jahre; 2001 - 61 Jahre.
Lebenserwartung bei Geburt (Frauen) 1990-1995 - 61,0 Jahre; 2001 - 65 Jahre.
Geburtenrate 1995 - 33 per Tausend Einwohner; 2001 - 31,35 per Tausend.
Kindersterblichkeit 1995 - 73,7 per Tausend Lebendgeburten; 2001 - 58,43 per Tausend Lebendgeburten. http://www.payer.de/bolivien1/bolivien013.htm

Selbst das im Jahr 2001 begonnene "UNM-UCSB Tsimane Health and Life History Project" fokussiert zwar auf Gesundheit, Anthropologie, Ökologie, Evolution, Lebenszyklus, Wachstum und Entwicklung, Alterung, Ökonomie, Biodemografie, biomedizinische und anthropologische Forschung bei einer umschriebenen, kleinen Population von Jägern, Sammlern, [Fischern], Gartenbauern und Landwirten ["health and anthropology project aimed at understanding the impacts of ecology and evolution on the shaping of the human life course. We focus on health, growth and development, aging, economics and biodemography of small-scale populations of hunter-gatherers and horticulturalists. We also combine biomedical and anthropological research with medical attention among Tsimane, an indigenous forager-farming group living in central lowland Bolivia in the Beni Department. Research with the Tsimane of Amazonian Bolivia began in 2001 under the joint directorship of Michael Gurven (Anthropology, University of California Santa Barbara) and Hillard Kaplan (Anthropology, University of New Mexico)"]. Es stellt aber zum o. a. Themenbereich keine harten Daten und Fakten zu Verfügung. http://www.unm.edu/~tsimane/index.html
und
http://www.news.ucsb.edu/2009/012705/ucsb-anthropologist-studies-human-life-span-evolution-physiology

Für hochtechnisierte, global operierende und migrierende Gesellschaften sind gesundheits-fördernde und krankheits-vermeidende Lebensstil-Interventionen beim KHK-Risiko ebenfalls beschrieben: "Genetic Risk, Adherence to a Healthy Lifestyle, and Coronary Disease" von Amit V. Khera et al. http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1605086
schlussfolgern, dass genetische- und Lebensstil-Faktoren unabhängig voneinander mit der Empfänglichkeit für Erkrankungen der Koronararterien assoziiert sind. Selbst bei hohem genetischen Risiko konnte ein günstiger Lebensstil das relative KHK-Risiko um fast 50 Prozent senken ["CONCLUSIONS - Across four studies involving 55,685 participants, genetic and lifestyle factors were independently associated with susceptibility to coronary artery disease. Among participants at high genetic risk, a favorable lifestyle was associated with a nearly 50% lower relative risk of coronary artery disease than was an unfavorable lifestyle"].

Die Ergebnisse dieser Großstudie sind ebenfalls überraschend: Das relative Risiko eines inzidenten Koronarereignisses war um 91 Prozent (!) höher bei Teilnehmern mit hohen genetischen Risiken als unter denen mit niedrigen genetischen Risiken ["RESULTS - The relative risk of incident coronary events was 91% higher among participants at high genetic risk (top quintile of polygenic scores) than among those at low genetic risk (bottom quintile of polygenic scores) (hazard ratio, 1.91; 95% confidence interval [CI], 1.75 to 2.09)"].

Das indigene, isolierte, stammes- und clan-mäßig organisierte, historisch natur-nahe, ländlich-vorindustrielle, permanent Lebensenergie-, Kraft- und Arbeit- fordernde Leben mit hohem Unfall-, Krankheits- und Hungerrisiko ist gegenüber einer hohen Lebenserwartung mit ärztlicher Versorgung, niedrigem Unfall- und Sterberisiko, Hygiene, Mobilität, Technisierung, Freizeit, Einkommen, medizinisch-sozialer und epidemiologischer Absicherung, Altersversorgung, kultureller, emotionaler und psychosozialer Reflexion keinesfalls alternativlos!

