Donnerstag, 17. April 2014

Leserkommentare [9881]

[16.04.2014, 14:04:59]
Carsten Windt 
Der PKW als Wurzel allen Übels 
Es hört sich gut an. Schärfere Abgasnormen und schon haben wir weniger Feinstaub. Die Wahrheit liegt aber woanders. Der PKW-Verkehr hat nur einen marginalen Einfluss am Feinstaub. Die Verursacher sitzen woanders. Wenn die "Queen Mary" Medienwirksam im Hamburger Hafen einläuft springen die Feinstaubwerte in Hamburg in die Höhe. Denn wer Schweröl verbrennt ( ohne Filter wohlgemerkt) tut was für die Umwelt (nix gutes). Die AIDA-Flotte erzeugt mehr Feinstaub als alle PKW in Deutschland. Als Präsident Bush in Mainz einflog (und den Strassen verkehr zum erliegen brachte), stieg die Feinstaubbelastung dort an.

Und was nützt die Umweltplakette wenn es sich um ein Elektroauto handelt? Nichts! Der Strom kommt zwar schadstoffarm aus der Steckdose, wird aber zu einem großen Teil aus Kohle erzeugt. zum Beitrag »
[16.04.2014, 12:49:52]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Arztstatistiken für Anfänger! 
Wer wie Florian Lanz als Sprecher des Spitzenverbandes Bund (SpiBu) der Gesetzlichen Krankenkassen derart unintelligent twittern muss: "Selbst wenn hinter jedem Versicherten ein Arzt stünde, würden KBV und BÄK die Legende vom Ärztemangel erzählen" sollte erst mal versuchen, die neuesten Arztstatistiken der BÄK zu lesen, zu verstehen oder evtl. jemanden zu fragen, der sich damit auskennt.

Zum Ende 2013 gab es lt. Bundesärztekammer (BÄK) 357.200 berufstätige Ärztinnen und Ärzte mit den unterschiedlichsten, auch völlig berufsfremden Tätigkeitsmerkmalen. Im Ruhestand bzw. o h n e Tätigkeit waren 113.000, im a m b u l a n t e n Bereich waren 145.900 tätig. Der stationäre, klinische Bereich hat sich wegen zunehmender Arbeitsteilung, Spezialisierung und Teilzeittätigkeit auf 181.000 Kolleginnen und Kollegen erhöht. In Behörden oder Körperschaften (außer im Bundesgesundheitsministerium!) arbeiteten 9.600, in anderen Bereichen 20.000. Als niedergelassene Vertrags-Ärzte arbeiten nur noch 123.600 Kolleginnen und Kollegen für knapp 81 Millionen Einwohner in Deutschland.

Berücksichtigt werden muss bei diesen Statistiken, dass a l l e Ärztinnen und Ärzte, die jemals eine Approbation in Deutschland erhalten haben und noch nicht verstorben sind, mitgezählt werden. Auch diejenigen, die dauerhaft im Ausland arbeiten.

Um auf Florian Lanz zurückzukommen, der unglückseligerweise zur Vertragspartnerschaft aller Vertragsärzte, der KVen und der GKV-Kassen gehört: Ihm sei nochmals ins Stammbuch geschrieben, dass somit in Deutschland auf 1 Vertragsarzt/-ärztin 655 Einwohner kommen. Und d a s ist u n s e r medizinischer Versorgungsauftrag, n i c h t der des SpiBu!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Quelle: http://www.bundesaerztekammer.de/downloads/Stat13Abbildungsteil.pdf
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[16.04.2014, 11:20:01]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Kontroverses Phyto-Forum zu Capsaicin 
Beim Phyto-Forum zu Capsaicin bleiben wieder einmal viele Fragen offen: In der "Roten Liste" 2014 ist als einziges Capsaicin-Präparat Qutenza® 179 mg kutanes Pflaster von Astellas® Pharma gelistet. Ein kutanes Pflaster 14 x 20 cm kostet mit 50 g Reinigungsgel einen AVP von 314,22 Euro. Unter "Nebenw.: Sehr häufig: Reakt. an Applik.-Stelle (einschl. Erythem, Hautausschlag, Pruritus, Brennen)..."

Als Wirkmechanismus beschreibt Dr. Rainer C. Görne: "...Depolarisation von sensorischen Nerven (meist C-und Ad-Fasern) durch den Zustrom von Natrium und Calcium-Ionen. Kutane Überempfindlichkeit wird gedämpft. Diese Aktivierung wird als lokale Wärme, Brennen, Stechen oder Jucken empfunden. Pharmakologisch wirken am TRPV1-Rezeptor Capsaicin und verschiedene andere Substanzen (z.B. Anandamid, N-Acyldopamin, bestimmte langkettige ungesättigte Fettsäuren, Lipoxygenase-Verbindungen und mehrere Oxide der Linolsäure) als hoch selektive Agonisten."

