Leserkommentare [17355]

[24.05.2017, 15:58:36]
Thomas Georg Schätzler 
SPRINT revisited! 
In der Tat relativiert die Post-hoc-Analyse der ONTARGET- und TRANSCEND TRIALS-Daten durch Böhm M, Schumacher H, Teo K et al. mit dem Titel: "Achieved blood pressure and cardiovascular outcomes in high-risk patients: results from ONTARGET and TRANSCEND trials", im Lancet 2017 publiziert, die SPRINT-Studien-Ergebnisse ganz elementar:

http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(17)30754-7/fulltext
["Interpretation
Mean achieved SBP less than 120 mm Hg during treatment was associated with increased risk of cardiovascular outcomes except for myocardial infarction and stroke. Similar patterns were observed for DBP less than 70 mm Hg, plus increased risk for myocardial infarction and hospital admission for heart failure. Very low blood pressure achieved on treatment was associated with increased risks of several cardiovascular disease events. These data suggest that the lowest blood pressure possible is not necessarily the optimal target for high-risk patients, although it is not possible to rule out some effect of reverse causality."]

Ein durchschnittlich erreichter systolischer Blutdruck (SBP) u n t e r 120 mm Hg war während der Behandlung mit erhöhten kardiovaskulären Ereignissen assoziiert, außer Myokardinfarkt und Schlaganfall. Ähnliche Muster wurden bei diastolischem Blutdruck (DBP) u n t e r 70 mm Hg plus e r h ö h t e m Risiko für Herzinfarkt und Klinik-Aufnahme bei Herzinsuffizienz beobachtet. Unter Therapie erreichter, sehr niedriger Blutdruck war mit einem erhöhten Risiko kardiovaskulärer Krankheitsereignisse assoziiert.
Diese Daten unterstellen, dass der niedrigste mögliche Blutdruck nicht notwendigerweise das optimale Ziel für Hoch-Risiko-Patienten ist, auch wenn es nicht möglich ist, etwaige Effekte einer umgekehrten Kausalität aufzuklären. (Copyright der Übers. d. d. Verf.).

Vgl. auch https://idw-online.de/de/news673304
„Neue Studie: Zu niedriger Blutdruck ist schädlich, Untergrenzen könnten sinnvoll sein
Prof. Dr. Eckart Fleck Pressesprecher
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V.
Ein möglichst niedriger Blutdruckwert ist bei Patienten mit hohem Herz-Kreislauf-Risiko nicht unbedingt das optimale Behandlungsziel. Sinkt der Blutdruck unter einen bestimmten Wert, steigt das Herz-Kreislauf-Risiko wieder an, zeigt eine neue Studie. Auch in der Bluthochdrucktherapie sei deshalb ein individualisierter Ansatz wünschenswert, sagten Herz-Spezialisten auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Mannheim.“