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z.Zt. Mauterndorf/A)  zum Beitrag »
[22.03.2017, 23:31:00]
Fritz Gorzny 
Immer an die Augen denken
Nicht korrigierte Fehlsichtigkeiten und Heterophorien führen schon im Kindesalter zu akuten und vor allem chronischen Kopfschmerzen. Da Strabismus, Mikrostrabismus aber auch Heterophorien Kopfzwangshaltungen mit HWS, Fehlstellungen der Wirbelsäule und des Beckens induzieren können, liegen auch hier sehr häufig die Ursachen der Schmerzen. Leider kommen die Schmerzpatienten meistens erst am Ende einer langen Odyssee zu einer Augenuntersuchung, bei der die Ursachen der Probleme gefunden werden könnten, wenn systematisch nach binokularen Störungen gefahndet würde, was leider heute nicht mehr sicher ist, da die Bedeutung des Binokularsehens in der Ophthalmologie bedauerlicherweise nur noch eine untergeordnete Rolle spielt.Häufig springen sachkundige Optometristen in die Bresche und führen Binokulartest nach der Mess- und Korrektionsmethode nach Haase durch, durch die assoziierte Heterophorien sicher diagnostiziert und korrigiert werden können. Danach verschwinden in derRegel die Schmerzprobleme.Infos unter IVBS.org zum Beitrag »
[22.03.2017, 20:48:29]
Axel Jenet 
Bewertungsportale sind reine Beschwerdeportale
Ähnlich wie von Hotel-Bewertungsportalen ist auch von Arzt-Bewertungsportalen überhaupt nichts zu halten. Patienten bewerten den Arzt NUR wenn sie sich beschweren wollen. Welchen Anreiz sollte es sonst geben, sich hinzusetzen und einen Bericht zu schreiben? Nahezu alle positiven Berichte werden aufgrund einer aktiven Aufforderung der Praxis an zufriedene Patienten, eine Bewertung zu schreiben, verfasst. Der Beweis hierfür ist einfach: Ein Arzt, der seit 25 Jahren praktiziert, hat ohne irgendwelches zutun und ohne aktive Werbung 5 extrem schlechte Bewertungen - sonst nichts. Ein anderer Arzt ist seit 5 Jahren in der Praxis und hat 200 Bewertungen (warum nur?). Darunter finden sich ebenfalls 5 extrem schlechte Bewertungen, der Rest ist teilweise extrem gut. Diese Konstellation ist die Regel!! Wer von beiden ist nun der bessere Arzt??? zum Beitrag »
[22.03.2017, 15:39:54]
Thomas Georg Schätzler 
Cannabis-Blüten keine definierbare schmerzmedizinische Handlungsoption
Die Cannabis-Blüten-Freigabe als Medikament zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherung als GKV-BTM-Kassenrezept zum 10.3.2017 durch den Deutschen Bundestag war und ist m. E. ein Rückschritt ins Kräuterhexen-Mittelalter.

"Die Bundesärztekammer (BÄK) und die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzte­schaft (AkdÄ) haben grundsätzlich das Vorhaben des Bundesministeriums für Gesund­heit begrüßt, eine erweiterte Verordnungsfähigkeit cannabinoid-haltiger Arzneimittel zu schaffen. Eine Verordnungsfähigkeit von Cannabis in Form von getrockneten Blüten und Extrakten lehnen sie jedoch ab. Nach Auffassung von BÄK und AkdÄ ist die Umstufung von Cannabis als Pflanze oder von Pflanzenteilen weder begründet noch erforderlich."

http://mobile.aerzteblatt.de/news/69502.htm - und weiter
"Für den medizinischen Einsatz von Medizinal-Cannabisblüten fehle es an ausreichender wissenschaftlicher Evidenz...Es sei zudem zu berücksichtigen, dass der Gebrauch von Medizinalhanf keine genaue Dosierung der medizinisch wirksamen Kom­ponenten von Cannabis erlaubt und dessen Gebrauch als Joint mit den gesund­heit­lichen Gefahren des Tabakrauchens verbunden ist. BÄK und AkdÄ sehen auch nicht die Notwendigkeit, eine „Cannabisagentur“ zur Kontrolle des Anbaus und Handels einzu­rich­ten, da der Nutzen des therapeutischen Einsatzes von Medizinal-Cannabisblüten nicht durch wissenschaftliche Evidenz belegt sei."

