Mittwoch, 19. Juni 2013

Leserkommentare [8422]

[13.06.2013, 09:24:21]
Rudolf Hege 
Wen wundert es? 
Es ja nicht das Cholesterin (egal ob LDL oder HDL) selbst, das "schädlich" ist, sondern seine oxidierte Variante. Verhindert man die Oxidation, dann verliert Cholesterin seine negativen Effekte.

Daher wirkt sich HDL bei Gesunden (= guter "Oxidationsstatus") positiv aus, während es bei Kranken (in der Regel mit erhöhter Oxidation) negative Effekte zeigt. zum Beitrag »
[13.06.2013, 07:00:56]
Thomas G. Sokollik 
Delegation ist gut, aber nur wenn der Patient es mitmacht 
Wenn über die Delegation von Aufgaben gesprochen wird, so werden damit ärztliche Maßnahmen angesprochen.
Zunächst ist einmal festzuhalten, dass in der Ausbildungsordnung für Medizinische Fachangestellte überhaupt das Durchführen ärztlicher Maßnahmen gar nicht vorkommt.
Daher muss im Bedarfsfall die MFA entsprechend geschult werden. Das ist schon zur rechtlichen Absicherung natürlich zu dokumentieren. Es müssen Handlungsanweisungen schriftlich gegeben werden. In der Klinik heißt das Ganze "Spritzenschein" und ist ein "altbekannter Hut".

Und in der Tat, wir sprechen ja fast immer von invasiven Eingriffen, der Blutabnahme oder der Injektion. Auch wenn es bei diesen Maßnahmen selten zu Zwischenfällen kommt, so darf jedoch der delegierende Arzt nicht vergessen, dass er für etwaige Zwischenfälle (zum Beispiel einem Kreislaufkollaps) zur Verfügung stehen muss. Daher darf das Delegieren nicht als ein "Entledigen von Pflichten" verstanden werden: Blutabnahmen laufen in vielen Praxen ab 7 Uhr, der Arzt kommt aber erst zu Beginn seiner Sprechstunde um halb 9. Das geht auf keinen Fall!!

Nicht zuletzt muss aber auch der Patient mitspielen. Nur die wenigsten wissen, dass sie "NEIN" sagen können, wenn die Helferin Blut abnehmen oder etwas spritzen will. Es ist und bleibt eine ärztliche Maßnahme und die Helferin ist nur dem Gesetz nach Hilfspersonal! Diese Aufklärung muss aktiv erfolgen und dokumentiert werden. Argumente, wie "der hat ja nichts gesagt" oder "das haben wir schon immer so gemacht", zählen ganz und gar nicht.
Auch muss Empathie verstanden werden. Der Patient sucht sich, nicht zuletzt auch aus empathischen Überlegungen seinen Arzt aus. Damit ist garantiert nicht eingeschlossen, dass der Patient auch Sympathien für die Helferin hegt und damit einverstanden ist, dass eine ihm unsympathische Person an ihm eine Körperverletzung (und im rechtlichen Sinn handelt es sich bei einer invasiven Maßnahme um eine solche!) begeht. Und damit im Zweifelsfall die Maßnahme nicht nach dem Strafrecht verfolgt werden kann, bedarf es dem Einverständnis des Patienten: Ist das aber auch als Dokument vorlagefähig? ... in den wenigsten Praxen wohl ...
Letztlich werden diese delegierten Leistungen als ärztliche Maßnahmen auch abgerechnet und der Patient hat ein schließlich darauf, das zu bekommen, wofür er auch zahlt!!
Fazit: Delegation ist nicht so einfach. Es bedarf eines Qualitätsmanagements mit 'standing orders' in der Praxis. Es bedarf einer gründliche Aufklärung eines jeden einzelnen Patienten (sicherlich ist ein Aushang im Wartezimmer oder eine Veröffentlichung auf der Website nicht ausreichend) mit entsprechender Dokumentation und Unterschrift. Da dann auch noch der Arzt für unerwartete Zwischenfälle greifbar sein muss, stellt sich doch die Frage "Mache ich das nicht gleich selbst?". Oder es ist halt ein "Tanz auf Messers Schneide" ... Für die Helferin wird es sicherlich immer noch genügend Aufgaben in der Praxis zu erledigen geben. zum Beitrag »
[13.06.2013, 00:04:29]
Jan Werner 
@M.Ayhan 
Ich stimme Ihnen zu. Die Werbung für Targin ist ziemlich penetrant - scheint aber Erfolg zu haben, wenn ich mich so in den mir bekannten Kliniken umschaue.

Interessehalber: praktizieren Sie die Variante Opioid x + Naloxon p.o.? Wenn ja wie? Mir ist kein p.o.-Naloxon-Fertigarzneimittel bekannt.

Wie schätzen Sie den Benefit von Naloxon ein? Die Hoffnung, dadurch regelmäßig auf die übliche Obstipationsprohylaxe verzichten zu können, hat sich zumindest bei höherer Dosierung meinem Eindruck nach nicht erfüllt.

