Leserkommentare [17139]

[27.03.2017, 11:21:08]
Thomas Georg Schätzler 
"Abkürzeritis" bei der KVB (Kassenärztliche Vereinigung Bayern)  

Dass die KVB neben eigenen Landessprachen (fränkische, bayrische, inaurikulierte schwäbische und hessische Dialekte) auch eine progressive Abkürzeritis pflegt, sollte die Ärzte Zeitung nicht dazu verführen, dies als journalistischen Faux pas zu übernehmen.

MGV bedeutet "morbiditätsbedingte Gesamtvergütung" und wird von der KVB nach einer kryptischen Einleitung, die man wegen einer völlig sachfremden "Geheimhaltungsstufe" nicht kopieren darf (!) auf Seite 7 im 2. Absatz v.o. erläutert:
www.kvb.de/fileadmin/kvb/dokumente/Praxis/Infomaterial/AbrechnungHonorar/KVB-Broschuere-Erlaeuterungen-zum-HVM-2013.pdf

Entscheidender Punkt ist, dass eine MGV in allen Kliniken unbekannt ist. Krankenhäuser, deren Vergütungen seit Jahrzehnten exorbitant steigen, sehen Morbiditäts-bedingte Vergütungseinschränkungen nicht vor. Egal, wer und wie viele, wie oft und warum stationär aufgenommen werden, immer werden DRG ("diagnosis related groups")-Vergütungen bzw. vereinbarte Sonderentgelte fällig.

Vom initial von der KVB unter dem Tisch gehaltenen Neugebauer-Gutachten will ich gar nicht erst anfangen.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z.Zt. Mauterndorf/A)
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[27.03.2017, 07:12:17]
Marc Boronka 
Bericht suggeriert falsche Denkweise 
Guten Tag,

leider suggeriert der Bericht, dass Klinikärzte sich nicht adäquat in der Kodierung verhalten würden. Der im Bericht angeführte Vergleich der Anzahl der kodierten Nebendiagnosen ist dafür aber ín keinster Weise geeignet, da im Krankenhaus über allem stehende Kodierrichtlinien gelten. Diese besagen beispielsweise, dass eine Nebendiagnose zu kodieren ist, wenn eine diagnostische oder therapeutische Maßnahme dazu erfolgt ist. Für das angegebene Beispiel der Herzinsuffizienz würde das bedeuten, dass das alleinige Anfertigen eines EKGs zur Kodierung zwingt.
Die steigende Anzahl der kodierten Diagnosen im Krankenhaus indes sind auch Ausdruck einer sich verbessernden Qualität im Sinne der vollständigen Abbildung des stationären Falles, wie es die o.g. Kodierrichtlinien vorschreiben.
Daher sind die gezogenen Rückschlüsse im Bericht für mich nicht nachvollziehbar.

Dr. Marc Boronka
Krankenhaus-Medizincontroller zum Beitrag »
[24.03.2017, 12:18:02]
Remco Salomé 
Krankenversicherung - MDK - Sozialgerichtsbarkeit: Ursachen und Wirkungen 
Die etwas "aufgeregt formulierten" Kommentare der oben genannten Kollegen und natürlich der Beitrag selbst, sind sachlich nachvollziehbar. Es lohnt sich aber, die Sache etwas kühler auf den Punkt zu bringen. Ein Versuch dazu:
- Krankenkassen haben entdeckt, dass der Vorwurf "Abrechnungsbetrug" unabhängig vom Wahrheitsgehalt in der Öffentlichkeit sehr gut "funktioniert".
- Aus rein subjektiven Meinungen über die "medizinische Notwendigkeit" eines jeden Behandlungstages / Behandlungsschrittes werden "Fehler", ja sogar "Straftaten" konstruiert. Es findet eine Art "Prüfungscharade" statt. Diese dient dazu, eine nachweislich recht willkürliche Beurteilung seriös / objektiv wirken zu lassen.
- Der MDK wird durch starke Einflussnahme der Kassen (Verwaltungsrat!) in diesem Prozess gefügig gemacht. Die einzelnen Gutachter werden nach meinem Wissensstand nicht durch finanzielle Anreize beeinflusst. Wohl aber durch Kritik einer internen "Qualitätssicherung" und durch Widersprüche der Kostenträger gegen Gutachten.
- Die Sozialgerichtsbarkeit, insbesondere der erste Senat des BSG, unterstützt als "Hüter der Solidarkasse" die Bestrebungen der Kassen in extremer und teilweise rechtswidriger Form.
Das Ergebnis ist ein Teufelskreis, der die Kassen belohnt. Es wird immer mehr Geld aus dem Krankenhausbudget zweckentfremdet und als eine Art Zubrot den Kassen zugesteckt. Diese haben (dadurch?) 2016 einen Gewinn in Höhe von 1,4 Milliarden Euro gemacht. Davon können die Krankenhäuser nur träumen.
Wir brauchen ein völlig anderes Prüfsystem, das nicht die Kassen für unsittliches Prüfverhalten belohnt! Sinnvolle Vorschläge dafür gibt es schon seit Jahren. zum Beitrag »
[24.03.2017, 10:35:03]
Ilka Martina Enger 
Gut verhandelt??? 
Manche der Aussagen des Vorsitzenden der kassenärztlichen Vereinigung muss man wohl hinterfragen!