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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[24.05.2017, 15:06:47]
Michael Traub 
Die Digitalisierung in der Medizin besitzt weiter unerschöpfliches Potenzial 
Die Bundesärztekammer begleitet seit bald 40 Jahren kompetent die Digitalisierung der Medizin. Seit der ersten universitären medizinischen Informatik, die ebenfalls in dieser Zeit in München begründet worden ist, hat sich in Deutschland viel auf diesem Gebiet getan. Wir sind gut gerüstet für die Zukunft, und wir sollten diesen Vorsprung weiter ausbauen. Sicher, die Datenvernetzung birgt Risiken, wie groß aber sind die Chancen gerade in puncto Medizin! zum Beitrag »
[24.05.2017, 14:41:27]
Horst Grünwoldt 
Digitalisierung 
Wenn analoge Begrifflichkeiten in digitale Speichermedien umgewandelt werden, dann ist das zunächst nur eine elektronische Tansformations-Technik, die inhaltlich noch nichts verändert!
Der "Blogger" S. Lobo, der sich in politischen TV-talk-shows gelegentlich in seiner Argumentation militant zeigt, spricht nun diffus von der "exponentiellen Wirkung" der digitalen Datenverarbeitung.
Dabei sind doch bloße "Daten" (Einzelwerte) noch zu nichst nutze, solange sie nicht in "Dateien" (Sinnzusammenhang) vernünftig interpretiert werden.
Da frage ich mich manchmal, ob in den Naturwissenschaften manche eifrigen Datensammler, zu dem qualitativ höheren Schritt des Datendeutens überhaupt in der Lage sind? Insbesondere wenn sie ihre vielen Daten schon hypothetisch voreingenommen zur Betonierung einer fragwürdigen Theorie verwenden wollen.
(Dabei fällt mir als Tierarzt u.a. die Manifestierung des Phantoms "BSE" zur "Seuche" ein; und die Erklärung eines körpereigenen Eiweißes zum "Kranheitserreger Prion")
Jedenfalls dürften unsere Ärzte im Zweifelsfall immer noch analoge (reale) Krankheitsbilder nicht nur digital (virtuell) beurteilen, und daraus ihre untersuchungs- und behandlungswürdigen Schlüsse ziehen.
So wird die klassische, unmittelbare operative "Fingertechnik" letztlich immer zur Ultima ratio führen - und zum bestmöglichen Heilungserfolg!
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock zum Beitrag »
[24.05.2017, 12:36:49]
Robert Künzel 
Doch, lieber IT-Lobbyist, die Technik lässt sich aufhalten.. 
...schlicht und ergreifend: Durch Unterlassen !

In bestimmt 2/3 aller Länder auf der Erde betreiben engagierte Ärzte und Schwestern gute Medizin ganz ohne Digitalisierung und Vernetzung. Denn in diesen Ländern gibt es so etwas gar nicht und das wird sich in absehbarer Zeit auch nicht ändern.

Während also bei uns ein Hackangriff den nächsten jagt und die Bitcoins gar nicht so schnell transferiert werden können wie die Cyberkriminellen sie ausgeben können in den "analogen" Ländern dieser Welt ungestört weiter die Patienten behandelt werden.

Die "exponentielle Wachstumskurve der Technologie" kann nur entstehen, solange auch in Zukunft fehlgeleitete Individuen bei Sturm, Regen und Minusgraden Tage vor Veröffentlichung eines neu angekündigten Smartphones vor den Geschäften auf Isomatten campieren. Aber auch diese bedauernswerten Gestalten werden irgendwann ins Grübeln kommen, wenn Ihre Lungenentzündung in Zukunft niemand mehr behandeln kann. Die Praxen sind nämlich gerade mal wieder offline auf Grund des x-ten Erpressungstrojaners 4.0. Und offline kann und darf ja niemand mehr zur Behandlung schreiten. zum Beitrag »
[24.05.2017, 12:02:32]
Thomas Georg Schätzler 
Hervorragende Übersicht zur Anisakiasis bei Prof. Dr. med. P Altmeyer/Bochum 
http://www.enzyklopaedie-dermatologie.de/artikel?id=15219

Anisakiasis ICD10-GM (2016) B81.0

"Definition
Parasitose verursacht durch den Verzehr von Larven der Fisch-Fadenwürmer der Gattung Anisakis und verwandter Spulwurmgattungen (Pseudoterranova descipiens u.a.), mit massiven Oberbauchschmerzen, Nausea und Erbrechen. Seltener sind extraintestinale Lokalisationen wie akute (und chronische) Urtikaria sowie Angioödeme.

Erreger
Anisakis simplex ist ein zu den Nematoden gehörender weltweit vorkommender Fischparasit (Heringswurm), der vor allem Meeressäuger befällt. Der Mensch ist ein Fehlwirt. Die akzidentelle Aufnahme durch rohen oder wenig gegarten Fisch. Es sind drei Arten von Fadenwürmern in Fischen bekannt. Die Art Anisakis simplex gab der Krankheit ihren Namen. Der Fadenwurm kann in rohem Fisch, beispielsweise Sushi oder Hering vorkommen. Die Prävalenz bei Heringen liegt bei rund 70%.