Letztlich sehe ich Targin in erster Linie als Trick von Mundipharma, um nach Ablauf des Oxygesic-Patents wieder was patentgeschütztes in den Markt zu drücken. zum Beitrag »
[12.06.2013, 23:06:44]
Jan Werner 
Pharma-Marketing 
"(...) vereint als erstes Analgetikum synergistisch den Wirkmechanismus eines µ-Opioid-Rezeptor-Agonisten (MOR) und eines Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmers (NRI) in einem Molekül"

Und Tramadol ist kein µ-Agonist und NARI? zum Beitrag »
[12.06.2013, 14:38:41]
Marianne Difflipp-Eppele 
Einfachste Lösung der Polypharmazie: ein Hausarzt! 
Die Barmer/GEK hat es wohl gerne kompliziert: statt konstruktiv an einer hausarztzentrierten Versorgung mitzuarbeiten, werden teure und sinnlose Vorhaben unterstützt. Nur eine kontinuierliche gewissenhafte hausärztliche Betreuung bietet die nötige Pharmokotherapiesicherheit. Wer regelmäßig die Pharmakotherapie-Fortbildungen der baden-württembergischen HzV besucht, kennt die Datenlage und versucht, sich auf maximal 5 Pharmaka zu beschränken.
Wenn uns die Krankenhäuser nicht bei den Hundertjährigen noch ein Statin oder gar eine Triple-Therapie (ASS, Ticagrelor und Phenpro) bei drug-eluting-stent trotz Vorhofflimmerns aufzwingen würden oder die Orthopäde ohne Blick auf den Verordnungplan (falls er mitgeführt wird)noch ein zweites NSAR aufschreiben würden oder der HNO ein Makrolid-Antibiotikum bei Citalopram-Einnahme verordnen würde.....
Wieviel einfacher wäre die Pharmakotherapie bei einer verpflichtenden primärarztlichen Versorgung? Ich fürchte, dass ich das in meinem Berufsleben nicht mehr erfahren darf. zum Beitrag »
[12.06.2013, 13:26:37]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Fehlalarm? 
Die Barmer GEK schlägt mit ihrem neuen Arzneireport 2013 wieder einmal Alarm! Der Bremer Pharmako-Epidemiologe Prof. Dr. rer. nat. Gerd Glaeske und der Barmer GEK-Vize Dr. jur. Rolf-Ulrich Schlenker beklagen in ihrer Pressekonferenz insbesondere die Polypharmazie der Bundesbürger ab dem 65. Lebensjahr, o h n e bio-psycho-sozialmedizinische Berücksichtigung von Epidemiologie, Prävalenz und Inzidenz zunehmender Krankheitsentitäten und Multimorbiditäten im Alter.

Von den 15 Autoren/-innen des Arzneimittelreports 2013 der Barmer GEK sind 9 weiblich und 6 männlich. Ein Psychiater und ein Allgemeinmediziner mit früherer Praxiserfahrung sind als ausgebildete Ärzte vertreten. Die übrigen beruflichen Hintergründe bewegen sich von der Veterinärmedizin über Public Health (MPH), Pharmazie, PTA, Geografie, Soziologie bis hin zu EDV- und Medienspezialisten.

Ein echter Dialog m i t den Ärztinnen und Ärzten vor Ort wird n i c h t gesucht. Eher wird ü b e r die niedergelassenen Vertragsärzte gesprochen, die im GKV-Bereich viel zu viele (nutzlose?) Medikamente verordnen würden. Zu Recht wird beklagt, dass nur eine elektronische Patientenakte bei den Versorgungspfaden verschiedener Haus-, Fach- und Spezialärzte bzw. Kliniken Transparenz und Rationalität schaffen könne. Damit würden tatsächlich Doppeldiagnostik, Übertherapie und Fehlmedikation vermieden werden. Doch schon das Beispiel möglicher Therapietreue-Mängel bei 8,2 Prozent der über 65-Jährigen, die acht bis zehn Wirkstoffe, und den 3,4 Prozent, die elf Wirkstoffe und mehr einnehmen, ergeben Adhärenz- und Compliance-Probleme. Die Therapietreue leidet insbesondere bei Wechselwirkungen, Nebenwirkungen und dem Vergessen von Medikamenten proportional zu der verordneten Menge.

Doch gerade dort, wo im häuslichen Milieu oder in Pflegeeinrichtungen Medikationsfehler gemacht werden, helfen "Elektronische Gesundheitskarte und elektronisches Rezept" den Betroffenen n i c h t weiter: Weil sie s e l b s t die elektronischen Signaturen nicht lesen und interpretieren können. Das ist nur eine der vielen, nicht nur patientenbezogenen Schwachstellen der E-Cards im Gesundheits- und Krankheitswesen.

