Ärzte Zeitung, 21.07.2011

Praxis auf natürlicher Basis

Auch im Gesundheitsbau setzt man mittlerweile auf natürliche Bodenbeläge wie Holz, das für eine bessere Wohlfühlatmosphäre sorgt. Ein Naturprodukt, das sogar mit keimtötender Wirkung punkten kann, ist der Klassiker Linoleum.

Von Sabine Henßen

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Linoleum ist pflegeleicht und kann durchaus modern wirken, wie die lindgrüne Spielwiese in einer Kinderarztpraxis in Köln zeigt.

© Entwurf: 100% interior Sylvia Leydecker /

Foto: Karin Hessmann

Mehr als 2600 neue Erdenbürger erblicken jährlich im Katholischen Marienkrankenhaus Hamburg das Licht der Welt. Sie "docken gleichsam an", denn ihren ersten Schrei tun sie hier in einem ganz maritimen Rahmen: Die Ausgestaltung der Geburtshilfestation weckt - passend zu einer Hafenstadt - nämlich Assoziationen an ein Kreuzfahrtschiff.

"Die Inspiration kam aus gemeinsamen Überlegungen der Hebammen, des Architekten und der Geschäftsführung. Wir haben uns am Standort Hamburg von der Seefahrt animieren lassen, wollten ein maritimes Ambiente schaffen", berichtet Werner Koch, Vorsitzender der Geschäftsführung, den Entstehungsprozess.

Natürliche Materialien spielten bei der Ausgestaltung der Station eine besondere Rolle, während man auf den Einsatz von Kunststoff weitgehend verzichtete. Diese Hinwendung zur Natur findet sich auch in den Bodenbelägen: "Die Zuwegung zu den Kreißsälen mit Echteichenholz symbolisiert einen Bootssteg, blaue und gelbgrüne Linoleumböden schaffen den Übergang vom Wasser zum Land", so Koch.

Die Entscheidung für Echtholz fiel bereits vor zehn Jahren. Im Krankenhaus selbst gab es wegen dieses Materials keine Bedenken, aber "beim Hygieneinstitut musste unser Architekt damals noch echte Überzeugungsarbeit leisten", erklärt der Krankenhausleiter.

Ortswechsel zum Geburtshaus Paderborn: Als hier der Umbau des Gebäudes anstand, setzten die Geschäftsführerinnen und Hebammen Dagmar Büssemeier und Kerstin Jessen ausschließlich auf einen Bodenbelag: Linoleum. "Die Hygiene stand im Vordergrund. Linoleum weist keine Fugen auf, lässt sich gut pflegen und bleibt auch bei den Kosten im Rahmen", so Jessen.

Neue Produkte sind weit entfernt vom Opa-Fußboden

Wer das Geburtshaus betritt, wird von warmen Farben und Materialien empfangen. Rot- und Orangetöne an den Wänden, kombiniert mit Linoleum, teilweise in Holzoptik, schaffen eine angenehme Atmosphäre. "Wir diskutierten lange über den Boden, waren am Anfang nicht so überzeugt. Die Muster, die wir sahen, wirkten eher wie ein typischer Opa-Fußboden", berichtet Jessen.

Architekt Thomas Günther, im Planerteam von Breithaupt Architekten und seit 1990 erfahren im Einsatz von Linoleum, beriet die beiden Hebammen: "Wir tasteten uns langsam heran, suchten zunächst nach der passenden Marmorierung, wählten dann - in Zusammenklang mit der Möblierung und der Wandgestaltung - die Farbe aus."

Die Entscheidung fiel für einen Belag mit nur leichtem Marmorierungseffekt, der an Holz und Bambus erinnert. "Wir wollten keinesfalls Eiche vorgaukeln, der Boden sollte sich lediglich der Holzoptik annähern", so Günther.

Die Hebammen sind sehr angetan von der Holzstruktur, und auch die werdenden Eltern scheinen die wohnliche Atmosphäre zu schätzen: "Wir hören oft den Satz: ‚Euer Boden sieht ja gar nicht wie Linoleum aus!‘", berichtet Jessen. Für Planer Thomas Günther hat der Werkstoff weitere Vorteile: "Das Material lässt sich gut ausbessern, ist gut verfugbar, es können problemlos Intarsien eingefügt werden, und es hat auch noch eine angenehme Haptik."

Zudem hat Linoleum, das hauptsächlich aus Leinöl, Harzen, Holz- und Kalksteinfeinmehl, Farbpigmenten sowie Jute als Trägermaterial besteht, eine keimtötende Wirkung. Laut Hersteller Forbo verleiht der hohe Leinölanteil in Kombination mit den weiteren Naturbestandteilen dem Produkt natürliche bakteriostatische Eigenschaften. Materialbedingt werde somit die Vermehrung bestimmter Mikroorganismen und Bakterien wie etwa Salmonella typhimurium verhindert.

Angenehmer Nebeneffekt: die Schalldämpfung

Was die Langlebigkeit von Bodenbelägen betrifft, so ist zwar das petrochemische Produkt PVC einer der Spitzenreiter, dennoch können Linoleum und vor allem Kautschuk bei einer Liegezeit von 20 Jahren durchaus mithalten. Kautschuk kann hier allerdings nicht völlig naturbelassen eingesetzt werden, "denn hundertprozentiger Naturkautschuk würde sich beim Verlegen verziehen", erklärt Martina Seefeld, Leiterin Kommunikation beim Kautschukspezialisten Nora Systems in Weinheim.

Die Firma, Gründungsmitglied der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen, bringt Kautschukbeläge auf den Markt, die mit dem Blauen Engel zertifiziert sind. Sie kommen ohne Weichmacher aus, sind emissionsarm und belasten die Innenraumluft nicht mit Schadstoffen.

Dennoch bietet der Kautschukbelag Vorteile, die gerade im Gesundheitsbau eine wichtige Rolle spielen: "Kautschukböden sind unkompliziert zu pflegen. Darum sagen gerade Ärzte: ,Wir entscheiden uns wieder für einen Kautschukboden in unserer Praxis‘", berichtet Martina Seefeld. "Und: Kautschuk dämpft den Schall, sorgt für eine angenehme Akustik."

Zurück in Hamburg: Auch Echtholz kann in puncto Langlebigkeit und Pflege durchaus mithalten. Geschäftsführer Werner Koch vom Marienkrankenhaus zeigt sich von diesem Naturmaterial begeistert: "Es ist auf keinen Fall aufwendiger, einen Echteichenholzboden zu pflegen.

Man hat zwar höhere Anschaffungskosten und muss den Boden auf lange Sicht immer mal wieder abschleifen und neu versiegeln. Das sind aber Zeiträume, in denen dann auch PVC-Böden nicht mehr ansehnlich sind."

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