Leserkommentare [17262]

[30.04.2017, 15:34:24]
Thomas Georg Schätzler 
Keine "faulen" Kompromisse: "low fat" und "low carb" gleichzeitig ist populistische Irreführung!  
Es kommt nicht darauf an, w i e v i e l Fette gegessen werden, sondern w e l c h e Arten bzw. Qualitäten von Fetten/Ölen durchaus großzügig täglich verkonsumiert werden können: Natives Oliven-, Walnuss-, Raps- und Leinöl mit aufsteigendem Gehalt an Omega-3-Fettsäuren (Omega-3-PUFA), a-Linolensäure (ALA) aus Pflanzen und Eicosapentaensäure (EPA) bzw. Docosahexaensäure (DHA) aus Fischöl.

Spätestens seit der PREDIMED-Studie kann man davon ausgehen, dass sich das Herz-Kreislauf-Risiko mit einer an Olivenöl und Nüssen reichen Mittelmeer-Diät senken lässt (NEJM 2013; 368: 1279).
http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/krebs/article/889453/handvoll-tag-nuesse-knabbert-lebt-laenger.html

Low-Fat kann sich also nur auf gefährliche Ernährungs-Varianten mit zu vielen, mehrfach ungesättigten, meist tierischen Fetten beziehen, von denen mit fetten Fleisch- und Wurstwaren, speziell bei unsachgemäßem Grillen im Bevölkerungsdurchschnitt erheblich und im Übermaß gegessen bzw. "gefressen" werden.

Fetter Fisch wie Makrele, Nord-See- und -Pazifik-Lachs, aber auch Kabeljau, Seelachs, Hering, Rotbarsch, Seeteufel und Plattfische sind wegen hohem Omega-3-PUFA Gehalt bei KHK-RISIKO vorteilhafter und konterkarieren die undifferenzierte "low-fat"-Empfehlung endgültig.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund  zum Beitrag »
[28.04.2017, 20:01:37]
Thomas Georg Schätzler 
Kommt der Tod tatsächlich aus der Flimmerkiste? 
Lieber Kollege, Prof. Dr. med. Stephan Martin, Ihre Überschrift: "Fernsehen gefährdet die Gesundheit und kann tödlich sein", ist m.E. wissenschaftlicher Populismus.

Denn wenn Menschen metabolisch, krankheits-, handicap- oder altersbedingt immobil und teilhabe-eingeschränkt auf das Sterben zugehen, sehen sie wesentlich mehr und länger TV oder lassen den Fernsehapparat einfach nur laufen, als gesündere, jüngere Vergleichsgruppen, die eher noch mal vor die Tür kommen. Die Dauer des Fernsehkonsums ist zwar ein Indikator für krankheitsbedingte Mobilitätseinschränkung, aber doch kein plausibler, valider oder gar kausaler Parameter für Morbidität und Mortalität.

Unsere Patienten sterben nicht, w e i l sie fernsehen, sondern w ä h r e n d der Fernseher läuft! Die Publikation im JAMA: "Television viewing and risk of type 2 diabetes, cardiovascular disease, and all-cause mortality: a meta-analysis" von A. Grøntved und F. B. Hu verwechselt vor allen Dingen Ursache und Wirkung.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21673296

Die Publikation "Sedentary Time and Its Association With Risk for Disease Incidence, Mortality, and Hospitalization in Adults: A Systematic Review and Meta-analysis" von Aviroop Biswas et al. bringt auch keine neuen Erkenntnisse. http://annals.org/aim/article/2091327/sedentary-time-its-association-risk-disease-incidence-mortality-hospitalization-adults

“Television Viewing, Computer Use, Time Driving and All-Cause Mortality: The SUN Cohort” ist der Titel einer Publikation von Francisco Javier Basterra-Gortari et al. im Journal of the American Heart Association (JAHA). Doch von einer echten prospektiven Studie, mit der eine Hypothese geprüft, bestätigt oder verworfen wird, ist diese Untersuchung ebenfalls weit entfernt. J Am Heart Assoc. 2014; 3:e000864 - http://dx.doi.org/10.1161/JAHA.114.000864
Es handelte sich um eine sogenannte Follow-Up-Studie. Niemand kann exakt im Voraus sagen, wie lange er zukünftig im Büro sitzen, fernsehen, Computer benutzen oder Auto fahren werden wird, sondern sich allenfalls bei Befragungen retrospektiv grob erinnern, dass da mal irgendwas mit TV, PC und PKW war: „13 284 Spanish university graduates with a mean age of 37 years were followed-up for a median of 8.2 years“ und wurden per Fragebogen zum Thema Sitzdauer pro Tag dazu befragt.

