Ärzte Zeitung, 22.09.2011

Zeit für Energieanalyse in der Praxis!

Gerade in Arztpraxen findet sich ein enormes Potenzial an Energiesparmöglichkeiten, denn schon mit kleinen Maßnahmen lassen sich hier beträchtliche Summen einsparen. Da lohnt es sich, in eine qualifizierte Energieanalyse zu investieren - die zudem gefördert wird.

Von Sabine Henßen

Zeit für eine Energieanalyse in der Praxis!

© Mone Beeck

"Plietsch" ist ein typischer Bremer Ausdruck und bedeutet schlau. Plietsch ist es zum Beispiel, wenn ein Unternehmen sein Energiepotenzial voll ausschöpft und gleichzeitig von der Kostenersparnis sowie dem positiven Klimaschutz-Image profitiert.

Wie etwa die gynäkologische Praxis von Dr. Catherine Ruth in Bremen, die seit ihrer Eröffnung im Jahr 2008 Energie sehr sparsam einsetzt und Ökostrom bezieht. Um Energieverluste durch Stand-by-Betrieb zu vermeiden, wird hier der Strom-Hauptschalter nach Feierabend ausgeschaltet. Bis auf den Server und die Kühlschränke sind dann alle Geräte vom Stromnetz getrennt.

 Energie-Einsparpotenzial in der Praxis

Doch das allein genügte der Ärztin nicht, sie wollte es ganz genau wissen. Um sicherzugehen, ob das Energie-Einsparpotenzial ihrer Praxis wirklich ausgeschöpft ist, ließ sie sich umfassend beraten.

Unterstützt wurde sie dabei von der gemeinnützigen Bremer Klimaschutzagentur energiekonsens, die es sich zum Ziel gemacht hat, Unternehmen noch stärker für das Thema Energieeffizienz zu sensibilisieren und unabhängige, qualifizierte Berater zu vermitteln.

Ähnliche Initiativen mit geförderten Energieberatungen gibt es natürlich auch bundesweit, Informationen dazu: www.energieagenturen.de und www.bafa.de.

Bei Catherine Ruth führte Energieberaterin Dr.-Ing. Anne Schierenbeck eine zweitägige, von der KfW geförderte Initialberatung durch - und wurde fündig: "Zwei alte Kühlschränke ersetzten wir durch "A++"-Modelle.

Wärmepumpe

Die Funktionsweise der Wärmepumpe ist im Prinzip identisch mit der eines Kühlschranks. Während der Kühlschrank allerdings seinem Innenraum die Wärme entzieht und nach draußen abgibt, entzieht die Wärmepumpe dem Außenbereich die Wärme und gibt sie als Heizenergie an das Haus ab.

Die Funktion läuft also genau umgekehrt ab. Wärmepumpen gelten als klimafreundlich und wartungsarm. Die Höhe der Investitionskosten variiert je nach genutzter Systemtechnik und den Gegebenheiten vor Ort.

Bei einem Zweifamilienhaus mit integrierter Arztpraxis kann man mit Investitionskosten von bis zu 25.000 Euro rechnen. Die Energieersparnis kann über 50 Prozent betragen.

www.waermepumpe.de

Allein dadurch spart die Ärztin in ihrer Praxis 650 Kilowattstunden Strom im Jahr, was etwa 145 Euro entspricht." Außerdem würden die 58-Watt-Leuchtstoffröhren jetzt sukzessive durch Energiespar-Leuchtmittel mit 51 Watt ersetzt.

Kampagne "plietsch!" für Energiechecks und -sparmaßnahmen auch in Arztpraxen

Mit ihrer Kampagne "plietsch!" will energiekonsens vor allem kleine und mittlere Unternehmen, zu denen auch Arztpraxen zählen, für Energiechecks und -sparmaßnahmen gewinnen. Im September 2010 verlieh sie der Frauenarztpraxis ihre gleichnamige Plakette als Auszeichnung fürs schlaue Energiemanagement.

Diese Plakette erhalten alle kleineren und mittleren Unternehmen, die nach einer geförderten Energieberatung entsprechende Maßnahmen umsetzen.

"Wir empfehlen die Energieanalyse im Rahmen einer Initial- oder Detailberatung, die von der KfW-Bankengruppe gefördert wird. Für die Initialberatung stehen zwei Tage zur Verfügung, den Tagessatz für einen Gewerbe-Energieberater veranschlagt die KfW mit 800 Euro - und übernimmt 80 Prozent der Kosten", erklärt Astrid Stehmeier, Projektmanagerin bei energiekonsens.

320 Euro für Beratungskosten

Von den Beratungskosten in Höhe von 1600 Euro müssen somit nur 320 Euro von den Ärzten selbst getragen werden. "Ein Betrag, der sich durch die Energiespar-Empfehlungen und die Umsetzung einfacher Maßnahmen wieder hereinholen lässt", so Stehmeier.

Auch die Kardiologisch-Angiologische Praxis am Klinikum Links der Weser hatte Beratungsbedarf. Das Ergebnis der Analyse: Ein alter Wäschetrockner und ein älterer Kühlschrank seien gegen neue Geräte mit einer guten Energieeffizienzklasse getauscht worden, berichtet Angela Lenz, langjährige Mitarbeiterin.

Sie hat die Praxisleitung inne und ist zuständig für Qualitätsmanagement und Arbeitssicherheit. Auch die Leuchtmittel seien auf den Prüfstand gekommen. "Doch alle Halogenstrahler gegen LED-Leuchten auszutauschen, kam wegen aufwendiger baulicher Maßnahmen zunächst nicht in Betracht", erläutert Lenz.

