Mittwoch, 6. Mai 2015

Leserkommentare [12790]

[06.05.2015, 16:49:10]
Dr. Johannes Scholl 
Gute Präventivmedizin kostet Geld - ist aber langfristig kosteneffizient 
Um Missverständnissen vorzubeugen bzw. die entstandenen aufzuklären: Die Veranstaltung auf dem 121. Kongress der DGIM wurde unter meiner Leitung von der Deutschen Akademie für Präventivmedizin durchgeführt, die sich seit 10 Jahren ungesponsert und evidenz-basiert um die ärztliche Fortbildung auf dem Gebiet der Gesundheitsförderung und Prävention verdient gemacht hat. Jährlich veranstalten wir den einwöchigen Fortbildungskurs zum Präventivmediziner DAPM, der auch dieses Jahr wieder mit 77 FBP zertifiziert wurde (s. www.akaprev.de).
Ich habe in meinem Vortrag eigene publizierte und (noch) unpublizierte Daten präsentiert, die aus den Check-up-Untersuchungen resultieren, die von meiner Privatpraxis Prevention First für zahlreiche Firmenkunden durchgeführt werden. Mit dem "Check-up 35" der GKV hat dies nichts zu tun, und es handelte sich auch nicht um IGEL-Werbung, da wir komplett außerhalb der klassischen Patientenversorgung auf dem Gebiet der betrieblichen Gesundheitsförderung arbeiten.
In mittlerweile >20 000 Check-up-Untersuchungen haben wir zum einen umfangreiche Querschnittsdaten zur Prävalenz von Risikofaktoren bei einem Durchschnittsalter der Untersuchten von ca. 45 Jahren erhoben und publiziert, zum anderen aber auch in der Längsschnittanalyse die Verbesserungen des Herz-Kreislauf-Risikoprofils und Diabetesrisikos durch die einmalige Check-up-Intervention zeigen können.
Die evidenz-basierte Erhebung des Herz-Kreislauf-Risikos inkl. der Visualierung dieses Risikos über die IMT-Messung, die sehr wohl (s. Meta-Analyse Lorenz Circulation 2007) eine hohe prognostische Bedeutung hat, die objektive Erhebung der Fitness mit Ableitung eines konkreten Trainingsplans und eine ca. einstündige, umfassende, individuelle Beratung zu Risikofaktoren, Lebensstil, Ernährung, Training und Stressmanagement bilden den Kern des Prevention First Check-ups.
Für die freiwilligen Teilnehmer an den Check-ups lohnen sich diese z.B. dadurch, dass wir eine sehr hohe Nikotinabstinenzquote bei Rauchern (Männer 45%, Frauen 22%), eine gute Blutdruckeinstellung bei bekannten und vielen neu entdeckten Hypertonikern und die Prävention eines Typ 2-Diabetes bei Prä-Diabetikern (RRR 80-90%, Publikation der Daten nächste Woche auf dem EuroPRevent-Kongress in Lissabon)erreichen. Und für die Firmen ist dieser Check-up dadurch kosteneffizient,dass die Check-ups nachweislich Fehlzeiten reduzieren und Produktivitätsverluste vermeiden können.
Prävention macht tatsächlich Sinn, wenn sie richtig durchgeführt wird. Dass dies im deutschen Gesundheits- bzw. Krankheitswesen der gesetzlichen Krankenkassen keinen (monetären) Stellenwert für die Ärzte hat, bedaure ich und halte das für einen schweren Fehler, den zukünftige Generationen werden bezahlen müssen. Es bleibt bis auf weiteres für niedergelassene Ärzte nur die Möglichkeit, sich auf privatem Sektor präventivmedizinisch ein zweites Standbein aufzubauen, was ich völlig legitim finde, sofern die durchgeführten Untersuchungen und die Beratung seriös sind.
Und das kann man bei der Deutschen Akademie für Präventivmedizin lernen.
s. www.akaprev.de
Mit freundlichen kollegialen Grüßen
Dr. med. Johannes Scholl
Internist, Ernährungs- und Sportmediziner
1. Vorsitzender der Deutschen Akademie für Präventivmedizin
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[06.05.2015, 16:36:35]
Cornelia Dölling 
Hannelore Quadèlle 
Sehr geehrte Damen und Herren,
da taucht bei mir ebenfalls die Frage auf, auf welchem Planeten leben diese Menschen? Auf meinen Facharzt-Termin/Neurologe, wegen Polyneuropathie, habe ich sechs Monate gewartet!! September 2014 Termin in der Praxis geben lassen für Februar 2015. Der von der gesetzlichen Krankenkasse angebotene Service "schnelleren Termin beim Facharzt" ist voll daneben. Ohne jegliche Auswirkung; oder Termin bei einem Arzt, der viel zu weit weg vom Wohnort ist. Termin beim Kardiologen! März 2015 in der Praxis angefragt; Termin im September 2015 erhalten. Usw.
Sehr ausschlaggebend ist, auf welcher Seite man steht. Privat- oder Kassenpatient. Eine TV-Reportage hat dieses Problem deutlich geschildert. Im Großen und Ganzen sind die Entscheidungen im Gesundheitswesen von Menschen am grünen Tisch gemacht worden, die eigentlich, da gesund und ohne chronische Erkrankung an der Realität vorbeischlittern. Trotz allem ist die Versorgung gut in Deutschland, jedoch die Profitgier zerstört vieles.