Ein bekanntes Motto lautet: 'Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft'. E. S. George et al. haben dazu im Int J Behav Nutr Phys Act. Anfang 2013 veröffentlicht: „Chronic disease and sitting time in middle-aged Australian males: findings from the 45 And Up Study”
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3571940/
Sie fanden einen positiven Zusammenhang zwischen der täglichen Sitzdauer und dem Auftreten von Diabetes mellitus bzw. anderen chronischen Krankheiten im Rahmen einer ebenfalls retrospektiven Krankheits-Register-Studie. Damit ihre Erkenntnisse nicht auf dem Niveau bleiben: 'Je flacher die Atmung, desto schlechter die Lungenfunktion', forderten sie prospektive Studien zur Klärung eines Kausalitäts-Zusammenhangs.

Denn nicht nur Bewegungsmangel und das viele Sitzen allein lassen Krankheiten entstehen. Sondern auch und gerade die krankheits- und behinderungsbedingten Bewegungs- und Leistungs-Einschränkungen diktieren u. a. die tägliche Sitzdauer. Andernfalls müssten Bus- und Taxifahrer, Piloten, Rennfahrer, Büro- und Verwaltungsangestellte, im Deutschen Ärzteblatt Kommentare schreibende Kollegen/-innen oder Pförtner reihenweise Bewegungsmangel bedingt krank werden und tot umfallen.

Erst die ABC-Morbidität von Adipositas, Bewegungsmangel und Co-Faktoren wie metabolisches Syndrom, Hyperinsulinismus, endokrine Pankreasinsuffizienz, Insulinresistenz, idiopathische und genetisch-hereditäre Faktoren machen z. B. den Typ-2-Diabetes mellitus aus.

Zu Recht weisen Sie, Prof. Martin, darauf hin, dass irreführende und falsche Informationen im TV-Medium im Zusammenhang mit der Sendung "Cholesterin, der große Bluff" auf ARTE brandgefährlich sein können.

Dort hatte der französische Arzt und Forscher Dr. Michel de Lorgeril, Wissenschaftler am Centre national de la recherche scientifique (CNRS), Université Joseph-Fourier, Grenoble, als Kardiologe über die angeblich völlig fehlenden Beteiligung von Cholesterin bei der Entstehung von Herz-
und Hirn-Infarkten als Kronzeuge berichtet. Er reihte sich damit in den naiven Empirismus und vorwissenschaftlichen Naturalismus der Heilpraktiker-Szene ein.

Mit ideologischem Eifer verfolgt de Lorgeril geradezu besessen seine Außenseiter-Positionen und legt eine Fülle pseudowissenschaftlicher Publikationen vor. Er zerschlägt nach eigenen Angaben den Cholesterol-Mythos, geißelt die missbräuchliche Verschreibung von Cholesterinsenkern und setzt dagegen auf mediterrane Lebens- und Ernährungs-Interventionen, körperliche Ertüchtigung, Omega 3 Fettsäuren, Immunitäts-fördernde Ernährung und Diabetes-Prävention ["Cardiologue et chercheur au CNRS, il met en pièces le mythe du cholestérol et dénonce la prescription abusive des médicaments anticholestérol. Il préconise le régime méditerranéen et l'exercice comme agents ...?Cholestérol et Statines · ?Acides gras oméga-3 · ?Nutrition et immunité · ?Diabètes"]. 

Die Erfolgsgeschichte der Cholesterin-Senkung wird seit der 4-S-Studie geleugnet: Randomised trial of cholesterol lowering in 4444 patients with coronary heart disease: the Scandinavian Simvastatin Survival ...https://www.ncbi.nlm.nih.gov › pubmed Lancet. 1994 Nov 19;344(8934):1383-9. Randomised trial of cholesterol lowering in 4444 patients with coronary heart disease: the Scandinavian Simvastatin Survival Study (4S).

