ArztRaum, 30.07.2010

"Die Psyche steht im Mittelpunkt"

In Ingolstadt haben Stefan Ludes Architekten 2009 für das dortige Klinikum einen Anbau realisiert: ein Medizinisches Versorgungszentrum, das wie eine Arztpraxis wirken soll.

Von Sabine Henßen

ArztRaum: Warum haben Sie sich mit Ihrem Büro auf Bauten im Gesundheitswesen spezialisiert?

Stefan Ludes: Mich fasziniert das Thema Krankenhausbau, obwohl man Gefahr läuft, als Planer stigmatisiert zu werden, der Funktionsmaschinen entwirft, als reiner Technokrat. Dabei ist das Gegenteil der Fall: Die Psyche der Menschen steht im Mittelpunkt. Für uns Planer gilt es, besonders anspruchsvolle Aufgaben zu erfüllen, die Architektur ist nicht auf die Oberfläche reduziert, die Funktion ist von Bedeutung - und vor allem wie diese wahrgenommen wird.

ArztRaum: Wie spiegelt sich das in dem Neubau in Ingolstadt wider?

Ludes: Das Ärztehaus mit einem Medizinischem Versorgungszentrum hat 27 Nutzungseinheiten, erstreckt sich auf 14 000 Quadratmetern über fünf Ebenen. Da wir auch das innenarchitektonische Konzept verantworten, haben wir uns für ein markantes, frische Grün als Leitfarbe entschieden. Zudem wurde helles Holz verbaut, raumhohe Fensterflächen sorgen für viel Licht. Die Patienten haben den Eindruck: Ich gehe in die Arztpraxis im Ärztehaus. Und nehmen den angrenzenden Klinikkomplex mit Hochleistungsmedizin, auch der getrennten Eingangssituation wegen, kaum wahr.

ArztRaum: Ihr Ärztehaus grenzt direkt an das Klinikum Ingolstadt, ein Schwerpunktkrankenhaus, das auch Bauherr der Erweiterung war. Worin liegen die Vorzüge dieser räumlichen Nähe?

Ludes: Die räumliche Vernetzung ist bewusst so angelegt, dass das Ärztehaus das Krankenhaus "im Rücken" hat. Im MVZ wird ambulant operiert, falls Komplikationen auftreten sollten, ist eine ebenengleiche Verbindung vorhanden. Das gibt den MVZ-Patienten das Gefühl von Sicherheit. Im vorderen Bereich gibt es die OP-Ebene, die Radiologie und die Diagnostik. Ein weiterer Vorteil sind die logistischen Synergien - die Versorgung mit Sterilgut und die wesentliche Energieversorgung erfolgt über die Klinik, die mit dem MVZ auch digital vernetzt ist.

ArztRaum: Wie viel Prozent der Fläche war schon fest verplant, als Sie mit dem Projekt starteten?

Ludes: Etwa 60 Prozent der Fläche: für Fachärzte, die ambulanten OP und für das Dialysezentrum auf der dritten Ebene, dessen Betreiber zu den Bauherren gehörte. Doch selbst wenn 90 Prozent feststehen, muss der Bau aus architektonischer Sicht doch äußerst flexibel bleiben.

ArztRaum: Wie haben Sie dem im Fall Ingolstadt Rechnung getragen?

Ludes: Es ist eine Addition kleiner Einheiten. Wir denken an den einzelnen Arzt, wenn wir ein MVZ bauen! Zweitens: Der Wechsel ist Standard. Das ist eine unserer Maximen im Gesundheitsbau. Das Konzept muss stark sein für individuelle Wünsche und auch für eine gewisse Fluktuation. Kleine Bereiche für kleine Praxen, größere Einheiten, die Möglichkeit, Bereiche zusammenzulegen, das muss der Entwurf hergeben, diese Ausbauflexibilität muss das Gebäude in der Praxis leisten.

ArztRaum: Bleibt beim heutigen Kostendruck noch Raum für Ästhetik?

Ludes: Ästhetik und ökonomische Bauweise sind kein Widerspruch: Wenn man die Technikkosten mittels intelligenter Entwürfe reduziert, bleibt mehr für die Ausbauqualität oder für Kunst. Das Kostenintensive liegt unter der Oberfläche. Schließlich sagt ja auch der Bauherr: Wir wollen Gestaltung!

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