Ärzte Zeitung, 21.12.2011

So lässt sich das Arztzimmer aufpeppen

Einrichtungsprofis setzen das Sprechzimmer gekonnt und bedarfsgerecht in Szene: Wasserwände, edle Materialien und neue Oberflächenstrukturen sorgen für ein harmonisches Ganzes.

Von Sabine Henßen

So wird das Arztzimmer zum Raum mit Wirkung

Soll das Sprechzimmer neu eingerichtet werden, so stehen Ärzte vor einem schier unerschöpflichen Angebot: In den vergangenen Jahren hat die Zahl der Materialien fast explosionsartig zugenommen, nahezu täglich liest man von neuen Produkten.

Wer sich nicht professionell mit dem Thema Innenarchitektur beschäftigt, hat kaum die Chance, den Überblick zu behalten.

Will man aber nicht aus Zeitmangel wieder aufs Altbekannte setzen, sondern neue Wege gehen, dann kann ein externer Berater helfen.

Innenarchitekten mit Erfahrung im Gesundheitsbau haben einen guten Überblick über Materialinnovationen, deren Kombinationsmöglichkeiten und Wirkung. Das große Ganze ist wichtig, neben dem Farb- und Materialkonzept spielen auch die Beleuchtung und die Akustik des Raums eine wichtige Rolle.

Arzt und Patient sollen sich wohlfühlen

So wird das Arztzimmer zum Raum mit Wirkung

Ein Teil der Wand wird zum gläsernen Wasserfall und trennt so den Empfang vom Sprechzimmer.

© Keradesign GmbH

Im Sprechzimmer steht die Kommunikation zwischen Arzt und Patienten im Vordergrund. Beide müssen sich konzentrieren: Der Patient, damit er nichts Berichtenswertes vergisst, und der Arzt, um die Krankheitsgeschichte zu erfassen. Eine Atmosphäre, in der sich beide wohl fühlen, kann hier unterstützend wirken.

"Wenn der Arzt meine Dienstleistung in Anspruch nimmt, erhält er eine einheitlich durchgängige Gestaltung über das Einzelmöbel hinaus. Das heißt, Raumkonzeption, Innenraumgestaltung, Farbe, Material, Lichtkonzept und Einrichtung sind aus einer Hand und aufeinander abgestimmt", fasst Jutta Frank, Diplom-Ingenieurin für Architektur und Design, die Dienstleistung von Beratern zusammen.

Die Farbberaterin, Schreinerin und Dozentin, betreibt ihr Büro in Stuttgart und berät nach eigenen Angaben häufig beim Einrichten von Praxen. ‚Wie wirkt das?‘ werde sie oft gefragt, bezogen auf kleine Farb- oder Materialmuster, die als Vorlage für Fußboden- oder Wandflächen im Raum dienen.

Ein anderer Ansatz von Praxischefs: ‚Ich möchte einen Blickfang erzeugen. Wie mache ich das?‘ Da das Arztzimmer nicht immer eine logische Fortsetzung des Designs der übrigen Praxis sein muss, müsse ein Berater dann weiter nachfragen, etwa: Ist das Ziel eine angenehme Atmosphäre für den Patienten, oder geht es eher darum, dass der Arzt sich selbst repräsentieren will.

Aufgabe des Beraters sei es dann, Schwerpunkte zu setzen. Hierbei fließen laut Frank auch Erkenntnisse aus der Einrichtungspsychologie ein, etwa um Patienten die Angst zu nehmen. Eine harmonische, weiche, warme Farb- und Materialstimmung sollte nach ihrer Auffassung dominieren. "Ich rate aber ebenfalls zu Klarheit, Übersichtlichkeit sowie Offenheit und Transparenz bei der Gestaltung", so Frank.

Spricht alle Sinne an: Eine Wand aus Wasser

Wasser sei oft ein ganz besonderes Gestaltungsmedium - und sowohl visuell als auch akustisch im Raum einsetzbar, rät die Diplom-Ingenieurin: "Zum Beispiel in Form einer Wasserwand, die an einem ausgewählten Platz im Raum positioniert wird."