Ob Atherosklerose, Cholesterin, LDL-Cholesterin, Plaques, Plaque-Ruptur, ischämischer Myokardinfarkt, ischämischer Hirninfarkt, alle Studien dazu werden wissenschafts- und erkenntnistheoretisch ignoriert oder umgedeutet. Das war auch der Ansatz der ARTE-Redaktion, der keine andere Meinungen als die des Außenseiters Michel de Lorgeril zulassen wollte.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund  zum Beitrag »
[28.04.2017, 18:26:54]
Knut Hollaender 
Bloß weg hier 
Als Arbeitstier der ambulanten Versorgung mit einer Vergütung die pro Kopf schlechter ist als vor zehn Jahren kann es nur heißen - Rente kassieren so früh wie möglich und hoffen, dass die Politik andere Arbeitstiere findet...
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[28.04.2017, 17:12:55]
Wolfgang Bensch 
Überzeugte Systembefürworter ... 
Nun bei den Wahlen vor einigen Monaten gab es bekanntlich für jeden der drei Vorstandsposten auch nur einen Bewerber, der schon vorher irgendwie "überzeugte" und damit das Wahlgeschehen letztlich einen faden Beigeschmack erhielt.
Vermutlich handelt es sich dabei um ein wesentliches Qualitätsmerkmal des Systems, dass nur davon "zutiefst überzeugte" in Spitzenpositionen aufrücken.
Wie verlockend sind eigentlich Vorstands-flatrates, dass viele dieser Positionen mit "alten Hasen" jenseits der Altersgrenze besetzt werden konnten?  zum Beitrag »
[28.04.2017, 11:05:07]
Roswitha Poppel 
Flatrate-Mentalität 
Leider ist es ein nicht auszuräumendes Vorurteil, welches dem kranken Menschen eine Flatrate-Mentalität unterstellt. Kein Mensch ist gerne krank, geht gerne zum Arzt oder geht gerne in eine Klinik. Für gesetzlich Krankenversicherte und kranke Menschen gibt es keine Behandlungs-Flatrate. Das Wort "Flatrate" sollte man im Bereich der Telekommunikation belassen.





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[28.04.2017, 08:36:26]
Elmar Schmid 
Praxiseigner sterben aus! 
Bedarfsplanungen, ein Potpourri aus Niederlassungsmöglichkeiten und die Einführung von Arztanstellungen drehte 2007 an zu vielen Schrauben im Gesundheitswesen. Der dringende Nachsteuerungsbedarf zeigt sich heute.

Vollwertige Ärzte werden ausgebildetet, die jetzt nur noch halbtags als Angestellte arbeiten. Davon wollen die meisten am Vormittag ihrer Arbeit nachgehen und bestehen auf pünktliches Dienstende. Immer weniger Ärzte gehen in das Risiko einer Praxisführung. Arztpraxen können nicht nachbesetzt werden und benachbarte Praxen sind schon am Überlaufen. Die Babyboom-Ärzte, die jetzt gehen, sind fast alle Praxiseigner, womit sich das System mittelfristig massiv ändern wird. Einzelpraxen werden seit vielen Jahren nicht mehr gefördert, sondern sollen schon seit 20 Jahren reduziert bis abgeschafft werden. In kleineren Orten oder Städten rentieren sich aber keine MVZs, womit sich der Zentralisierungswunsch der Versorgung zerschlägt. Dies betrifft Fach- und Hausärzte, an denen es jetzt schon allerorts mangelt. Die ersten Symptome sind Terminmangel, Wartezeiten und lange Fahrten zum Arzt, die zwar diagnostiziert, aber insuffizient behandelt werden (Terminvergabestellen). Die Diagnose lautet: zunehmende Atrophie der Praxiseigner.
Ich kenne nicht den roten Faden des BGMs. Es wird jedoch Zeit, sich Lösungen einfallen zu lassen, es sei denn, die Politik will erreichen, dass Krankenkassen und Kommunen ihre eigenen Ärzte anstellen und ein Switch weg von einer freien Ärzteschaft der Plan war. Noch bieten sich Ärzteorganisationen oder Praxisnetze an, sich bei der Lösung zu beteiligen. Wenn deren Mitglieder, auch meist nur Praxiseigner, schwinden, wird die Politik die Chance vertan haben,gemachte Fehler zu korrigieren.
Die entscheidende Frage lautet: Will man in Deutschland noch die freie Ärzteschaft?
Seit 2004 ist die Vernetzung, begonnen mit der integrierten Versorgung, politisches Programm. Doch an Förderungen mangelt es auch hier. Anstelle dessen favoritisierte man die Wirtschaftlichkeit der neu entstandenen Versorgungssysteme. Versorgungspolitisch zu denken, wäre angesagt. Chancen und neue Strukturen sind vorhanden. Es fehlt ein klares Bekenntnis und zielgerichete Entscheidungen.
Eines ist klar: "Back to the roots" geht nicht mehr, womit eine Stärkung alter Strukturen auch keine Effekte mehr zeigen wird. zum Beitrag »
[27.04.2017, 19:48:19]
Dieter Döring 
Wer finanziert den Ärzten die Telematik? 
Da die Ärzteschaft zu einem geschlossenem Protest gegenüber den Krankenkassen und dem Gesetzgeber nicht fähig sind, werden sie wohl die Kosten übernehmen.
Auch ist noch, nach Aussagen von mehreren Informatikstudenten, zu sagen, dass das System jetzt schon technisch total überholt ist. zum Beitrag »
[27.04.2017, 14:07:59]
Jacqueline Jackowski 
Antibiotika bei akuter Appendizitis 

