Montag, 28. Juli 2014

Leserkommentare [10484]

[28.07.2014, 19:36:02]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Und wenn das Rauchen nicht das Suizidrisiko erhöht, ... 
sondern umgekehrt ein Suizidrisiko zu vermehrtem Rauchen führt? Dann würden Suizidgefährdete eher in US-Bundesstaaten reisen, wo das Rauchen noch weniger reglementiert und limitiert ist, um sich die letzte Zigarette vor dem Freitod anzustecken. Getreu dem Lied von Reinghard Mey: "Gute Nacht Freunde, es wird Zeit für mich zu gehn. Was ich noch zu sagen hätte, dauert eine Zigarette ..."

Aber wie heißt es so schön in den Schlussfolgerungen unter dem Titel "Probing the Smoking–Suicide Association: Do Smoking Policy Interventions Affect Suicide Risk?" von Dr. Richard Grucza et al.: Diese Ergebnisse liefern Unterstützung für den Vorschlag, dass populationsbasierte Intervenntionen f ü r (warum eigentlich nicht gegen?) das Rauchen das Selbstmord-Risiko senken k ö n n t e n ["Conclusion: These results provide support for the proposition that population interventions for smoking could reduce risk for suicide."]

Oh, wenn man bloß des Englischen mächtig wäre und "for smoking" nicht mit "against smoking" verwechseln würde.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z.Zt. Reykjavik/Iceland)

Originalzitate aus Oxford Journals Medicine - Nicotine & Tobacco Research



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[28.07.2014, 14:56:25]
Dipl.-Med Rainer Höhne 
Sieht so Gleichbehandlung aus? 
Ganz egal, ob der Bewerter mit seinem Urteil Recht hat oder nicht; es kann nicht sein, dass der Arzt mit Ross und Reiter benannt wird, der Beurteiler aber anonym bleibt! zum Beitrag »
[28.07.2014, 14:47:53]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Was ich wirklich bis zu den Haarspitzen satt habe, ... 
dass die Bundesregierung, die CDU/CSU- und die SPD-Fraktionen bzw. der Spitzenverband (SpiBu) der GKV-Kassen bei den Hausärztinnen und Hausärzten, die innerhalb der Gesetzlichen Krankenversicherung als Vertragsärzte permanent präsent sind, "demagogisches Weglassen" praktizieren.

Es wird mit k e i n e m einzigen Wort erwähnt, dass in Deutschland, gleich ob Privat- oder GKV-Kassen-Versicherte, im h a u s ä r z t l i c h e n Primär-Versorgungsbereich j e d e r Akut-Patient taggleich oder binnen 24 Stunden einen Termin bekommt. Gleiches gilt für die Notfall-, Wochenend- und Nachtdienst-Versorgung in Kliniken, Krankenhaus-Ambulanzen und Bereitschaftsdienst-Praxen bzw. Fahrdiensten in Stadt und Land.

Dafür stehen private, familiäre, kulturelle, freundschaft- und gesellschaftliche Termine zurück, gehen Arzt-Ehen auseinander, leiden die Kinder und Enkelkinder, dürfen Ärztinnen und Ärzte auf Grund gesetzlicher Vorgaben n i c h t zu Gerichts-Schöffen gewählt werden: Weil es immer wieder Patienten gibt, die auf den letzten Drücker, oft mit wochen- bis monatelang aufgeschobenen Beschwerden am hausärztlichen Praxiseingang oder Privathaus klingeln, und selbst dann nicht mehr abgewiesen werden können, wenn die Sprechzeiten schon längst vorbei sind. Auch auf Partys oder Festen scheuen sich manche Zeitgenossen nicht, blitzartig Schuhe und Strümpfe auszuziehen, um dermatologische Altbefunde mit Sekundäreffloreszenzen vorzuzeigen, oder Hosenbeine hochzuziehen, um angeblich von drei Fachärzten verpfuschte Krampfaderoperationen zu präsentieren. Weiterführende Untersuchungen bis zum Ganzkörperstatus werden in den weniger frequentierten Nebenräumen erwartet.

Fragen nach gesundheitsfördernden und krankheitsvermeidenden Ess-, Trink- und Lebensgewohnheiten werden mit lauter Selbstverständlichkeit gestellt, bzw. verstummen nur bei der Aufforderung, endlich mit Rauchen, Saufen und unkontrollierbarer Völlerei bei Adipositas permagna aufzuhören.