Mit freundlichen Grüßen
Hannelore Quadèlle
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[06.05.2015, 16:12:31]
Carsten Windt 
Systementscheidung 
Grundsätzlich ist der Ansatz verkehrt. Die Entscheidung pkv oder GKV darf nicht nur unter Beitrags Gesichtspunkten entschieden werden. Die frage ist doch ob ich mich für eine Versicherung mit garantierten Leistungen entscheide oder für einen Sachleistungskatalog der der aktuellen kassenlage und willkürlichen politischen Entscheidungen unterworfen ist. Die GKV ist auf den ersten Blick attraktiv. Der Beitrag richtet sich nach meinem Einkommen. Tatsächlich ist dieses aber Selbstbetrug. Die gkvist in keiner weise zukunftssicher. Rücklagen gibt es nicht (mit Ausnahme von Überschüssen die durch ungewöhnlich guter konjunkturelle Umstände entstanden sind). Der sogenannte Generationenvertrag ist ein Vertrag zu Lasten der jungen Generation.wer heute ins Berufsleben einsteigt muss mit erheblichen lasten rechnen, die durch den demografischen Umbruch begründet sind. Bereits heute benötigen Rentner 50% des Etats bei einem deutlich geringeren beitragsaufkommen. Wenn die babyboomer in Rente gehen, wird es nur noch eine GKV mit Mangel Versorgung (ggf.entscheidet dann wie in England eine Ethikkommission über die Notwendigkeit einer Behandlung und nicht mehr der Arzt) und eingeschränkten Leistungskatalog geben. Dies ist die Entscheidung und nicht ob derpkv-beitrag als Rentner höher als in der gkv ist. zum Beitrag »
[06.05.2015, 15:11:39]
Dr. Knut Hollaender 
ambulante Versorgung zum Abschuss freigegeben  
Seit Jahren versucht der Gesundheitsministerium die ambulante Versorgung durch freiberuflicheÄrzte unattraktiv zu machen. Dies ist nur ein weiterer Baustein. Der Weg dahin ist bereits größtenteils erfolgreich zurückgelegt. zum Beitrag »
[06.05.2015, 13:12:16]
Fred Kölpin 
facharzttermin 
sorry,
auf welchem planeten leben die macher dieser "studie" ?
aus meinem bekanntenkreis und aus eigener erfahrung folgende facharztwartezeiten :
kardiologe ab 3 monate, locker auch mal 6 monate und mehr
neurologe ab 8 wochen
endokrinologe ab 8 wochen
psychotherapeut ab 9 monate
augenarzt 4 monate und mehr
oder sollte gar die mehrzahl der befragten der kategorie privatpatient entstammen ?

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[06.05.2015, 12:49:15]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Bürokratischer Größenwahn? 
Die auf Betreiben der GKV-Kassen und der GROKO-"Gesundheits"-Politiker formulierten neuen Krankenhauseinweisungs-Richtlinien sind mit der Veröffentlichung im Bundesanzeiger offiziell in Kraft getreten.

"Lahme Enten" von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und den KVen bzw. die Proteste der Delegierten der Vertreterversammlung der KBV (KBV-VV) haben dagegen nichts ausrichten können. Der Gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen (G-BA) hat sich zum Thema erst gar nicht geoutet. Vgl.
http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/berufspolitik/article/884436/klinikeinweisung-ministerium-winkt-umstrittene-richtlinie-durch.html

Bundesgesundheitsministerium (BGM) und Dienstherr Hermann Gröhe gaben sich ebenso völlig ahnungs- wie praktisch alternativlos: Kein Durchblick in der Realität einer Indikations- und Leitlinien-gerecht verzahnten, ambulant-stationären Versorgungskaskade - seit langem schon eine eigentlich gelingende medizinische Lebens- und Kooperationswirklichkeit innerhalb der Vertragsärzteschaft im Sinne unserer Patientinnen und Patienten.