Zum Einen ist die Honorartrennung in der KV Bayern eben nicht 50/50, sondern 52,5 zu 47,5% zu Gunsten der Hausärzte. Dieses Verhältnis wurde vor etlichen Jahren so aufgestellt nach Bundeszahlen und wurde seitdem auch nicht wieder angepasst.

In der Tat ist es so, dass die Auszahlung im hausärztlichen Bereich in Bayern seit Beginn der letzten Legislatur zu 100% erfolgt und noch "ein Schnaps pro Fall draufgelegt wurde, weil der Topf der Hausärzte so gut gefüllt war und zur Zeit noch ist, dass man noch eine Strukturpauschale ausbezahlte.
Bei den Fachärzten muss man vermutlich die Lage durchaus differenzierter betrachten. Hier wurde zu Beginn der letzten Legislatur der Jahresfallwert eingeführt, der so berechnet wurde, dass das Geld für die Bezahlung des Jahresfallwertes reicht, so lange der Fallzahlanstieg in den Grenzen von 3% bleibt. Ob dieser Jahresfallwert jedoch die Leistungen zu hundert Prozent abdeckt, kann man sicher diskutieren. Auf jeden Fall ist es nach wie vor auch in Bayern so, dass ein Teil der Leistungen eben nicht bezahlt wird, die erbracht werden. Das ist in Bayern nicht anders als im Rest des Bundesgebietes was die Fachärzte angeht.
Was jedoch dazu kommt, ist die Tatsache, dass es sehr starke Verwerfungen innerhalb der Fachgruppen gibt. Wer viele Leistungen innerhalb der budgetierten mGV erbringt, hat das kürzere Hölzchen und muss um die wirtschaftliche Tragfähigkeit seiner Praxis bangen. Wem viele extrabudgetäre Leistungen und förderungswürdige Leistungen beschwert werden, der tut sich leichter mit einer gewinnbringenden fachärztlichen Tätigkeit.

Das ist es übrigens auch, was man im Neubauergutachten herauslesen kann, wenn man sich die Mühe macht, die Zahlen mal zu studieren.
Ich finde es gelinde gesagt unverantwortlich von Herrn Krombholz diese Tatsachen, die ihm wohlbekannt sind, so zu schönen.

Wenn er von Ärztemangel auf dem Land spricht, sollte er diese Tatsachen nicht verschweigen:
Mit patienten-intensiver Zuwendungsmedizin, wie sie heute notwendig wäre, gehen viele Kollegen das Risiko ein, ihre Praxis bei vollen Wartezimmern finanziell an die Wand zu fahren.
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[24.03.2017, 09:35:32]
Rudolf Hege 
Verschreibungspflicht... 
PPIs gehören (wieder) unter Verschreibungspflicht gestellt. Die Geschichte zeigt doch, dass gerade Medikamente, die schnell wirken immer missbraucht werden. Ob das Laudanum war, später Barbiturate oder Benzos - was "gut wirkt" wird schnell zur Sucht. Die Beschwerden einfach wegschlucken, ohne sich um die Ursachen Gedanken zu machen - oder gar diese anzugehen - ist nun mal bequem. Leider ist zu beobachten, dass auch Ärzte PPIs wie "Hustenguzel" verordnen - "Magenschutz" kann ja nichts Schlechtes sein... zum Beitrag »
[24.03.2017, 07:12:49]
Erich Blöchinger 
Laien können nur subjektiv urteilen 
Dem oben gesagten kann man nur zustimmen. Aber der Markt (Patienten, Medien) giert nach jeder Form von Beurteilungen. Ich finde das Bewertungsystem in der Zeitschrift FOCUS gut. zum Beitrag »
[23.03.2017, 18:06:30]
Michael Paritosh Jordan 
Kiffen bis der Arzt kommt, warum nicht ??? 
Lieber M.A. Überall,

