Mittwoch, 1. April 2015

Leserkommentare [12474]

[31.03.2015, 21:10:44]
Dr. Wolfgang Bensch 
Etwas verhindern ... und dann passiert was? 
Na, nichts passiert, ich habe es ja verhindert ... dürfte nur sehr schwer sein, diesen Tatbestand oder Nicht-Tatbestand nach allen Regeln der Kunst zu beweisen.
Oder ähnlich: mei, was habe ich wieder gespart, wenn ich mir den Porsche-Targa nicht kaufe ... zum Beitrag »
[31.03.2015, 19:27:36]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Ganz herzlichen Dank an RA Dr. Ingo Pflugmacher! 
Insbesondere für den letzten Absatz: "Die jetzige Situation darf aber keinesfalls zu einer ‚Psycho-Hatz‘ führen. Die Ärzteschaft und die Gesellschaft müssen diese schwierigen ethischen Themen mit Distanz diskutieren."

Es gibt nun einmal Abgründe und leider auch bestialische Realitäten im menschlichen Verhalten, die einfach n i c h t vorhersehbar bzw. vorhersagbar sind. Es bleibt dann aber auch zumindest fragwürdig, warum nach einer derartigen Tragödie, die sich in der Nähe des "Vallée de Merveilles" in den französischen Alpen abgespielt hat, sich so viele Kommentatoren aufschwingen und behaupten zu wissen, wie man alles besser machen könne.

Die Aufhebung der Schweigepflicht, die Stigmatisierung seelischer Abweichungen, Erkrankungen und Variationsbreiten, Meldepflichten von allenfalls vagen Verdachtsmomenten oder Vermutungen können doch substanziell keinen einzigen erweiterten Suizid, ein blutiges Attentat oder einen Amoklauf verhindern.

Diese Vorschläge untergraben das bereits jetzt bio-psycho-sozial gefährdete Vertrauensverhältnis zwischen Patienten und Ärzten. In sicherheitsrelevanten Berufszweigen gehört das geflissentliche Verschweigen psychosomatischer Beschwerdebilder und suspekter biografischer Details bereits zum Alltag.

"§ 203 Strafgesetzbuch (StGB) - Verletzung von Privatgeheimnissen" betrifft keineswegs nur Ärztinnen und Ärzte, sondern auch "Zahnarzt, Tierarzt, Apotheker oder Angehörige(n) eines anderen Heilberufs" ..."Berufspsychologen ...Rechtsanwalt, Patentanwalt, Notar, Verteidiger in einem gesetzlich geordneten Verfahren, Wirtschaftsprüfer, vereidigte(m) Buchprüfer, Steuerberater, Steuerbevollmächtigte(n) oder Organ oder Mitglied eines Organs einer Rechtsanwalts-, Patentanwalts-, Wirtschaftsprüfungs-, Buchprüfungs- oder Steuerberatungsgesellschaft, Ehe-, Familien-, Erziehungs- oder Jugendberater sowie Berater für Suchtfragen in einer Beratungsstelle ...Mitglied oder Beauftragte(n) einer anerkannten Beratungsstelle nach den §§ 3 und 8 des Schwangerschaftskonfliktgesetzes, staatlich anerkannte(m) Sozialarbeiter oder staatlich anerkannte(m) Sozialpädagogen oder Angehörigen eines Unternehmens der privaten Kranken-, Unfall- oder Lebensversicherung oder einer privatärztlichen, steuerberaterlichen oder anwaltlichen Verrechnungsstelle".

Ich bleibe dabei: Danke an Ingo Pflugmacher für den Absatz "eine gesellschaftliche Diskussion über den Bruch der ärztlichen Schweigepflicht zum Schutz höherwertiger Rechtsgüter muss aber wegen ihrer Bedeutung - gerade bei möglichen psychischen Erkrankungen - mit der notwendigen Distanz geführt werden, die derzeit unter dem aktuellen Eindruck der Ereignisse von niemandem verlangt werden kann."

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
(Germanwings-Flug Nr. 4U9528 / 19Mar15 von Düsseldorf -> Barcelona 16:35 Airbus-Sitzplatz 20A, wenige Tage vor der Katastrophe)
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[31.03.2015, 16:24:58]
Dr. Detlef Bunk 
Logik der Schweigepflicht nicht begriffen 
Ich kann es nur noch einmal wieder holen: Rüttelte man an der ärztlichen / psychologischen Schweigepflicht, würden sich genau diejenigen Patienten, von denen möglicherweise eine Selbst- oder Fremdgefährdung ausgeht, aus Angst vor Konsequenzen den Behandlern gegenüber nicht mehr offenbaren!
Und dass es die Patienten den Angehörigen ausgewählter Berufsgruppen gegenüber tun, ist genau der Sinn der Schweigepflicht! Es gibt genügend rechtliche Regelung für diese Berufsgruppen zur Meldepflicht bestimmter Erkrankungsfolgen.
Man bedenke: Im psychischen Bereich sind Prognosen und Einschätzungen von Absichtsäußerungen ungleich schwerer als bei körperlichen Erkrankungen. Bei Aufweichung der Schweigepflicht im seelischen Bereich provoziert man nur Dissimulationstendenzen. Und die sind noch gefährlicher! Jeder psychiatrisch/psychologische Gutachter kennt das.
Es ist auffällig, dass sich genau diejenigen am lautstärksten dazu äußern - wie z. B. Herr Thomas Prinz, die von der Materie nicht die geringste Ahnung haben und sich nur narzistisch hervortun wollen!