Ebenso Medizin-bildungsferne wie Versorgungs-fremde Mitarbeiter/-innen der GKV-Kassen, der Verwaltungs- und Ministerialbürokratie stellen sich unsere vertragsärztlichen Kern-, Auftrags- und Versorgungskompetenzen nämlich so vor:
Nachdem wir uns mit "Nebensächlichkeiten" wie Anamnese, Untersuchung, Arbeitsdiagnosen, Labor, weiterführender Differenzialdiagnostik u n d möglichen ambulanten/stationären/palliativen Therapieverfahren kurz beschäftigt und diese mit unseren Patienten diskutieren durften, müssten alle Haus-, Fach- und Spezialärzte erstmal eine längere Auszeit nehmen. Um getreu im Sinne des Wirtschaftlichkeitsgebotes des § 12 SGB V, "Leistungen, die nicht notwendig oder unwirtschaftlich sind, können Versicherte nicht beanspruchen, dürfen die Leistungserbringer nicht bewirken und die Krankenkassen nicht bewilligen", zu recherchieren, ob es nicht irgendwo bzw. irgendwie noch etwas "billiger" ginge?

Das, was alle Sozialversicherungs-Fachangestellte und Controlling-Experten täglich tun, o h n e je die staatlich legitimierte Befähigung und Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde zu erlangen: Wer ist der günstigste Anbieter, welche Produkte und Dienstleistungen wollen wir zu welchen Konditionen anbieten, wo ist die billigste Klinik, wer macht möglichst alles ambulant, wie kann man die Arzthonorare weiter drücken, wie ist das bestehende Sozialgesetz möglichst restriktiv auszulegen usw. usf.

Dass vor jeder Krankenhauseinweisung eine Prüfung sinnvoller ambulanter und/oder teil-stationärer Behandlungsalternativen stattfindet, ob vergleichbare Alternativen auch komplikationsfrei und verträglich in Frage kommen, gehört zur klassischen, professionell individualisierten Arzt-Patienten-Interaktion, o h n e Beeinflussung und Dirigismus von außen durch völlig unbeteiligte Dritte, die auch noch frei von Sachverstand sind.

Bei Herz- und Hirninfarkt, Lungenembolie, akutem Abdomen, möglicherweise schon perforierter Appendizitis, eingeklemmter Hernie, Hochdruckkrise, akutem peripheren Arterienverschluss, Mesenterialinfarkt, akuter Tumorkrankheit, Kachexie und Marasmus, zerebralen Krampfanfällen, Gallenstein- und Nierensteinkoliken mit Infektionsgefahr, entgleistem Typ-1 und 2-Diabetes, Addison-Krise, Thyreotoxikose, Nierenversagen, dekompensierter Herzinsuffizienz und zahlreichen internistischen Notfallsituationen wären meine Patienten längst verstorben, wenn ich mich bzw. meine professionellen Kolleginnen und Kollegen in tagelangen Telefonkonferenzen, Kontemplationen, Rückfragen und rein ökonomisch motivierten Abfragen aufgehalten hätten.

Die neuen "Krankenhauseinweisungs-Richtlinien" sind ein bürokratisches Monstrum lebensfern formalisierter Vorschriften, aus denen sozialpsychologisch gedeutet die nackte Angst entspringt, bei einer schweren Krankheit, einem massiven Schicksalsschlag nicht optimal und risikoadäquat versorgt zu werden. Sie verleugnen, dass wir Ärzte Experten für unvorhersehbare Krankheiten sind und nicht "Gesundheitsapostel" bzw. "Billigheimer".