So wird das Arztzimmer zum Raum mit Wirkung

Das besondere Etwas: der eingebaute Kaffeevollautomatim individuellen Aufbewahrungsmöbel aus Aluminium.

© AMS-Möbelmanufaktur

Keradesign aus dem baden-württembergischen Hirrlingen ist einer der Anbieter für fließende Skulpturen, auch in Form von Bildern und Brunnen. Neben der ästhetischen und harmonisierenden Komponente - sanftes Plätschern im Hintergrund beruhigt die Gemüter und stellt einen Bezug zur Natur her - haben sie einen weiteren praktischen Nutzen: Sie verbessern das Raumklima, befeuchten und reinigen die Luft.

Soll das Arztzimmer optisch aufgeteilt werden, zum Beispiel in eine Besprechungs- und eine Behandlungszone, so könnte die Wasserwand als Raumteiler dienen. "Wir setzen in Praxen häufig Wasserwände aus Glas ein, aufgrund der Durchlichtsituation muten sie transparent an, sie stellen den Raum nicht zu", so Jürgen Binnen, Geschäftsführer von Keradesign.

Die vom Wasser umspielte Wand hat einen Rahmen und einen Fuß aus Edelstahl, in dem die Technik versteckt ist. "Die Pumpe ist so leise, dass das unaufdringliche Fließgeräusch des Wassers sie übertönt", so Binnen.

Das Glas lässt sich auch mattieren, und wer gern eine umflossene Natursteinwand möchte, wird ebenfalls fündig. "Die Wartung ist unkompliziert, wir stellen das Objekt auf und liefern eine Bedienungsanleitung mit", sagt Binnen. Das Rund-um-sorglos-Paket enthalte eine automatische Füllstandsregulierung mit unbedenklicher Biozid-Dosierung gegen Algenbildung.

Echtholz schafft mehr als eine gute Atmosphäre

Wärme, Helligkeit, dunkle Böden in Kombination mit hellen Wänden nennt Jutta Frank, fragt man sie nach den Einrichtungstrends. Die verwendeten Materialien sollten Wertigkeit ausdrücken. "Ich empfehle gerne Echtholz - wo es möglich ist.

Gerade beim Fußboden spürt und hört man, ob es Laminat oder Parkett ist." Der Patient fühle sich wertgeschätzt, wenn er von gutem, stimmigem Design und schönen Objekten umgeben sei, so die Einrichtungsexpertin. "Ein dunkler Boden trägt mich, gibt mir Halt. Kombinieren sollte man ihn mit hellen Wänden, die den Raum zu den Seiten hin öffnen", beschreibt sie die Wirkung des Designs.

Und fällt die Entscheidung für einen anderen Bodenbelag im Sprechzimmer als in der übrigen Praxis, kann dies durchaus das Unterbewusstsein beeinflussen: "Ein Fußbodenwechsel wirkt immer auch unterschwellig als Wechsel von Raum oder Funktion."

Betritt man vom Parkett im Flur den Teppichboden im Sprechzimmer, so wirke der Wechsel gleich dreifach: akustisch, optisch und kinästhetisch. Das Signal: Jetzt kommt etwas Neues, Anderes.

Trend zu warmen, naturnahen Farben und Materialien

Die Möbelhersteller reagieren auf den Trend hin zu warmen, naturnahen Farben und Materialien. Vario Büroeinrichtungen in Liederbach am Taunus bietet zum Beispiel seine Schreibtische der Serie ‚Icon‘ mit Holzdekoren an, die auch haptisch an das Vorbild Echtholz erinnern: "Das Schlagwort heißt: ‚authentische Materialien‘.