Vorkommen/Epidemiologie
Die Krankheit ist heute relativ selten. Es werden nur wenige hundert Fälle im Jahr bekannt. Hier sind hauptsächlich Länder betroffen, in denen bevorzugt roher Fisch verzehrt wird. Dies ist vor allem Japan.

Klinisches Bild
Im Vordergrund steht die gastrointestinale Symptomatik. Etwa 6-12 Stunden nach der Aufnahme der Larven durch den Verzehr von rohem Fisch tritt i.A. eine Gastroenteritis mit heftigen Bauchschmerzen auf. Auftreten eosinophiler Granulome im Gastrointestinaltrakt. Seltener sind extraintestinale Manifestationen wie akute (und chronische) Urtikaria sowie Angioödeme. Seltener kommt es zum Dünndarmverschluss, Ileitis und Appendicitis."

Nematoden (Fadenwürmer) aus der Gruppe der Helminthes (Würmer) sind in der Medizin als Endoparasiten des Menschen von Interesse.
Wichtigste Vertreter sind:

- Ascarides (Spulwürmer) als Ascaris lumbricoides, dem Gemeinen Regenwurm (Lumbricus terrestris) ähnlich (Europa selten)

- Oxyuren (Madenwürmer) Enterobius vermicularis (weltweit)

- Ancylostoma duodenale als Hakenwurm (Tropen, Subtropen)

- Trichuris trichiura als Peitschenwurm (feuchtwarm, Hygienemängel)

- Strongyloides stercoralis als Zwergfadenwurm (feuchtwarmes Klima)

- Fisch-Fadenwürmer der Gattung Anisakis (sehr selten) usw. usf.


Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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[24.05.2017, 11:33:49]
Christine Hartmann 
Ergänzung zum obigen Kommentar 
Das System gibt das, was gebraucht würde, wie bei vielen Chronikern mit psychischer, somatischer und gemischter Multimorbidität nicht her.
Dies verhindert auch deren bestmögliche Anpassung an das und Teilhabe am System.

So wird das Elend eher möglichst unauffällig verwaltet als verbessert; es entsteht ein Drehtüreffekt (gelernte Hilflosigkeit bei den Patienten einerseits, Burnout bei fähigen Kollegen andererseits).
Die wenigen Patienten, die selbst in der Lage sind, sich ohne Hilfe zu integrieren, brauchen es ja nicht so dringend. zum Beitrag »
[24.05.2017, 11:20:13]
Günther Binnewies 
Facharztstandard 
Muss ein niedergelassener Arzt Facharztstandard aufweisen, zumal es in Deutschland so gut wie keinen „Facharzt für Infektiologie“ geben kann, da das Fach erst wieder mit der 9. ÄAppO im Okt. 2003 in die Ausbildung eingeführt wurde und das Curriculum der DGI zuvor noch den Nachweis des „Facharztes der Innere Medizin“ fordert?  zum Beitrag »
[24.05.2017, 08:20:05]
Thomas Georg Schätzler 
Fazit beim G20-Gesundheitsgipfel - das ich nicht lache! 
So lange die i.d.R. selbsternannten Damen und Herren
"Gesundheitsexperten" und ihre Zuflüsterer zugegen sind, die häufig in ihrem ganzen Berufsleben noch nie einen einzigen Patienten befragt, untersucht oder behandelt haben, verdienen derartige Mammut-Veranstaltungen wie ein G20-Gesundheitsgipfel nur das Prädikat: "Außer Spesen nichts gewesen!"

Denn wenn sich mit einem gigantischen finanziellen Aufwand Staats-, Regierungs- und Ressortchefs von 19 Staaten und der EU treffen, um über "Gesundheitsthemen" zu plaudern, wirkt das eher wie die Stationsbesprechung in "Einer flog über das Kuckucksnest".

