Ernährung, 06.11.2008

Problem Reizdarmsyndrom

Die Diagnostik und Therapie bei Reizdarmsyndrom sind häufig schwierig. Eine individuelle Ernährungsberatung und -therapie kann für die Patienten hilfreich sein.

Von Uschi Armstrong

Die Diagnose eines Reizdarmsyndroms erfordert eine gezielte Anamnese und kann sehr aufwändig sein.

Foto: Takeda

Ungefähr 10 bis 15 Prozent der Erwachsenen leiden an Reizdarmsyndrom (RDS), wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Diese funktionelle Magen-Darm-Krankheit ist gekennzeichnet durch einen Symptomenkomplex aus Bauchschmerzen, Stuhlunregelmäßigkeiten, Meteorismus und Flatulenz.

Nach den Rom-III-Kriterien liegt ein RDS vor, wenn der Betroffene mindestens monatlich an drei Tagen über einen Zeitraum von drei Monaten abdominelle Schmerzen hat. Nach den vorherrschenden Symptomen werden außerdem der Diarrhoe-, Obstipations- und gemischte Subtyp unterschieden.

Zudem tritt ein RDS häufig in Kombination mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten auf. 50 bis 70 Prozent der RDS-Patienten leiden darunter, sagte Professor Jürgen Stein von den Katharina-Kasper-Kliniken in Frankfurt am Main auf dem 1. Deutsch-Österreichischen Yakult Forum Darmgesundheit in Salzburg. In den meisten Fällen handelt es sich um eine Laktoseintoleranz oder Fruktose-/Sorbitolunverträglichkeit.

Verzicht auf fermentierbare Saccharide wird empfohlen

Entscheidend ist, die Ernährung der RDS-Patienten entsprechend umzustellen. Das müsse, so der Mediziner, ganz individuell geschehen. Doch es gibt einige grundsätzliche Regeln. So sollten die Patienten Speisen mit fermentierbaren Sacchariden vermeiden. Der Verzehr beispielsweise von Fruktanen führt zu einer Zunahme der gastrointestinalen Symptome, etwa zur Bildung von Darmgasen.

Die Rolle der fermentierbaren Kohlenhydrate beim RDS sei zwar umstritten, doch unbestritten sei ihre symptomverstärkende Wirkung, erläuterte Stein. Möglichst verzichten sollten die Patienten deshalb auf Artischocken, Knoblauch, Zwiebeln, Spargel, Lauch, Erbsen, Bohnen, verschiedene Kohlsorten und Pilze. Auch Weizen, Roggen und Gerste enthalten fermentierbare Saccharide.

Darüber hinaus sollte der Fruktosegehalt in der Diät begrenzt werden. In neuen Studien kam es allein durch eine fruktosearme Ernährung bei 70 Prozent der Patienten zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden. Gemieden werden sollten die Lebensmittel und Getränke, denen Fruktose zugesetzt wurde. Dazu zählen viele industriell hergestellte und so genannte "zuckerfreie" Nahrungsmittel. Den Verzehr von Lebensmitteln mit einem Fruktoseüberschuss sollten die Betroffenen auf höchstens zwei Portionen pro Tag begrenzen. Dazu zählen Lebensmittel wie Äpfel, Birnen und Trauben. Ganz besonders ungünstig sind Honig und Datteln.

Dagegen erleichtert Glukose die Resorption von Fruktose im Darm und erhöht so die Verträglichkeit. Obst mit einem günstigen Fruktose-Glukose-Verhältnis, wie Bananen, Erdbeeren oder Pflaumen, bereitet deshalb weniger Probleme. Lebensmittel, die neben der Fruktose auch viel Sorbitol enthalten, beispielsweise Süßkirschen oder Backpflaumen, sind ebenfalls zu meiden; sie führen mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Malabsorption.

Oft ist die erste Ernährungsempfehlung für die Betroffenen, mehr Ballaststoffe zu sich zu nehmen. Das gilt allerdings nicht für alle RDS-Patienten. Patienten vom Diarrhoe-Typ helfen vor allem Ballaststoffe wie Weizenkleie, Haferkleie oder Leinsamen. Bei Patienten vom Obstipations-Typ werden eher Psyllium oder Isphagula empfohlen. Dabei rät Stein, mit einer niedrigen Dosierung zu beginnen und die Zufuhr langsam zu steigern. Patienten jedoch, die vor allem an Schmerzen leiden, die mit Gasbildung oder Blähungen verbunden sind, sollten sich grundsätzlich ballaststoffarm ernähren.

In mehreren Studien habe sich außerdem gezeigt, dass RDS-Patienten von Probiotika profitieren können, so Stein. Einige Autoren beschreiben eine Abnahme der abdominellen Schmerzen und der Gasbildung. Beobachtet wurde ebenfalls eine Normalisierung des Stuhlverhaltens oder eine allgemeine Verbesserung der RDS-Symptome.

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