Der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands Dr. med. Ulrich Weigeldt hat völlig Recht, "eine Umkehr im Denken und Handeln" zu verlangen. In einer immer älter werdenden Gesellschaft werden vor allem Hausärzte gebraucht. "Wir brauchen viel mehr Nachwuchs", betont Kollege Weigelt. Heute arbeiteten viele Hausärzte 58 Stunden und mehr pro Woche. Das sieht der hausärztliche Nachwuchs im krassen Missverhältnis zur eigentlich intendierten, positiven "work-life-balance" und unvereinbar mit Familie, Beziehungen, Freundschaften und Hobbies.

Als niedergelassene Vertrags-Ärzte arbeiten nach BÄK-Statistik (Stand 31.12.2013) nur noch 123.600 Kolleginnen und Kollegen für knapp 81 Millionen Einwohner in Deutschland. Früher waren es mehr. Zu meinem Staatsexamen 1975 an der Freien Universität Berlin und mit Beginn meiner Kliniktätigkeit in Bochum waren knapp 70 Prozent der "Kassenärzte" rein hausärztlich tätig und gut 30 Prozent Fachärzte. Zu Beginn meiner Tätigkeit als Haus- und "Vertragsarzt" 1992 arbeiteten etwa 60 Prozent primär- und 40 Prozent fachärztlich. Jetzt, im Jahr 2014, beträgt der Anteil an Fach- und Spezialärzten innerhalb der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) schon deutlich über 60 Prozent. Der Anteil der Hausärzte von unter 40 Prozent schwindet auf dem Land, aber auch in den Ballungszentren mit sozialen Brennpunkten und Randlagen überproportional bzw. lässt sich oft anteilig an der Gesamt-Versorgung gar nicht mehr beziffern, weil sich dort Fachärzte überhaupt nicht erst niederlassen wollen.

Die Politik, gleich welcher Couleur, hat in Sonntagsreden bisher immer Loblieder auf die guten alten Hausärztinnen und Hausärzte gesungen, die ihr "Licht n i c h t zu sehr unter den Scheffel stellen" sollten. Die GKV-Kassen waren froh, dass Primär-Ärzte die medizinische und psychosoziale Grundversorgung für geringste Quartalspauschalen auf eigenes Risiko als Selbstständige sicherstellen, mit 24-Stunden- und Wochenend-Präsenz. Doch in der Realität, von Montags bis Freitags wurde in aller Seelenruhe zugeschaut, wie die hausärztliche Profession immer weiter ausblutet: Fehlende Lehrstühle für Allgemeinmedizin, mangelhafte hausärztliche Infrastrukturen, verschärfte Basel-2-Banken-Kriterien für Praxisgründungs-Kredite auf dem Land und in sozialen Brennpunkten, keine hausärztliche Interessenvertretung in den nach Mehrheitswahlrecht Facharzt-dominierten Selbstverwaltungs-Gremien, aktiver Boykott der Hausarzt-zentrierten Versorgungsverträge (HzV) durch einige große GKV-Kassen, Gängelung der allgemeinärztlich Tätigen durch Budgetierung, Regressierung und Bürokratieexzesse, um nur einiges zu nennen.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) legte zum 1. 10. 2013 einen neuen Hausarzt-EBM (Einheitlicher Bewertungsmaßstab) vor, nachdem entscheidende Beratungsziffern (HA-EBMneu GOP 03220) ersatz- und dokumentarlos gestrichen werden sollten. Bis zum 30. 6. 2014 war die 2. Beratung chronisch kranker Patienten oft mit Mehrfach-Systemerkrankungen als HA-EBMneu und GOP 03221 mit ganzen 2 Euro Praxis-U m s a t z bewertet - weitere Beratungen und Konsultationen sollten gefälligst umsonst erbracht werden! Der Umsatzbetrag nach GOP 03221 wurde jüngst zum 1. 7. 2014 von 2 auf ganze 4 Euro aufgewertet, Mehrfachinanspruchnahmen weiterhin inklusive.