bitte bleiben Sie beim Thema und spielen Sie nicht eine Außenseitermethode gegen die andere aus !!! Ich habe in einem Selbstversuch beide Methoden schätzen gelernt. Patienten können jetzt endlich ohne Kosten( 800 Euro pro Monat Selbstkosten, wenn man nicht an einer todbringenden Krankheit litt) behandelt werden u. Kiffen bis der Arzt kommt . zum Beitrag »
[23.03.2017, 13:05:00]
Thomas Georg Schätzler 
Genetik-, Epigenetik- und Lebensstil-Faktoren bei den bolivianischen Tsimané  
Können Lebensweisen von Jägern und Sammlern, Fischern und Gartenbauern den Menschen in (post-)industriellen Gesellschaften wirklich weiterhelfen?
 
In diesem Artikel des exzellent informierten und früher kardiologisch tätigen Kollegen (Charité/B) bzw. Autors nicht nur der Ärzte Zeitung, Philipp Grätzel von Grätz MD, mehrfach erwähnt, können bei den bolivianischen Tsimané die Altersangaben nur geschätzt werden. Damit erstaunt auch nicht, dass in der umfangreichen Literatur über diese Ethnie der Jäger, Sammler, Fischer und Gärtner/Landwirte detaillierte Angaben zu durchschnittlicher Lebenserwartung, Mütter- und Säugling-Sterblichkeit weitgehend fehlen.

Meine Recherchen für Gesamt-Bolivien ergaben:
Lebenserwartung bei Geburt (Männer) 1990-1995 - 57,7 Jahre; 2001 - 61 Jahre.
Lebenserwartung bei Geburt (Frauen) 1990-1995 - 61,0 Jahre; 2001 - 65 Jahre.
Geburtenrate 1995 - 33 per Tausend Einwohner; 2001 - 31,35 per Tausend.
Kindersterblichkeit 1995 - 73,7 per Tausend Lebendgeburten; 2001 - 58,43 per Tausend Lebendgeburten. http://www.payer.de/bolivien1/bolivien013.htm

Selbst das im Jahr 2001 begonnene "UNM-UCSB Tsimane Health and Life History Project" fokussiert zwar auf Gesundheit, Anthropologie, Ökologie, Evolution, Lebenszyklus, Wachstum und Entwicklung, Alterung, Ökonomie, Biodemografie, biomedizinische und anthropologische Forschung bei einer umschriebenen, kleinen Population von Jägern, Sammlern, [Fischern], Gartenbauern und Landwirten ["health and anthropology project aimed at understanding the impacts of ecology and evolution on the shaping of the human life course. We focus on health, growth and development, aging, economics and biodemography of small-scale populations of hunter-gatherers and horticulturalists. We also combine biomedical and anthropological research with medical attention among Tsimane, an indigenous forager-farming group living in central lowland Bolivia in the Beni Department. Research with the Tsimane of Amazonian Bolivia began in 2001 under the joint directorship of Michael Gurven (Anthropology, University of California Santa Barbara) and Hillard Kaplan (Anthropology, University of New Mexico)"]. Es stellt aber zum o. a. Themenbereich keine harten Daten und Fakten zu Verfügung. http://www.unm.edu/~tsimane/index.html
und
http://www.news.ucsb.edu/2009/012705/ucsb-anthropologist-studies-human-life-span-evolution-physiology

Für hochtechnisierte, global operierende und migrierende Gesellschaften sind gesundheits-fördernde und krankheits-vermeidende Lebensstil-Interventionen beim KHK-Risiko ebenfalls beschrieben: "Genetic Risk, Adherence to a Healthy Lifestyle, and Coronary Disease" von Amit V. Khera et al. http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1605086
schlussfolgern, dass genetische- und Lebensstil-Faktoren unabhängig voneinander mit der Empfänglichkeit für Erkrankungen der Koronararterien assoziiert sind. Selbst bei hohem genetischen Risiko konnte ein günstiger Lebensstil das relative KHK-Risiko um fast 50 Prozent senken ["CONCLUSIONS - Across four studies involving 55,685 participants, genetic and lifestyle factors were independently associated with susceptibility to coronary artery disease. Among participants at high genetic risk, a favorable lifestyle was associated with a nearly 50% lower relative risk of coronary artery disease than was an unfavorable lifestyle"].