Ich persönlich warte nur noch auf eine im Bundesanzeiger zu veröffentlichende "Gesundheits"-Richtlinie, dass der Begriff "Krankheit" stets durch "Gesundheit" zu ersetzen ist. Weil es einfach schöner, positiver klingt! Dann werden alle "Krankenwagen" in "Gesundheitswagen" umgetauft und schon fühlen wir uns Alle besser!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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[06.05.2015, 12:48:59]
P.-A. Oster 
Zuckersteuer .... 
Die Idee mit einer Zuckersteuer (1 Cent [damals Pfenig} pro Kilogramm würde heute 100-erte Millionen Eurönchen einbringen) hatte ich schon vor 25 Jahren. Leider ist sie nicht zweckgebunden einführbar - sie würde im normalen Staatshaushalt (auch Verteidigungshaushalt, usw.) versanden!! Zweckgebunden in der Prophylaxe (z.B. Karies~ und Diabetesprophylaxe) würde sie Wunder bewirken können (sic).
Desillusioniert >med.dent. P.-A. Oster< zum Beitrag »
[06.05.2015, 11:07:41]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Dazu mein Kommentar: Paracetamol-„Bashing“; publiziert im British Medical Journal (BMJ) 
http://www.bmj.com/content/350/bmj.h1225/rapid-responses

PARACETAMOL-"BASHING"? - Re: Efficacy and safety of paracetamol for spinal pain and osteoarthritis: systematic review and meta-analysis of randomised placebo controlled trials

To criticize the efficacy and safety of paracetamol by publishing: "Objective - To investigate the efficacy and safety of paracetamol (acetaminophen) in the management of spinal pain and osteoarthritis of the hip or knee" is not reliable when to say in the end of the abstract: "Conclusions - Paracetamol is ineffective in the treatment of low back pain and provides minimal short term benefit for people with osteoarthritis. These results support the reconsideration of recommendations to use paracetamol for patients with low back pain and osteoarthritis of the hip or knee in clinical practice guidelines".

Simple "low back pain" can be caused by muscular discomfort, myogelosis, and misalignments, malposition of the spinal column, scoliosis, overstraining, improper behaviour, or inadequate exercises. A "spinal pain" will be caused by an irritation of the spinal nervous system, the spinal marrow, or neuralgia of the vertebral nerves. Orthopedic experts warn to neglect "red-flag-signs" when complicated spinal pain occurs.

The German guidelines recommend paracetamol only up to 3 grams in the treatment of "low to moderate acute non-specific low back pain". Paracetamol is possible to treat sub-acute and chronic non-specific low back pain. http://www.leitlinien.de/mdb/downloads/nvl/kreuzschmerz/kreuzschmerz-1au...

The hypothesis that paracetamol 500 mg up to 3 grams a day could be n o t efficient and safe in the treatment of acute non-specific low back pain was not subject of the investigation of G. C. Machado, PhD student, et al. They are concerned about the treatment, efficacy, and safety of paracetamol for (specific or unspecific) spinal pain and osteoarthritis.

They should reconsider that most of acute non-specific low back pain will abate after 5 to 7 days by regaining normal muscular activity with or without physiotherapy. Paracetamol will be helpful but is not urgently needed. Spinal pain and osteoarthritis are different themes.

Dr. med. Thomas G. Schaetzler (MD)
Family Medicine Unit
Public GP-medical office/Fachpraxis Allgemeinmedizin
Kleppingstr. 24 D 44135 Dortmund Germany
th.g.schaetzler@gmx.de
Competing interests: No competing interests

Original-Artikel: http://www.bmj.com/content/350/bmj.h1225

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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[06.05.2015, 10:06:17]
Ramona Gerbing 
Unterteilung der Fachärzte 
Sehr geehrte Damen und Herren,
mich würde interessieren, wie sich das Ergebnis auf einzelne Fachärzte verteilt? Erfahrungsgemäß ist es so, dass es ein großer Unterschied ist, ob der Patient einen Augenarzt, Psychologen, Neurologen, Orthopäden, Endokrinologen, Radiologen, Schmerztherapeuten konsultiert, oder einen Termin beim HNO-Arzt benötigt. Patienten, die aufgrund der Leitlinie ein MMK (Multimodales Therapiekonzept) absolvieren müssen, haben extrem Probleme. Um die Voraussetzung für eine Kostenübernahme für eine bariatrische Operation zu erfüllen, haben die Psychotherapeuten nicht selten Wartezeiten von 1 Jahr und mehr. Das Gleiche betrifft die Endokrinologen.
Mit freundlichen Grüßen
Ramona Gerbing
www.adipositas24.de zum Beitrag »
[06.05.2015, 08:35:46]
Dr. Henning Fischer 
Gröhe läßt das Deck schrubben 
während das Schiff sinkt.

20 Jahre blödsinnige Gesundheitspolitik
Seehofer, Schmidt, Gröhe
kann es noch schlimmer werden? zum Beitrag »
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