So sieht die hausärztliche Realität in der Gesundheits- und Krankheitsversorgung in Deutschland derzeit aus.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z. Zt. Reykjavik/Iceland)
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[28.07.2014, 13:19:26]
Dipl.-Med Wolfgang Meyer 
Wer wirft den ersten Stein? 
Es ist schon kurios, dass solch populistische Forderungen und Wortmeldungen
immer wieder soviel Aufmerksamkeit erregen! Solange wir als Ärzteschaft es
nicht hinkriegen, für "Sauberkeit" in unseren eigenen Reihen zu sorgen, werden wir nicht verhindern können, dass sich Unberufene dieser Thematik annehmen. Der Großteil der Ärzteschaft, der sich Tag um Tag ehrlich und engagiert um die Patienten kümmert, gerät durch die in Verruf, die mit der Profitgier der Gesundheitsindustrie gemeinsame Sache machen. Das zerstört auf Dauer das Vertrauen in eine Medizin, die eigentlich dem Menschen dienen
soll, dies aber leider viel zu lange so nicht mehr tut! Da hilft kein Weh-
klagen, sondern nur eine radikale Umkehr! Viel Hoffnung jedoch ist sicher nicht angebracht. zum Beitrag »
[28.07.2014, 13:06:15]
Dipl.-Med Wolfgang Meyer 
Woher rührt dieser Druck? 
Feststellen kann jeder! Aber woher kommt diese Anspannung, dieser Druck am Arbeitsplatz? Gerade im sozialen Sektor und bei öffentlichen Arbeitgebern greifen fachliche Inkompetenz und Unfähigkeit bei der Mitarbeiterführung um sich. Das Unverständliche dabei ist, dass hier niemand reagiert! Denn diese Führungsschwäche kostet uns, die Steuerzahler viel Geld! Noch schlimmer jedoch sind der Verlust an Motivation und Sinnempfindung bei den Beschäftigten. Ein Großteil verliert neben der Freude an der Arbeit die Hoffnung auf Besserung! Diese Frustration wird dann in die Familie und in alle privaten
Lebensbereiche getragen. Psychotherapie und Beratung kann nur einen geringen Teil der Betroffenen erreichen. Die Solidarität und der menschliche Umgang miteinander gehen verloren! Viele Betroffene sind zunehmend weniger zu Konfliktlösungen in der Lage, da ihnen inzwischen auch am Arbeitsplatz das Rückgrat "gebrochen" wird! Wann wachen wir auch
hier endlich auf? Zumindest ist mehr Wehrhaftigkeit und Solidarität ge-
rade auch am Arbeitsplatz gefragt. Wichtig ist, gegen Mobbing und Ausgrenzung aufzubegehren! Jeder kann in solch einen Strudel geraten, und jeder hat hier Hilfestellung und Empathie sowie Unterstützung verdient! zum Beitrag »
[28.07.2014, 11:46:46]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
ASS-Primärprävention: Fragen an "Radio Eriwan"? 
Was die Arbeitsgruppe der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) da in einem Positionspapier präsentiert, hört sich eher wie Antworten von Fragen an "Radio Eriwan" an. Wichtigster Punkt für Patienteninformationen ist doch, dass Acetylsalicylsäure (ASS) z.B. in Form von Aspirin n i c h t im venösen System wirkt. ASS schützt nicht vor venösen Thrombosen, Thrombophlebitis, Thromboembolien insbesondere bei tiefen Beinvenen-Thrombosen und daraus folgenden Lungenembolien. Es taugt auch nicht zur Primärprävention von Hirninfarkten und Schlaganfällen in Folge von präexistentem Vorhofflimmern.

Die Analyse der Antithrombotic Trialists‘ (ATT) Collaboration, welche auf Daten von 95.000 Personen mit niedrigem kardiovaskulärem Risiko gründete, kam zu dem Ergebnis, dass eine Primärprävention mit ASS das Risiko für schwerwiegende vaskuläre Ereignisse r e l a t i v nur um 12 Prozent verringert. In a b s o l u t e n Zahlen bedeutete dies aber nur eine Verbesserung jährlicher Ereignisraten von 0,57 auf 0,51 Prozentpunkte unter täglicher ASS-Prophylaxe. Weitere Studien ernüchterten ebenfalls. Größtes Dilemma bleibt, dass nach allen relevanten Studien zur Primärprävention mit ASS die Reduktion nicht-tödlicher Herzinfarkte gering bleibt. Und genau dieser Reduktion stehen N e b e n w i r k u n g e n mit Zunahme von Hämorrhagien, gastrointestinalen Blutungen und hämorrhagischen Schlaganfällen etwa in gleicher Größenordnung gegenüber.

Schrotschussartig geht das American College of Chest Physicians (ACCP) vor: Die Prävention mit ASS in niedriger Dosis pauschal ab einem Alter von 50 Jahren, ungeachtet des individuellen Risikos - und basta! In vergleichbarer Tradition stehen die letzten AHA- und ACC-Empfehlungen zur großzügigen CSE-Hemmung bei der Primärprävention der Koronaren Herzkrankheit (KHK) mittels Statintherapie in den USA: "Fire and forget", ohne Wenn und Aber, sind die immer noch kontrovers debattierten Empfehlungen der American Heart Association und des American College of Cardiology von Ende 2013.