Die Ergebnisse dieser Großstudie sind ebenfalls überraschend: Das relative Risiko eines inzidenten Koronarereignisses war um 91 Prozent (!) höher bei Teilnehmern mit hohen genetischen Risiken als unter denen mit niedrigen genetischen Risiken ["RESULTS - The relative risk of incident coronary events was 91% higher among participants at high genetic risk (top quintile of polygenic scores) than among those at low genetic risk (bottom quintile of polygenic scores) (hazard ratio, 1.91; 95% confidence interval [CI], 1.75 to 2.09)"].

Das indigene, isolierte, stammes- und clan-mäßig organisierte, historisch natur-nahe, ländlich-vorindustrielle, permanent Lebensenergie-, Kraft- und Arbeit- fordernde Leben mit hohem Unfall-, Krankheits- und Hungerrisiko ist gegenüber einer hohen Lebenserwartung mit ärztlicher Versorgung, niedrigem Unfall- und Sterberisiko, Hygiene, Mobilität, Technisierung, Freizeit, Einkommen, medizinisch-sozialer und epidemiologischer Absicherung, Altersversorgung, kultureller, emotionaler und psychosozialer Reflexion keinesfalls alternativlos!

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z.Zt. Mauterndorf/A)  zum Beitrag »
[23.03.2017, 12:15:42]
Robert Künzel 
Das fällt den Politikern aber früh ein, solche wichtigen Fragen zu klären 
Es ist eigentlich ein Skandal: Über 1000 Patienten erhielten bereits lange vor März 2017 per Ausnahmegenehmigung mediz. Cannabis. Erst jetzt fällt offenbar auf, daß so wichtige Dinge wie die Regelung der Führerscheinproblematik immer noch ungeklärt sind.
Vor einer Rezeptierung ist jedoch grundsätzlich eine Sicherungsaufklärung durchzuführen. Es hätte daher schon VOR Ausgabe der allerersten Ausnahmegenehmigung dringender Regelungsbedarf für den gesamten Kompelx "Cannabis und Strassenverkehr" bestanden.
Gerade auch die Politiker der GRÜNEN, die sich z.T. medienwirksam mit Cannabispflanzen auf Ihrem Balkon in Szene setzten täten wohl besser daran, nun schleunigst in den entsprechenden Gremien für eine politische Lösung der vielen drängenden Probleme einzutreten, die im Zusammenhang mit der Freigabe von Cannabis als Medikament entstanden sind. Derzeit scheint es ja so zu sein, daß die Leiter der jeweiligen Führerscheinbehörde selbst innerhalb eines Bundeslandes zu völlig unterschiedlichen Vorgehensweisen tendieren. Ein solcher ordnungspolitischer Flickenteppich ist weder den Verordnern noch den Patienten noch länger zuzumuten. zum Beitrag »
[22.03.2017, 23:31:00]
Fritz Gorzny 
Immer an die Augen denken 
Nicht korrigierte Fehlsichtigkeiten und Heterophorien führen schon im Kindesalter zu akuten und vor allem chronischen Kopfschmerzen. Da Strabismus, Mikrostrabismus aber auch Heterophorien Kopfzwangshaltungen mit HWS, Fehlstellungen der Wirbelsäule und des Beckens induzieren können, liegen auch hier sehr häufig die Ursachen der Schmerzen. Leider kommen die Schmerzpatienten meistens erst am Ende einer langen Odyssee zu einer Augenuntersuchung, bei der die Ursachen der Probleme gefunden werden könnten, wenn systematisch nach binokularen Störungen gefahndet würde, was leider heute nicht mehr sicher ist, da die Bedeutung des Binokularsehens in der Ophthalmologie bedauerlicherweise nur noch eine untergeordnete Rolle spielt.Häufig springen sachkundige Optometristen in die Bresche und führen Binokulartest nach der Mess- und Korrektionsmethode nach Haase durch, durch die assoziierte Heterophorien sicher diagnostiziert und korrigiert werden können. Danach verschwinden in derRegel die Schmerzprobleme.Infos unter IVBS.org zum Beitrag »
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