Ärzte Zeitung, 21.12.2011

Interview

Kardinalfehler: Viele Praxen setzen auf klinisches Weiß

Die Inneneinrichtung sendet eine Vielzahl von Botschaften aus und beeinflusst unser Befinden. Gerade in stressbelasteten Situationen ist deshalb eine gute Gestaltung wichtig - nicht nur für den Patienten, sondern auch für den Arzt, sagt Hendrik Hund, Vorsitzender des Verbands Büro-, Sitz- und Objektmöbel.

Hendrik Hund

Der Kardinalfehler vieler Praxen: Sie setzen auf klinisches Weiß

© privat

Aktuelle Position: Seit 1992 Mitglied der Geschäftsführung der Hund Büromöbel GmbH im badischen Biberach. Seit 2002 Vorsitzender des Vorstandes des bso Verband Büro-, Sitz- und Objektmöbel.

Werdegang: Hendrik Hund studierte BWL in Mannheim. 1991 trat er in das von Vater Gerd Hund und Dieter Hund geleitete Unternehmen ein. In den 1990er Jahren war er Mitglied des tarifpolitischen Ausschusses des Verbandes Holz und Kunststoff (VHK) in Baden-Württemberg.

Als Mitglied des Vorstandes des bso war Hendrik Hund federführend für die Entwicklung der Standards Office Furniture Modelling Language (OFML®). Die EDV-technische Basis für herstellerübergreifende Einrichtungsplanungen findet in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Benelux-Staaten Anwendung.

www.buero-forum.de und www.hund-buero.de

Ärzte Zeitung: Warum ist es überhaupt wichtig, wie das Sprechzimmer aussieht?

Hendrik Hund: Egal, wo wir uns aufhalten, das Umfeld sendet eine Vielzahl von Botschaften aus und beeinflusst unser Befinden. Gerade in potenziell stressbelasteten Situationen ist eine gut gestaltete Einrichtung deshalb wichtig - und das nicht nur für den Patienten, sondern auch für den Arzt selbst.

Ärzte Zeitung: Wo erhalten Ärzte dafür kompetente Beratung?

Hund: Es lohnt sich auf jeden Fall, den Rat von Einrichtungsprofis einzuholen. Das kann ein freischaffender Innenarchitekt mit einschlägigerErfahrung sein oder auch der qualifizierte Fachhandel. Hier ist das "Quality Office"-Zeichen eine gute Orientierungshilfe. Bei Fachhändlern und Beratern mit diesem Zertifikat erhalten Ärzte eine kompetente Beratung und eine maßgeschneiderte Einrichtungsplanung.

Ärzte Zeitung: Das sind ja die typischen "Arzteinrichter". Lohnt es sich, auf der Suche nach der stimmigen Möblierung auch andere Wege zu gehen?

Hund: Bei der Gestaltung von Arztzimmern geht es einerseits darum, eine positive Atmosphäre zu schaffen und andererseits um einen gut funktionierenden Arbeitsplatz. Das bedeutet Funktionalität, Ergonomie und Ästhetik miteinander zu verbinden.

Wenn ein spezialisierter "Arzteinrichter" dieses Feld beherrscht, kann er selbstverständlich auch diesen Teil der Praxis einrichten. Ansonsten ist der Büroeinrichtungsfachhandel eine gute Adresse. Für ihn ist die Entwicklung von Einrichtungskonzepten auf Basis einer vorausgehenden Bedarfsanalyse tägliches Brot.

Außerdem verfügen die meisten Fachhändler über ein breites Sortiment, mit dem sie mit dem richtigen Fingerspitzengefühl auch mal außergewöhnliche Lösungen realisieren können.

Ärzte Zeitung: Stichwort Fingerspitzengefühl: Gibt es Kardinalfehler beim Einrichten des Arztzimmers?

Hund: Ja, die gibt es. Im Hinblick auf den Patienten sind das zu dunkle und düster wirkende Räume oder klinisch weiße Arztzimmer. Ganz wichtig ist auch die Lichtsituation beziehungsweise die Beleuchtung.

Der Raum sollte hell, aber nicht zu grell oder kontrastarm ausgeleuchtet sein. Oft sitzen die Ärzte mit dem Rücken zum Fenster. Das ist grundsätzlich eine schwierige Platzierung, aber manchmal nicht vermeidbar.

In diesen Fällen muss darauf geachtet werden, dass durch Beschattung der Fenster eine Blendung des Patienten vermieden wird und durch ergänzende künstliche Beleuchtung das Gesicht des Arztes gut sichtbar ist.

Eventuell benötigte Unterlagen und Schriftsätze sollten auch von älteren Patienten gut gelesen werden können. In Arztzimmern meist weniger problematisch ist die akustische Situation. Aber auch kleine Räume können "hallig" wirken.

Ärzte Zeitung: Was ist mit der Ergonomie?

Hund: Selbstverständlich sollten Patienten bequem sitzen können und sich willkommen fühlen. Die Ärzte sollten aber auch unbedingt auf ihre eigenen Arbeitsbedingungen achten. Denn abseits des Patientengesprächs verbringen sie ja oft viele Stunden an ihrem Schreibtisch.

Die Grundanforderungen dafür sind ein Tisch, dessen Arbeitshöhe auf die eigene Körpergröße eingestellt werden kann, ein ergonomischer Bürostuhl, eine Möglichkeit, im Stehen zu arbeiten, sowie ein guter Monitor.

Ärzte Zeitung: Zeichnen sich Trends ab, die auch beim Einrichten für Ärzte interessant sind?

Hund: Nachhaltigkeit ist ein genereller Trend, der uns alle angeht. Büromöbel aus deutscher Produktion haben hier mehrheitlich einen sehr hohen Standard erreicht.

Bei Materialien und Farben sind es die Kombinationen und sehr weit reichende individuelle Gestaltungsmöglichkeiten - auch wenn nicht alles für das Arztzimmer uneingeschränkt geeignet ist, wie beispielsweise die derzeit sehr beliebte Kombination von Weiß mit leuchtenden Rottönen.

Ideal sind dagegen, weil einerseits beruhigend und andererseits stimmungsaufhellend, die ebenfalls im Trend liegenden, naturnahen Töne wie warmes Grün, erdige Rottöne und Ocker in Kombination mit furnierten Oberflächen.

Auch die neuen Strukturdekore, die Kunststoffoberflächen attraktiver wirken lassen, könnten für Arztzimmer interessant sein. Besser wirken allerdings immer noch die echten Holzfurniere, die im Laufe der Zeit natürlich altern.

Das Gespräch führte Sabine Henßen.

Lesen Sie dazu auch:
So lässt sich das Arztzimmer aufpeppen

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