In den Melaminharz-Überzug der Schreibtischplatte wird die Struktur gepresst, wo man Maserungen mit Astlöchern sieht, kann man diese auch fühlen. Selbstverständlich entstehen keine tiefen Furchen, die Oberflächen sind gut zu reinigen", erklärt Anton Flechtner, Produktmanager bei Vario.

Wer das Original bevorzugt, kann den Icon-Tisch auch mit Vollholz-Nussbaum-Platte bestellen, kombiniert mit einem Chromgestell - eine Sonderanfertigung, die mit etwa 5000 Euro zu Buche schlägt.

Weg von klinischer Anmutung zu wohnlichere Atmosphäre

Weg von der streng klinischen Anmutung im Sprechzimmer hin zur wohnlicheren Atmosphäre bewegt sich auch das Angebot der AMS-Möbelmanufaktur, Systemmöbelhersteller und Spezialist für individuelle Aluminiummöbel nach Maß aus dem hessischen Zierenberg.

Obwohl in einer urologischen Praxis in Berlin das Standardweiß (RAL 9010) im Sprechzimmer als Möbelfarbe dominiert, wirkt der Raum nicht kühl: "Wir haben die weißen Flächen in matt ausgeführt, die Aluminiumkomponenten am Schreibtisch sowie an den Aufbewahrungseinheiten sind eloxiert und ebenfalls matt", erklärt Dennis Tenhündfeld, AMS-Marketing- und Vertriebsleiter.

Der Verzicht auf hochglänzende Flächen bricht mit der klinischen Atmosphäre, trotzdem steht die Material- und Farbkombination für eine deutliche Aussage im Sprechzimmer: Kompetenz, Klarheit und Reinheit.

Wer das Besondere liebt, und Patienten gern in seinem Arztzimmer Espresso kredenzen möchte, für den bietet AMS folgende Einbau-Lösung an: Ein Kaffeevollautomat, Marke DeLonghi, verschwindet in einem eleganten, praktischen Aufbewahrungsmöbel - das selbstverständlich in allen RAL-Farben und auch in matt zu haben ist.

www.raum-und-farbkonzepte.de
www.keradesign.com
www.vario-buero.de
www.ams-moebel.com

Die Gestaltungsregeln für Atmosphäre im Arztzimmer

Soll das Arztzimmer ein neues Design erhalten, ist oft guter Rat teuer. Denn schon kleine Änderungen können viel bewirken - in positivem aber auch negativem Sinne. Einrichtungsexpertin Dipl.-Ing. Jutta Frank, die ihr Büro in Stuttgart betreibt (www.juttafrank.de), stellt die wichtigsten Gestaltungsregeln zusammen.

So lässt sich eine positive Stimmung erzeugen:

Geschwungene Formen, z.B. am Beratungstisch;

pastellige Farbtönen für die Wände und Decken;

Holzarten der Möbel passend zu den Wand-/und Bodenfarben wählen;

möglichst nur mit einer, maximal zwei Holzarten im Raum arbeiten;

echte Materialien wie Echtholzparkett statt Laminat verwenden;

Fenster und Türrahmen farblich in den Hintergrund rücken;

Raumaufteilung: Großzügigkeit beim Betreten des Raumes erzeugen;

auf die Blickrichtung des Patienten und des Arztes achten, etwa Blendungsfreiheit;

Beleuchtung: genügend Grundhelligkeit, aber auch Akzentbeleuchtung um eine direkte, persönliche Stimmung zu erzeugen.

Für gedrückte Stimmung sorgen dagegen:

Dunkle Wände und Decken;

schwere Vorhänge vor den Fenstern;

zu geringe Beleuchtung;

Einrichtung zu eng oder/und zu nahe an der Raumtür;

Akzentfarben wie z.B. an den Untersuchungsliegen werden oft zu kräftig gewählt und schieben sich damit ungewollt in den Vordergrund;

zu viel Weiß und/oder zu viele verschiedene Weißnuancen.

Lesen Sie dazu auch das Interview:
Kardinalfehler: Viele Praxen setzen auf klinisches Weiß

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