Wie bei einem "hoch selektiven Agonisten" die ursprünglichen Krankheitszeichen von neuropathischen und nozizeptiven Schmerzen gedämpft werden können, wenn das applizierte Medikament genau die Nebenwirkungen sehr häufig zeigt, die im Wesentlichen durch die Krankheit selbst charakterisiert sind, wird mir das ein ewiges pharmakologisch-galenisches Rätsel bleiben.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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[16.04.2014, 09:12:39]
Dr. Eberhard Wochele 
Die Spinne im Netz bleibt die Krankenkasse 
auch die Selektivverträge sind da keine Rettung.
So lange die KV eine Körperschaft des öffentlichen Rechts bleibt
so lange ist sie auch der o.g. Spielball der Politik.
Den Systemausstieg plant sie deshalb nicht, alleine um die Macht nicht
zu verlieren. Die KV verwaltet Geld und braucht dazu immer mehr Geld.
Die Verwaltungen blähen sich überall auf. Auch das Zauberwort Qualität
ist nur ein Verwaltungsmoloch.
Wenn mehrere Verbände in Verhandlungen mit den Kassen beteiligt sind
wird nach dem Motto divide et impera wenig sinnvolles herauskommen.
Managed Care wird uns plötzlich und unerwartet übergestülpt, für viele
jungen Ärzte wohl unbemerkt. Managed Care wird aber in der Hand der
Großkonzerne sein und der Kassen wie AOK und Barmer oder der der im
Wettbewerb übrig bleibt. zum Beitrag »
[16.04.2014, 07:30:56]
Dr. Stefan Junger 
Eminenzbasierte Leitlinien? 
Welche schöne Formulierungen: "...einem demokratischen Konsensverfahren...die klinischen Erfahrungen der Ärzte und die Erwartungen der betroffenen Patienten..."
Ist das nun wissenschaftlich fundierte und abgesicherte Tumorschmerztherapie oder Therapie al gusto des Arztes ("ich habe damit immer gute Erfahrungen gemacht") oder des Patienten (dieses Klientel macht ja in seiner Verzweiflung alles, was ihnen ihr Arzt als hilfreich anpreist)? Leider habe ich inzwischen viele Tumorpatienten behandelt, die Dank solcher (von den Produzenten der ROO gesponserten) Leitlinien in eine Dosiseskalation mit buccalen und nasalen Fentanylpräparaten bei schlechter Schmerzkontrolle geraten sind und nie eine vernünftige Grundeinstellung erhalten haben, da diese individualisierte Therapie viele Gespräche und Zeit benötigt, um Durchbruchschmerz z. B. von Angst, Verzweiflung usw. zu unterscheiden, welche kurzfristig auch durch das ROO gedämpft werden. So werden leider auch Tumorpatienten wiederholt iatrogen zum Opioidfehlgebrauch angehalten. zum Beitrag »
[16.04.2014, 07:25:30]
Gerhard Leinz 
Qualitätssicherung als Chance 
Diese Situation könnte genutzt werden um den ramponierten Ruf (es wird zuviel operiert) des Operierens zu verbessern. Es ist fragwürdig, wenn der Operateur selbst die Indikation stellt und die Kasse zahlen muss und erst nachherbei den Kassen Fragen nach der Berechtigung der Operation auftauchen und bevorzugt in der Presse diakutiert werden. Da steht der Ruf des Operateurs ( Indikationsstellung zu Fütterung der eigene Tasche ) zu sehr im Wind. Die Lösung könnte sein: Antragspflicht (wie zum Beispiel in der ambulanten Psychotherapie) bei der Kasse, verbesserte Bezahlung der einzelnen Leistung, nachgelagerte zusätzliche Bezahlung bei "Erfolg" (Patientenzufriedenheit). Eine alleinige Orientierung auf den Preis bei den Kassen fordert eine "Fließbandmedizin" mit lockerer Indikationsstellung geradezu heraus.

Gerhard Leinz - Kiel zum Beitrag »
[15.04.2014, 23:01:42]
Dieter Döring 
Hebammen-Haftpflich 
Wenn man sich mal überlegt, dass bei jeder Geburt, auch wenn vorher allles in Ordnung war, ein akuter, für Mutter und Kind lebensbedrohlicher Notfall eintreten kann, der sofort einen Gynäkologen, Chirurgen und Anästhesisten erforderlich macht, dann muss man sich mal die Frage stellen:
Brauchen wir überhaupt Hausgeburten? Die Versicherungen geben doch nur weiter was in den letzten Jahren bei den Hausgeburten mit den Hebammen passiert ist.
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[15.04.2014, 21:16:16]
Dr. Eberhard Grütte 
Totale Verwirrung Ja-Nein ? 
Wer soll da noch den Durchblick haben ? Was hat es mit den zahlreichen Hinweisen auf Gedächtnisstörungen unter Statin-Eiunnahme auf sich ? Ein klärendes Statement wäre angebracht- aber bitte kein Reklame Poster von der Pharma Industrie  zum Beitrag »
[15.04.2014, 15:56:42]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Irreführung der Öffentlichkeit in Medizin und Medien! 
Die Behauptungen aus dem "Centre INRS–Institut Armand-Frappie Université du Québec, Laval, Québec, Canada" sind so n i c h t zutreffend:

• Circumcision Can Prevent Prostate Cancer If Performed Under The Age Of 35 »
• La circoncision réduirait les risques de cancer »
• La circoncision pourrait lutter contre le cancer de la prostate »
• Can circumcision after age 35 prevent prostate cancer? »

wird mit englischen und französischen "Kernthesen" irreführenderweise behauptet.