Und mehr semantische, krankheitsverleugnende Einfältigkeit geht gar nicht! W a s verbindet denn die drängenden Themen wie
• Bessere weltweite Bekämpfung von Infektionskrankheiten (z. B. Malaria, TBC, HIV)?
• Ebola-Ausbruch in Westafrika 2014, Dengue-Fieber, West-Nil-Infektion etc.?
• Katastrophenhilfe bei zigtausend Ertrinkenden im Mittelmeer und Südostasien?
• Kampf gegen Antibiotikaresistenzen mit hochgeschätzt weltweit Millionen Toten?
• Optimierter Einsatz von Antibiotika in Human- u n d Tiermedizin?
• Entwicklung dringend benötigter neuer Antibiotika/Anti-Infektiva?
• Praxis- und Krankenhaushygiene bzw. deren Implementierung in der Bevölkerung?

Leserinnen und Leser der Ärzte Zeitung (ÄZ) wissen im Gegensatz zu einer völlig abgehobenen Politiker-Kaste längst, was ich meine:
Es geht hier vornehmlich und ausschließlich um K r a n k h e i t e n, Siechtum, Tod und k e i n e s f a l l s um Gesundheit oder Wohlbefinden!
Letzteres wird sich in von der realen Welt hermetisch abgeriegelten und abgeschirmten G20-Tagungsorten einstellen, wenn es sich so behaglich über Gesundheit parlieren lässt. Weil damit die sich abstrampelnde Menschheit "Draußen vor der Tür" in der so fernen realen Welt mit ihren hässlichen K r a n k h e i t s-, S e u c h e n- und S o z i a l p r o b l e m e n ausgegrenzt bleibt.

Wer dann noch mit "Antibiotika weltweit nur auf Rezept!" vorpreschen möchte, wo multiresistente Keime und Antibiotika-Rückstände in jeder x-beliebigen Flussmündung nachzuweisen sind, gehört einfach ausgelacht!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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[24.05.2017, 07:26:34]
Christine Hartmann 
Verfügbare Behandlungen gehen an Bedürfnissen vorbei 
Diese Ergebnisse verwundern nicht.
Fragt man Borderline-Patienten, so geht die Behandlung oftmals an den Bedürfnissen vorbei; eine ausreichende Länge ist meist nicht erstattungsfähig.

Meiner beruflichen und privaten Erfahrung nach profitieren Borderliner nicht vor allem von Interventionen oder (ohnehin schwierig, weil man immer nur gegensätzliche Einzelsymptome und zahlreiche Komorbiditäten zeitweise behandeln kann und das off-label tun muss, da für die Störung an sich keine zugelassenen Medikamente verfügbar sind) der Medikation.
Sondern am meisten von vorgelebter stabiler "Normalität" und persönlicher Nähe zu passenden Behandlern in einer sehr langfristigen, zunächst mal für Jahre hochfrequenten (Arbeits-)Beziehung, die multimodal Entwicklungsdefizite und fehlende soziale Übung nachholen lässt soweit möglich und vermeidbare (Re-)Traumatisierungen erspart.
Die befürchtete Abhängigkeit lässt sich zusammen mit dem Patienten langsam lösen, wenn er sie erlebt hat; dies ist ein wichtiger Punkt, der in der Entwicklung fehlt und an dem viele Therapien scheitern.

Dies entspricht eher einem Einzelfallcoaching, wird als Tabuthema abgeschmettert und nicht von den Kassen bezahlt; folglich gibt es dazu auch keine Untersuchungen. zum Beitrag »
[24.05.2017, 07:25:04]
Ursula Günther 
Gratulation! 
Gratulation an die umsichtigen Kollegen in Lissabon! Und danke an die Ärztezeitung, dass man von solchen Möglichkeiten wieder einmal etwas erfährt,
U. Günther, Viernheim zum Beitrag »
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