Hauptprobleme sind und bleiben die immer schlechter werdenden Bewältigungsstrategien ("Coping") bei Krankheit, Chronizität, Behinderung und Teilhabeeinschränkung. Weit über die Hälfte der 65-Jährigen haben erhöhten Blutdruck und entwickeln eine hypertensive Herzkrankheit. Typ-2-Diabetes, umwelt-, ernährungs- und raucherbedigte Erkrankungen nehmen zu.
Die Lebenserwartung bei Systemerkrankungen wie Krebs, MS, KHK, HIV-Infektionen, Hepatopathie, Parkinson, Demenz, Alzheimer, Kollagenosen, p-AVK, Psychopathien etc. steigt erfreulicherweise. Während die Versorgungsforschung zugleich beschreibt, wie die Schere zwischen Arm und Reich bzw. zwischen psychischen, somatischen und sozial bedingten Erkrankungen immer weiter aufgeht. Und dann gibt es noch den gigantischen Bauchladen rezeptfrei erhältlicher Medikamente, die völlig unkontrolliert nebenher eingenommen werden können. Vom Überangebot bei den Nahrungsergänzungsmitteln statt frischer, gesunder Ernährung will ich gar nicht anfangen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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[12.06.2013, 12:25:20]
Dr. Michael Kremer 
Völlig absurde Vorveruteilung von Ärzten durch die Boulevardpresse 
Es ist vor allem ein Unding, was die Presse für eine Hetzjagd auf Ärzte veranstaltet hat- aus purer Sensationslust. Hier ist insbesondere die BILD München zu nennen, die mich öffentlich diffamierte, als ob ich der einzige Arzt in ganz Deutschland gewesen wäre, der noch dazu absichtlich Frauen mit angeblich "billigen" Implantaten (waren normal teuer) hätte schädigen wollte. Zum Glück hatten die mit PIP behandelten und auch neue Patientinnen mit Wunsch nach Brustvergößerung Vertrauen in meine Fähigkeiten als guter und seriöser Plastischer Chirurg.

Es wäre wirklich ein Unding gewesen, wenn ein Arzt verurteilt worden wäre, als ob man ein TÜV geprüftes und als Hochqualitätsimplantat bezeichnetes Implantat dann nach dem Öffnen der Packung im OP durch Riechen, Tasten und Schauen als minderwertig erkennen hätte können? geht's noch??? Die Presse, allen voran die BILD, hat viele Patientinnen in große Angst getrieben ohne echte Fakten zu haben. In England war man besonnen und es riet das Gesundheitsministerium nach genauer Prüfung tausender Fälle dazu erst einmal abzuwarten und nur bei nachweislichem Platzen eines Implantats (Ultraschall, MRI) einen ja wiederum mit neuen Risiken behafteten operativen Eingriff vornehmen zu lassen. Wir hatten auf diese Untersuchungen bereits frühzeitig im Sommer 2012 hingewiesen

http://www.cosmetic-aesthetic.com/de/aktuell-newsblog/1304-pip-implantate-doch-nicht-giftig.html

Mein als niedergelassener Arzt teilweise etwas erschüttertes Vertrauen in den Rechtsstaat ist wieder etwas gebessert, wenn es aber natürlich auch nur ein Urteil ist, das dem gesunden Menschenverstand entspricht. Aber das ist ja nicht unbedingt bei jedem Urteil so...
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[12.06.2013, 12:04:35]
Bernd Groeper 
Polypharmazie ?!? 
Mittlerweile gibt es viele tolle und sinnvolle Kombinationen. Bei z.B. Diabetes u Hochdruck kann man mit Metform.+DPP4 Hemmern 1 Tabl. sparen. Beim Hochdruck geht es sogar von 3 auf 1 Tabl. runter. (3er Fixkombis) z.B. Amlo+ Valsa+HCT
Das reduziert die Tabletten last sehr.  zum Beitrag »
[12.06.2013, 10:43:27]
Roswitha Annemarie Poppel 
Polypharmazie in der Geriatrie 
Hinweisen möchte ich auf das Zentrum für Gerontopharmakologie in Mannheim. Dr. Martin Wehling und Dr. Heinrich Burkhardt beraten dort Patienten in der gerontopharmakologischen Ambulanz. Patienten bringen ihre Arzneimittel mit und werden zum Problem UAW und unnötige Medikation beraten. Ambulanzen dieser Art sollte es in jeder größeren Stadt geben. zum Beitrag »
[12.06.2013, 10:41:56]
Uwe Altemeier 
Nutzenbewertung GBA 
Man fragt sich doch allmählich ob der Begriff der "Nutzenbewertung" überhaupt noch angebracht erscheint. Der Nutznießer der Beschlüsse des GBA ist hinlänglich bekannt.
Die GKV ! Die Patienen und die Herausforderungen einer volkswirtschaftlichen Betrachtung moderner Thearpieoptionen spielen,wenn überhaupt, eine untergeordnete Rolle. Armes Deutschland! zum Beitrag »
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