Die bisher erteilten Genehmigungen zum Eigenanbau von Cannabis vernachlässigen wesentliche, lebenspraktische Hürden: Wie soll jemand, der schwer krank, Teilhabe-gemindert, Mobilitäts-, Belastungs- und Schmerz-eingeschränkt ist, die relativ komplizierte und aufwändige Cannabis-Anbau-Logistik bewerkstelligen? Ist er dann gar nicht mehr so schwer krank?

Soll bei der "Verordnung häuslicher Krankenpflege" nach GKV-Vordruckmuster 12a etwa der Pflegedienst diese Aufgabe mit übernehmen? Was ist, wenn der Cannabis-Eigenanbau nur minderwertige Erntequalität bringt, unsachgemäß weiterverarbeitet oder unwirksam wird? Wenn Patienten bettlägerig ihren "Stoff" gar nicht mehr erreichen und ernten können?

Wie bei allen Medikamenten kommt es auf Qualität, Standardisierung, exakte Dosierung und Galenik an. Damit wird ausschließlich auf medizinisch-schmerztherapeutische Effekte fokussiert. Denn es geht nicht um Permissivität oder Förderung von Drogenkarrieren ("legalize it"?), sondern um die Erweiterung palliativ- und schmerzmedizinischer Handlungsoptionen.

In meiner hausärztlichen Praxis habe ich in einigen Einzelfällen mit (teurem) Tetrahydrocannabinol (THC) als Dronabinol (ATC A04AD10) und seinen antiemetischen, appetitstimulierenden, schmerzlindernden, entzündungshemmenden, muskelentspannenden, dämpfenden und psychotropen Eigenschaften als Heil- und Linderungsversuch gearbeitet, wenn mögliche Alternativen unwirksam waren. Doch Vorsicht: Es wirkt zentral sympathomimetisch. Die Wirkung setzt in ca. 60 Minuten ein. Psychotrope Effekte halten 4-6 Stunden, die Appetitstimulation bis zu 24 Stunden an.

Die Freigabe von Cannabis-Blüten auf ärztlichem GKV-BTM-Kassenrezept ist dagegen naiv-naturalistischer Humbug! Im Detail: "Mit einem kleinen Dosierlöffel könne der Patient die pulverisierten Blüten genau abmessen" - Wer soll das denn kontrollieren? Etwa die Hausarztpraxen durch möglichst honorarfreies, "niedrigschwelliges Aufsuchen" und persönliche ärztliche Inaugenscheinnahme? Was ist denn der Unterschied zwischen: "Cannabis könne mittels elektrischer Verdampfer inhaliert oder nach einer wässrigen Abkochung als 'Tee' getrunken werden" und: "Das Rauchen als 'Joint' oder das Einbacken von Cannabis in Kekse seien für medizinische Zwecke völlig ungeeignet"? Das ist doch eine völlig weltfremd-abstruse Fehleinschätzung! Vgl. https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/73558/Medizinisches-Cannabis-kann-ab-heute-verordnet-werden

Die aktuelle Freigabe von Cannabis-Blüten auf ärztlichem GKV-BTM-Kassenrezept mit Genehmigungsvorbehalt bzw. Genehmigungsverfahren durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gesetzlichen Krankenkassen ist nicht nur eine politische gewollte Bloßstellung medizinischer Kompetenz und Professionalität, sondern auch noch ein Rückschritt ins pharmazeutische Mittelalter: Damals waren Pflanzen-Auszüge aus Wurzeln, Blättern, Trieben, Blüten, Essenzen, Abkochungen, Kräuterauszüge, Gewürzmischungen mit stark schwankenden oder unkontrollierbaren Wirkungen in der Wunderheiler-Szene en vogue. Mit rationaler Pharmakotherapie und aufgeklärter, moderner Pharmazie hat gesundheitspolitisch freigegebener Cannabis-Blüten-Konsum auf Rezept absolut nichts mehr gemeinsam. Und wenn dieser "Stoff" angeblich so positive Effekte bei allen Kranken haben soll, könnten das doch auch die Gesunden ohne Restriktionen genießen!

