Wir in der Praxis, 21.04.2009

Ein Job, der einfach Spaß macht

Sie ist jung und selbstbewusst: Sandra Stark (22) ist vergangenes Jahr in München zur Arzthelferin des Jahres gewählt worden. Bei dem Wettbewerb hat sie zwei Kolleginnen, die ihr Jahrzehnte an Berufserfahrung voraus waren, abgehängt.

Von Sabine Schiner

Als leitende Arzthelferin in einer Praxis mit insgesamt fünf Ärzten und drei Arzthelferinnen trägt Sandra Stark mit ihren 22 Jahren eine große Verantwortung. Aber sie schätzt auch die Herausforderung.

Foto: Sven Bratulic

"Das hat mich selbst überrascht", sagt sie. Die leitende Arzthelferin einer allgemeinmedizinischen Praxis in Frankfurt am Main hatte sich Anfang November auf dem Deutschen Arzthelferinnen-Tag durch ihre "Fachkompetenz und ihre herzerfrischende Art" gegen ihre Mitbewerberinnen durchgesetzt. "Mir macht es einfach Spaß, wenn ich anderen Menschen helfen kann und ihnen ein Gefühl von Geborgenheit geben kann", sagt Sandra Stark.

Wenn es um ihren Beruf geht, lässt sie nichts anbrennen. Nach der Realschule hatte sie eine einzige Bewerbung geschrieben - und die Stelle sofort bekommen. Am 6. Juni 2007 hat sie ihre Ausbildung in einer unfallchirurgischen Praxis in Darmstadt beendet. Einen Tag später fing sie in der Allgemeinarztpraxis von Dr. Leo Najman in Frankfurt am Main an.

"Ich wollte mir mal eine andere Fachrichtung anschauen", erzählt sie. Von der Unfallchirurgie war sie ein flottes Arbeitstempo gewohnt: Patientenannahme, Verbandswechsel, Wundkontrolle, Gipsen, Assistieren bei Operationen. "Das war Stress pur den ganzen Tag". Zu ihren neuen Arbeiten in der Allgemeinarztpraxis gehörten Blutabnahmen, EKG und Ergometrie. "Nach vier Wochen war mir das zu langweilig." Sie fackelte nicht lange, sprach mit ihrem Chef und forderte ein größeres Aufgabengebiet.

Nach nur drei Monaten kam die Beförderung

"Ich war daraufhin zuständig für die Mahnverfahren, für die GKV- und die Privatabrechnungen", sagt Sandra Stark. Sie erledigte ihre Aufgaben schnell und gut, ihr Chef war mit ihr zufrieden. Sie legte eine Blitzkarriere hin: Nach drei Monaten im neuen Job wurde sie zur leitenden Arzthelferin befördert.

"Ich mache alles", erzählt sie. "Vom Toilettenpapier bestellen bis hin zum Wartezimmer-Management." Dabei stehen natürlich auch Arbeitsbereiche wie Anmeldung, Verwaltung und Labor auf dem Plan. Zusammen mit zwei Kolleginnen sorgt sie dafür, dass in der Allgemeinarztpraxis alles klappt. Die Praxis wurde in den vergangenen zwei Jahren erweitert, heute arbeiten fünf Ärzte mit - unter anderem ein Kardiologe, eine Internistin und ein Arzt für Akupunktur und Homöopathie.

Überstunden gehören einfach dazu

Auszubildende beschäftigt die Praxis nicht. Sandra Stark: "Ich habe keine Zeit, jemanden anzulernen." Überstunden sind an der Tagesordnung.

In ihrer Freizeit schaltet Sandra Stark - sie wollte ursprünglich mal Justizvollzugsbeamtin werden - einen Gang zurück. Sie macht Pilates und Yoga, geht gerne Shoppen. "Und am Wochenende gehe ich zu Fortbildungen", sagt sie und lacht.

Vor einiger Zeit hat sie zudem ein Fernstudium zur Fachwirtin für Soziales und Gesundheitswesen angefangen. "Das ruht derzeit", erklärt sie. Die Arbeit nehme sie zu stark in Anspruch. Weiterbildung ist Sandra Stark allerdings sehr wichtig. "Arzthelferinnen sind in einem Kartenhaus die Karten, die alles zusammenhalten." Nur ein gutes Team könne auch gute Medizin bieten. Sie informiert sich deshalb auch regelmäßig in der "Ärzte Zeitung" über gesundheitspolitische Neuerungen. "Ich muss doch wissen, was da läuft."

Ihr Wissensdrang treibt sie weiter voran

Bald ist im Leben der Sandra Stark wieder ein Wechsel angesagt: Sie hat zum 1. Mai in der Frankfurter Praxis gekündigt. "Mein Chef bedauert das sehr", sagt sie. Doch zum einen sei ihr die tägliche Fahrt mit der S-Bahn zu lang: "Das sind über anderthalb Stunden jeden Tag." Zum andern treibt sie ihr Wissensdrang an. "Auch wenn ich Arzthelferin des Jahres bin, weiß ich noch längst nicht alles - und ich kann mir auch nicht alles selbst beibringen." Einen neuen Arbeitsplatz hat sie bereits gefunden: Es wird eine orthopädische Praxis sein. Und dort will sie von ihren neuen Kolleginnen noch viel lernen.

Zur Person

Sandra Stark

Sandra Stark (22) hat ihre Ausbildung zur Arzthelferin in einer unfallchirurgischen Praxis in Darmstadt gemacht. Nach ihrer Ausbildung fing sie in einer Allgemeinarztpraxis in Frankfurt am Main an, wo sie zurzeit leitende Arzthelferin ist. Im Mai will sie in eine orthopädische Praxis wechseln.

MONES TIPP

Schlagen Sie jetzt Kolleginnen für den Wettbewerb 2009 vor

Auch in diesem Jahr wird eine "Arzthelferin des Jahres" gesucht, die Fachwissen hat, hilfreich, teamfähig, belastbar, souverän, freundlich und flexibel ist. Vorschläge nimmt das PKV Informationszentrum für die Wirtschaft GmbH, Residenzstraße 24, 80333 München, Fax 089 4522809-50 entgegen. Eine Fachjury kürt im August aus allen Einsendungen die drei qualifiziertesten und beliebtesten Arzthelferinnen. Sie werden zum "Deutschen Arzthelferinnen-Tag 2009" nach München eingeladen. Wer das Rennen macht, entscheiden die Kongress-Teilnehmerinnen.

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