Ärzte Zeitung, 13.10.2011

Interview

Zusätzliche Sicherheit für Aufwachraum und Patienten-WC

Sollten auch Arztpraxen technisch aufrüsten und Rufsysteme installieren? Frank Friebe, Experte für Elektroanlagen-Automation im Gesundheitsbau, berichtet, wann die Systeme nötig sind und worauf es ankommt.

Frank Friebe

Zusätzliche Sicherheit für Aufwachraum und Patienten-WC

© privat

Werdegang: Frank Friebe ist Miteigentümer der Schulz & Friebe GmbH für Elektroanlagen-Automation in Penzlin in Mecklenburg-Vorpommern. Ausbildung zum Elektromonteur in Neustrelitz, Meisterprüfung mit 26 Jahren. Im Jahr 1991 gründete er die Schulz & Friebe GmbH in Penzlin mit.

Aktuelle Position: Friebe ist seit 1991 Geschäftsführer von Schulz & Friebe. Er kann auf vielfältige Projekte im Gesundheitsbau zurückblicken. Seine Firma realisierte unter anderem 2010 die Elektroinstallationen inklusive der Rufsysteme im neuen DRK Krankenhaus Neustrelitz. Zu den Kunden zählen weitere Kliniken sowie Alten- und Pflegeheime.

Ärzte Zeitung: Herr Friebe, Hand aufs Herz: Ist es wirklich für jede Arztpraxis sinnvoll, ein eigenes Rufsystem einzurichten?

Frank Friebe: An Orten wie etwa WC oder Aufwachräumen, wo sich Patienten für längere Zeit unbeobachtet aufhalten, raten wir dazu, ein Rufsystem einzurichten. Es entlastet letztlich alle Praxismitarbeiter, und auch die Patienten fühlen sich sicherer.

Ärzte Zeitung: Was sollte so ein Patienten-Rufsystem aus Ihrer Sicht denn leisten?

Friebe: In erster Linie sollen Personen zum Ort der Rufauslösung gerufen werden - mittels einer Anlage, die ein optisches und akustisches Signal auslöst. Weiterhin können aber auch Informationen etwa von medizinischen Geräten zur Überwachung der Vitalfunktionen weitergegeben werden. Auch Systeme, die mit Sprachsteuerung arbeiten und den sofortigen, direkten Kontakt zum Hilfesuchenden ermöglichen, sind heute auf dem Markt.

Ärzte Zeitung: Worauf ist zu achten, wenn zum Beispiel eine Patiententoilette mit einem Rufsystem nachgerüstet werden soll?

Friebe: Kleinanlagen wie in Behinderten-WC unterliegen zwar nicht den in der DIN VDE 0834 festgelegten Vorschriften - die Rufsysteme etwa in Krankenhäusern und Altenpflegeheimen zwingend vorschreiben. Sie orientieren sich aber an ihnen. Diese Anlagen bestehen in der Regel aus einem Ruftaster, das ist meist ein Zugtaster, der über eine Zugschnur bedient wird, einem Abstelltaster sowie dem Rufmodul. Dieses signalisiert den ausgelösten Notruf - optisch und gegebenenfalls auch akustisch - auf dem Flur vor dem WC und/oder an einem anderen zentralen Ort, wie dem Empfang. Die einzelnen Komponenten sind per Leitungsverbindung miteinander verknüpft. Dafür müssen zwar beim Nachrüsten gegebenenfalls Schlitze geklopft werden, doch auf Basis von Funkwellen zu arbeiten, wie bei anderen Anwendungen in der Hausautomation, empfehle ich aufgrund etwaiger Störanfälligkeit für ein Notrufsystem nicht.

Ärzte Zeitung: Mit welchen Kosten ist zu rechnen?

Friebe: Je nach baulichen Gegebenheiten und nach Beschaffenheit der Anlage muss mit Kosten ab 500 Euro gerechnet werden.

Ärzte Zeitung: Wer schult die Beteiligten in der Bedienung der Technik?

Frank Friebe: Die meisten Hersteller liefern sehr gute Bedienungsanleitungen mit. Wir weisen die Kunden zwar in die Grundfunktionen des Systems ein, doch damit ist es nicht getan. Ohne ausreichende Dokumentation wäre schnell ein hoher Frustrationsgrad erreicht! Auch bei kleinen Anlagen, die lediglich das Patienten-WC mit dem Empfang verbinden. Bei umfangreicheren Anlagen lassen wir uns zuvor schulen, und große Hersteller schicken eigens Systemtechniker.

Ärzte Zeitung: Gibt es Rufanlagen-Systeme, die Sie im Gesundheitsbereich nicht verbauen würden?

Friebe: Die Systeme, die sich auf dem Markt befinden, sind alle zeitgemäß. Man sollte sich ohnehin an einen Einrichter wenden, der Erfahrung im Gesundheitsbau hat, der wird sich auch für das passende System mit entsprechender Dimensionierung entscheiden. Und: Der ausführende Betrieb sollte Erfahrung im Gesundheitsbau haben - und das auch nachweisen können.

Das Gespräch führte Sabine Henßen.

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