Darüber hinaus wird allgemein angenommen, dass Cannabis ein sehr breites thera­peutisches Spektrum hat, wie Kirsten Müller-Vahl und Franjo Grotenhermen im Deutschen Ärzteblatt Dtsch Arztebl 2017; 114(8): A-352 / B-306 / C-300 berichten". Ich zitiere die beiden letztgenannten Autoren wie folgt: "Bereits aus der Tatsache, dass der Gesetzgeber darauf verzichtet hat, im Gesetz einzelne Indikationen aufzuführen, wird deutlich, dass bis heute unbekannt ist, bei welchen Erkrankungen oder Symptomen Cannabis indiziert ist. Aktuell besteht für Cannabis für keine einzige Indikation eine Zulassung. In den Jahren 2007 bis 2016 erhielten allerdings Patienten mit mehr als 50 verschiedenen Erkrankungen/Symptomen eine Ausnahmeerlaubnis vom BfArM für eine ärztlich begleitete Selbsttherapie mit Medizinal-Cannabis. Es wird daher allgemein angenommen, dass Cannabis ein sehr breites therapeutisches Spektrum hat."

Als etablierte Indikationen für Cannabis-basierte Medikamente gelten chronische – insbesondere neuropathische – Schmerzen, Spastik bei MS, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen. Hinweise für positive Wirkungen reichen von neurologischen (Spastik und Schmerzen unterschiedlicher Ursachen, hyperkinetische Bewegungsstörungen), über dermatologische (Neurodermitis, Psoriasis, Akne inversa, Hyperhidrosis), ophthalmologische (Glaukom) und internistische (Arthritis, Colitis ulzerosa, Morbus Crohn) bis hin zu psychiatrischen Erkrankungen/Symptomen (Depressionen, Angststörungen, posttraumatische Belastungsstörung, Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung [ADHS], Schlafstörungen)." http://m.aerzteblatt.de/print/186476.htm

Wenn dann auch noch zugegeben werden muss: "Die Verschreibungshöchstmenge für Cannabis beträgt 100 000 mg (100 g) in 30 Tagen. Zwecks einfacherer Handhabbarkeit wurde die Höchstmenge unabhängig vom Gehalt einzelner Cannabinoide in der jeweiligen Cannabissorte festgelegt. Derzeit können Cannabisblüten mit einem Gehalt an THC – dem am stärksten psychotrop wirksamen – Cannabinoid von circa ein bis circa 22 % verordnet werden. Bei einer Verschreibung von 100 g Cannabis kann die verordnete Menge an THC daher zwischen 100 und 22 000 mg schwanken", fragt man sich unwillkürlich, wer soll eigentlich hier wen, wie, warum und was bzw. auf welche Weise therapieren?

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z.Zt. Mauterndorf/A)  zum Beitrag »
[22.03.2017, 14:33:17]
Rudolf Hege 
Was ist "ungesund"?
Die Ampel krankt an einem Problem: Was ist ungesund? Darüber streiten "die Experten" seit Jahren. Ist alles, das Zucker enthält per se ungesund? Und ist ein "lebensmitteltechnisch" hingetrickstes Nahrungsmittel wirklich gesund? Man kann ja ohne weiteres die perfekte grüne Ampel bekommen, wenn man nur exakt an den Vorgaben Nahrungsmittel zusammenmixt. Viel Süßstoff, viele Ersatzfette und Zusatzstoffe, die nicht auf der Liste "ungesund" stehen. Und schon hat man die perfekte "Laborwertekosmetik". zum Beitrag »

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