Alle PCs abends herunterfahren

"Aber wir haben diese Ergebnisse beim Ausbau unserer neuen Dependance einfließen lassen und somit einen Nutzen daraus gezogen." Alle PCs werden nun abends heruntergefahren - bis auf wenige Geräte, die wegen des Bereitschaftsdienstes angeschaltet bleiben müssen.

"Und wir haben via Dienstplan geregelt, dass nach dem regulären Praxisschluss ein Mitarbeiter durch die Räume geht und kontrolliert, ob Lampen brennen, Geräte oder die Klimaanlage noch angeschaltet oder Fenster geöffnet sind", so die Praxismanagerin.

Für einen dauerhaften Erfolg beim Energiesparen ist es wichtig, sich mit den Zielen zu identifizieren. Daher wurden alle Mitarbeiter auf den regelmäßig stattfindenden Dienstbesprechungen mit einbezogen und über die Ergebnisse und Maßnahmen der Energieanalyse informiert. Auch schriftlich.

Energiesparmaßnahmen einhalten - Strom senken

"Das sieht schon unser Zertifizierungsprogramm zum Informationsmanagement vor", so Lenz, "und wir erinnern sowohl die Ärzte als auch die übrige Belegschaft freundlich daran, dass die Energiesparmaßnahmen doch bitte eingehalten werden sollten, indem die PC eben nicht im Stand-by-Betrieb laufen, sondern ausgeschaltet werden."

Die Bilanz der Praxis nach einem Jahr: Der Stromverbrauch war um 4000 Kilowattstunden gesenkt worden. Doch die Bereitschaft, Energie einzusparen und achtsam mit Ressourcen umzugehen, muss immer wieder neu geweckt werden: "Will man das Nutzerverhalten ändern, so ist das ein ständiger Sensibilisierungsprozess - sonst fällt man wieder in alte Gewohnheiten zurück", berichtet Angela Lenz von ihren Erfahrungen.

In der Praxis von Dr. Jürgen Roehl in Bremerhaven war die Entscheidung im Grunde schon vor der Energieanalyse gefallen: und zwar für ein Blockheizkraftwerk (BHKW). Trotzdem ließ sich der Orthopäde noch einmal beraten - und Expertin Schierenbeck empfahl nach ihrer Analyse ebenfalls, in ein BHKW zu investieren.

Blockheizkraftwerk rentiert sich bei 2000 Liter Verbrauch im Jahr

"Ich kann jedem empfehlen, einen solchen Check zu buchen, gerade Unbedarfte sollten den Status quo in Sachen Energieverbrauch einmal feststellen lassen", sagt Roehl. Zu seiner Praxis gehört ein Therapiezentrum mit einem fünf mal zehn Meter großen Schwimmbad, die Wassertemperatur muss konstant 32 Grad Celsius betragen.

"Hier liegt ein nennenswerter Warmwasserverbrauch vor, darum ist ein BHKW rentabel. Über eine solche Investition kann nachgedacht werden, wenn der Warmwasserverbrauch das ganze Jahr mindestens 2000 Liter pro Tag beträgt", erklärt Schierenbeck.

Da die Praxis mit Öl beheizt wird, hat sich der Orthopäde entsprechend für ein ölbetriebenes BHKW entschieden. Der Ölverbrauch steigt zwar um etwa ein Drittel, doch dafür ist der Brennstoff im Einkauf von der Öko- und Mineralölsteuer befreit.

Außerdem erzeugt das BHKW neben Wärme auch noch Strom, sodass die Ersparnis am Ende überwiegt. Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Diese sogenannten Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen belasten die Umwelt mit 50 Prozent weniger CO2, als ein konventioneller Heizkessel.

Wer selbst Strom erzeugt bekommt Einspeisevergütungen

"Ich spare zwischen 400 und 500 Euro Stromkosten im Monat", so Roehl. Die permanent laufenden Umwälzpumpen und Entfeuchter werden nun nämlich durch das BHKW mit Energie versorgt. "Sonntags, wenn mehr Strom produziert wird als verbraucht, speise ich ins Stromnetz ein", erklärt der Arzt.

Wer selbst Strom erzeugt - zum Beispiel eine Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach installiert oder ein BHKW betreibt - kommt in den Genuss festgelegter Einspeisevergütungen, gesetzlich geregelt durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und das Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz (KWK-G), so Schierenbeck.

Wer jedoch, wie viele, ein Objekt angemietet und weniger Gestaltungsmöglichkeiten hat, "kann seinen Vermieter anschreiben und vorschlagen, die Heizungstechnik und Treppenhausbeleuchtung zu optimieren", schlägt die Energieberaterin vor.

Energieanalyse

Der "KfW-Sonderfonds Energieeffizienz in KMU" übernimmt im Rahmen einer Initialberatung 80 Prozent der Kosten für eine Energieanalyse: Für zwei Beratertage à 800 Euro müssen Ärzte nur noch 320 Euro zahlen.

Für eine Detailberatung werden für bis zu zehn Beratertage à 800 Euro 60 Prozent der Beratungskosten übernommen.

Weitere Infos auf: www.kfw.de. Im Menü "Inlandsförderung" die Programm-Menübersicht aufrufen und den Button "Energieeffizienzberatung" anklicken.

Berater lassen sich über die KfW-Datenbank ermitteln: http://beraterboerse.kfw.de

In Bremen hilft die gemeinnützige Klimaschutzagentur energiekonsens weiter, im übrigen Bundesgebiet kann man sich an die zuständige Landes-Energieagentur wenden: www.energieagenturen.de

Lesen Sie dazu auch das Interview:
"Bei Energiethemen sind die meisten Ärzte Überzeugungstäter"

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