Die Frage an Radio Eriwan bezüglich der Primärprophylaxe mit ASS müsste demnach folgendermaßen beantwortet werden: "Im Prinzip ja, aber eigentlich - nein!"

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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[28.07.2014, 11:18:42]
Dr. Christian Schulze 
Monopolisten mit wenig Interesse an Perfektion und Funktion... 
Wird mal Zeit, dass sich hier was tut, denn letztlich sind alle Anbieterprogramme mit hohem Potenzial an Optimierung bestückt, guter Ansatz! Hoffentlich wird auch weiter kontinuierlich kontrolliert...
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[27.07.2014, 20:46:14]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
Die Ärzteorganisation IPPNW ist keine "Ärzteorganisation" 
sondern verantwortungslose Aktivisten, die Fakten grundsätzlich nicht akzeptieren! zum Beitrag »
[27.07.2014, 10:53:09]
Dr. Helmut Müller 
Es lebe die Bürokratie! 
Oh Freude, nun bekommen wir ein weiteres "Institut" im Gesundheitswesen,kostet ja alles nichts! Und schafft sogar neue Arbeitsplätze. Nach BMG, BfArM, SpiBu-GKV, G-BA, BVA, DIMDI, InEK, AQUA-Institut und IQWiG etc. pp. nun noch IQTiG. Vielleicht kann ja die OECD anstelle unsinniger Vergleiche zur Häufigkeit von Krankenhausbehandlungen mal überprüfen, welches Land wohl eine Spitzenstellung in Europa in Sachen Bürokratie einnimmt. zum Beitrag »
[26.07.2014, 16:04:52]
Manfred Jäger 
Angriff ist nicht die beste Verteidigung, und Vergeltung schafft keinen Frieden 
Was Sie vom Bundesverband Jüdischer Mediziner wiedergegeben haben, war aus dieser Ecke kaum anders zu erwarten. Für diese speziellen Angehörigen vom Auserwählten Volk der Kinderbeschneider ist alles nur defensive und immer angemessene Reaktion in unverschuldeter Bedrängnis. Und wie immer zuvor schämt man sich nicht, gegen nichtjüdische Kritiker ganz automatisch die Antisemitismuskeule hervorzuholen - weiterhin probate, doch unlautere Methode. Mit diesem vielgeübten Trick, jede Kritik an Israel unversehens ins Messer laufen zu lassen und möglichst gleich zu unterbinden, ziehen Rückenmarks-Zionisten die Sache reflexhaft auf die religiöse Ebene, und da haben sie ja gottgegeben von vornherein Recht, und zwar jedes Recht.
Ich empfand dies schon immer als ekelhaft schamlos, zumal wenn damit Massenmord gerechtfertigt oder relativiert werden soll. Das unheilvolle "Wird zurückgeschossen" klingt uns noch aus der eigenen Geschichte in den Ohren, und das kindische "der hat aber angefangen" und "selber schuld" im völlig überzogenen militärischen Vorgehen gegen Zivilisten eines eigentlich wehrlosen Gegners, dessen Zwergen-Aggressivität gerade aus seiner Ohnmacht gegen unaufhörliche Unterdrückung und Demütigung erwächst, ist würdelos, eine Schande für die jüdische Kultur und Geschichte. Nicht nur vor dem geknechteten palästinensischen Volk und der Welt sollte Israel sich schämen (und tut es ja in den Teilen auch, die mir persönlich bekannt sind), sondern vor den Shoah-Opfern, die sich nur im Grabe herumdrehen können angesichts der Herrenrassen-Attitüde und Endlösungs-Mentalität der israelischen Regierungen.
Seit Gründung des Staates Israel wurde der Landraub und die Entrechtung der Palästinenser rücksichtslos fortgesetzt und so der islamistische Terrorismus hervorgebracht und weiter angeheizt. Die Folgen haben wir alle zu erdulden und mitzutragen, und noch immer sind die Hartherzigen und Böswilligen beider Seiten an der Macht und dürfen auf vielfältige
Unterstützung bauen. Die jüdische Seite darf weiterhin schamlos und völlig absurd auf Holocaust und Antisemitismus verweisen, um die blutigen Hände in Unschuld zu waschen.
Das üble Spiel der Hamas braucht mir niemand zu erklären, und ich wiederum muss es dem Bundesverband Jüdischer Mediziner nicht erklären, um erst dann vielleicht auch die rachsüchtige, nichtsnutzige israelische Aggression als solche benennen zu dürfen.
Manfred Jäger, Überlingen zum Beitrag »
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