Die Ergebnisse und Erfahrungen langjähriger Allgemeinchirurgen + Kinderchirurgen widersprechen dem im obigen Artikel aufgezeigten Trend. Wenn bei einem Kind der V.a. eine akute Appendizitis besteht, die gängigen Palpationstests und Befunde (Labor) erhoben wurden, erübrigt sich, häufig auch in Übereinstimmung mit der Literatur, eine Sonografie. Eine Antibiotikagabe für 48 Stunden ist m. E. "unchirurgisch". Über diesen Zeitraum kann / sollte man ein Kind mit nicht sicherer Diagnose stationär kontrolliert überwachen und danach zur Entscheidung (OP oder nicht) kommen. Kinder haben häufiger Appendizitis-assoziierte Beschwerden meist von einer Lymphadenitis abdominalis ausgelöst. In Anbetracht der heutigen Resistenzlage der AB und der Kenntnisse über das Mikrobiom insbesondere auch beim Kind sollte man solche "Experimente" unterlassen.  zum Beitrag »
[27.04.2017, 09:43:26]
Uwe Wolfgang Popert 
Internisten brauchen geförderte Weiterbildungszeit in der Praxis 
Herr Spiess ist Kardiologe verkennt (bewusst?) die Realität: Allgemein-Internisten lassen sich ja jetzt schon als Hausärzte nieder. Mit Problemen, denn sie wurden vorwiegend für die Arbeit im Krankenhaus ausgebildet.
Die Arbeit in der Praxis ist aber vom Spektrum und den bürokratischen und menschlichen Anforderungen deutlich anders!
Von dem Wissen der Allgemeinmedizin beherrschen Allgemein-Internisten immerhin 30-40 %, und darüber hinaus eine Menge zu technischen Untersuchungsverfahren, die sie in der hausärztlichen Praxis weder benötigen noch abrechnen können. Damit ist eine Niederlassung schwierig. => Deswegen sollten sie eine geförderte (!) Weiterbildungszeit in einer guten Allgemeinpraxis bekommen - wie andere Quereinsteiger auch. zum Beitrag »
[26.04.2017, 14:15:19]
Thomas Sitte 
Verunsicherte Ärzte 
Liebe KollegInnen bei der Ärztezeitung,

die Umfrage fand im März 2016 statt. Also vor über einem Jahr. Und beileibe nicht unter PalliativEXPERTEN, sondern unter palliativ Interessierten. Und auch beim diesjährigen Kongress war das Wissen über die aktuelle ethische, medizinische und juristische Situation doch sehr ernüchternd verbreitet.

Wer etwas wissen will, kann sich ausreichend informieren. Und er bekommt so viel oder so wenig Sicherheit, wie überall in der Medizin, wenn man es wagt, Patienten leitliniengerecht zu behandeln! zum Beitrag »
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