Wir in der Praxis, 21.04.2009

Leichter Abrechnen

Vier Tipps von den Profis

Wer die kleinen Fallen aber auch die Chancen der Privatabrechnung kennt, muss sich weniger Fragen von den Versicherungen gefallen lassen. Wir haben deshalb bei den Abrechnungsspezialisten der Privatärztlichen VerrechnungsStellen (PVS) nachgefragt, wo Fehlerquellen liegen. In vier Tipps erklärt Brigitte Siebert, GOÄ-Schulungsleiterin bei der PVS/Westfalen-Nord, wie Sie sicherer abrechnen.

Vorsicht mit Ziffer 1 und 5 GOÄ

Als Behandlungsfall GOÄ gilt abweichend zum EBM für die Behandlung derselben Erkrankung der Zeitraum eines Monats nach der jeweiligen ersten Inanspruchnahme des Arztes. Eine Abrechnungsbeschränkung gibt es hier nur für die Ziffer 1 und/oder 5 in Verbindung mit Sonderleistungen ab Ziffer 200 GOÄ. TIPP: Als alleinige Leistung oder in Verbindung mit den Ziffern bis Nr. 200 GOÄ sind die Ziffer 1 und/oder 5 jederzeit möglich, ggf. niedriger bewertete Leistung streichen!

Beratung geht auch telefonisch

Die Ziffer 3 GOÄ (eingehende Beratung) ist nur als alleinige Leistung oder in Kombination mit den Ziffern 5, 6, 7, 8, 800 oder 801 berechnungsfähig (z.B. 3, 7, 800). Die mehrmalige Berechnung im Behandlungsfall erfordert eine Begründung (z.B. akute Verschlimmerung). Dafür kann die Leistung aber auch telefonisch erbracht werden.

Auslagen bezahlt der Patient

Nach Paragraf 10 GOÄ können Auslagen für Arznei-, Verbandmittel und sonstige Materialien (z.B. Infusionsbesteck), die bei einmaliger Anwendung verbraucht sind oder im Patientenbesitz bleiben, angerechnet werden. Es dürfen aber nur die tatsächlichen Kosten angesetzt werden. Wichtig: Material getrennt zum Sprechstundenbedarf kaufen! Ausnahmen sind im Paragraf 10 Absatz 2 benannt.

Konsil dürfen beide Ärzte berechnen

Die Ziffer 60 (konsiliarische Erörterung) ist von jedem beteiligten Arzt berechnungsfähig, sofern er sich mit dem Patienten und seiner Erkrankung befasst hat. Die Leistungserbringung muss nicht im Beisein des Patienten erfolgen, jedoch muss der Patient erfahren, dass ein entsprechender Kontakt stattgefunden hat.

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