Das Ergebnis der vorliegenden Studie "Circumcision and prostate cancer: a population-based case-control study in Montreal, Canada" von Andrea R. Spence1, Marie-Claude Rousseau1, Pierre I. Karakiewicz und Marie-Élise Parent unter
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/bju.12741/pdf

nachzulesen, ergibt k e i n e n statistisch signifikanten Unterschied zwischen beschnittenen und unbeschnittenen Männern, was die Entwicklung eines Prostatakarzinoms angeht ["Results: Circumcised men had a slightly lower risk, albeit not statistically significant, of developing PCa than uncircumcised men (OR 0.89, 95% CI 0.76-1.04)"]. Das sind die Fakten.


Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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[15.04.2014, 15:32:51]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Vorsätzliche Irreführung der Öffentlichkeit? 
Um eines vorwegzunehmen: Das Ziel dieser Untersuchung war, mögliche A s s o z i a t i o n e n zwischen Beschneidung und Prostatakarzinom-Inzidenz nahe zu legen, aber keine K a u s a l i t ä t e n zu beweisen [„Objectives: To investigate the possible association between circumcision and prostate cancer (PCa) risk, to examine whether age at circumcision influences the PCa risk, and to determine whether race modifies the circumcision-PCa relationship”]. Zusätzlich sollte das Lebensalter zum Zeitpunkt der Zirkumzision und die Abhängigkeit von der Rassenzugehörigkeit geprüft werden.

Wesentliches Manko und Hauptkritikpunkt an dieser Studie sind, dass k e i n e Untersuchungen, sondern nur Befragungen von 1.590 Männern mit histologisch bestätigten Prostatakarzinomen (PCa) im Interview-Vergleich von 1.618 altersentsprechenden Vergleichspersonen aus Wahllisten zwischen 2005 und 2009 durchgeführt wurden [„The study included 1,590 pathologically confirmed PCa cases diagnosed in a Montreal French hospital between 2005 and 2009, and 1,618 population controls ascertained from the French electoral list, frequency-matched to cases by age. In-person interviews elicited information on sociodemographic, lifestyle and environmental factors“].

Das Ergebnis ist eigentlich sonnenklar: Es gibt k e i n e n statistisch signifikanten Unterschied zwischen beschnittenen und unbeschnittenen Männern, was die Entwicklung eines PCa angeht [„Circumcised men had a slightly lower risk, albeit not statistically significant, of developing PCa than uncircumcised men(OR 0.89, 95% CI 0.76-1.04)“]. Das sind die Fakten.

Die Autorinnen und Autoren des „Centre INRS–Institut Armand-Frappier“ haben dann bei generell n i c h t-signifikanten Ergebnissen so lange Untergruppen gebildet, bis schließlich bei Farbigen mit afrikanischen Wurzeln, die im Gegensatz zu jüdischen Bevölkerungsgruppen die höchste Inzidenz von PCa offensichtlich aus genetischen Gründen haben, ein signifikanter Unterschied herauskam. Beschneidungen jenseit des 35. Lebensjahres hätten scheinbar niedrigere PCa-Riskien. Die Assoziationen schienen u n a b h ä n g I g von sexuell übertragbaren Infektionen (STI) zu sein, obwohl die Möglichkeit von Zusammenhängen blieben [„Conclusion … The protective effect observed here was largely confined to Black men. Men circumcised after the age of 35 years also appeared to be at lesser risk of PCa. The associations seemed to be independent of STI infections, although residual confounding by STIs remains a possibility”].

Äußerst vage, insignifikante und weitgehend invalide gehaltene Schlussfolgerungen aus dieser Studie wurden nichtsdestotrotz mit lautem Getöse und erkenntnisreduzierter Überheblichkeit in die wissenschaftliche und mediale Welt hinausposaunt:
„Le Centre INRS–Institut Armand-Frappie Université du Québec, Laval, Québec, Canada

• 8 avril 2014
Circumcision Can Prevent Prostate Cancer If Performed Under The Age Of 35 »
• 8 avril 2014
La circoncision réduirait les risques de cancer »
• 8 avril 2014
La circoncision pourrait lutter contre le cancer de la prostate »
• 7 avril 2014
Can circumcision after age 35 prevent prostate cancer? »

behauptet mit diesen englischen und französischen „Kernthesen“ irreführenderweise Ergebnisse in der Öffentlichkeit, die ihre vorliegende Stude nun wahrlich n i c h t hergibt.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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