Dr. phil. Detlef Bunk,
Psychol. Psychotherapeut.
Essen
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[31.03.2015, 15:17:12]
Dr. Friedrich H. Methfessel 
Lôsungsvorschlag 
Bei gewisse Berufsgruppen (i.e. Piloten u.ä) wird der Arzt per Gesetz dazu angehalten die AU ohne Diagnose per Fax oder per Telefon/Email an den Arbeitgeber zu senden oder per Telefon/Email mitzuteilen.
Hierfür erfolgt auf der Versichertenkarte eine besondere Kennzeichnung.
In dem Datensatz der Versichertenkarte steht der Beruf des Patienten, sowie die Kontaktdaten des Arbeitgebers als Hotline Nummern.


Es gibt keine 100%ige Lösung, aber besser als die Schweigepflicht bezüglich Diagnosen aufzugeben.

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[31.03.2015, 15:13:18]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Lieber Herr Kollege Henning Fischer...  
Danke für Ihre gedankliche Unterstützung: Wenn Sie selbst schreiben "schließlich war es f r ü h e r überwiegend so,..."
belegt das eigentlich meine These, dass es h e u t e einfach anders ist.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund  zum Beitrag »
[31.03.2015, 15:07:15]
Dr. Jutta Scheiderbauer 
MS-Schwestern: Pharmadominanz in Ausbildung und Berufsausübung 
Die "MS-Schwester" ist insofern ein Novum in der Medizin, als es damit erstmals ein von der pharmazeutischen Industrie erschaffenes Berufsbild gibt. Als Ärztin und MS-Betroffene sehe ich das äußerst kritisch. TAG Trier, eine Initiative von MS-Betroffenen für Betroffene hat eine Stellungnahme in der Verbandszeitschrift "praxisnah" des Verbandes medizinischer Fachberufe veröffentlicht, die die Problematik näher beleuchtet: http://tims-trier.de/wp-content/uploads/2015/03/pn3-4_2015_MS.pdf zum Beitrag »
[31.03.2015, 14:10:37]
Anne C. Leber 
Leserzuschrift von Wolfgang Arnold 
Zu Ihrem Artikel über die ärztliche Schweigepflicht und deren Lockerung, kann ich von meiner Person berichten, dass ich meinen Neurologen von der ärztlichen Schweigepflicht entbinden musste, damit meine Private Krankenkasse mir weiterhin das verordnete Betaferon erstattet. Hier geht es bloß um Geld, wie viel wichtiger wäre das Entbinden bei dramatischen Ereignissen. Soweit meine Meinung zu diesem Thema.
Wolfgang Arnold
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[31.03.2015, 13:35:59]
Carsten Windt 
Woher soll der Arzt immer wissen, was der Patient macht? 
Nette Idee. Im Interesse "des Allgemeinwohls" werden kurzerhand die Rechte des Einzelnen beschnitten. Aber rein praktisch würde die geforderte Aufhebung der Schweigepflicht nichts bringen. Der Patient muss doch gar nicht seinen Arbeitgeber oder seinen Beruf offenbaren.... Ein Angestellter bei Germanwings im Bodenpersonal könnte die Gefahren überhaupt nicht erzeugen....
Soll der Arzt jetzt auch auf Verdacht (es könnte ja ein Pilot sein) die Erkrankung dem Arbeitgeber nennen? Wohl kaum.

Die Frage ist, ob nicht Germanwings sich ein Verschulden zu rechnen muss. Offensichtlich war der Pilot in der Vergangenheit eben wegen psych.Probleme Dienstuntauglich. Auch wenn es Jahre zurück liegt, wäre mindestens eine Supervision angebracht. zum Beitrag »
[31.03.2015, 13:21:53]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht verhindert keinen erweiterten Suizid 
Bevor hier noch mehr medizinisch- und juristisch-bildungsferne Politiker jedweder Couleur ausrasten, die auf der verzweifelten Suche nach Ärztinnen und Ärzten sind , welche man für diese Tragödie eines absolut undenkbaren und unvorhersehbaren Flugzeugabsturzes alleine verantwortlich machen will, sei hier noch einmal an juristisch-medizinische Fakten erinnert:

"§ 203 Strafgesetzbuch (StGB) - Verletzung von Privatgeheimnissen
(1) Wer unbefugt ein fremdes Geheimnis, namentlich ein zum persönlichen Lebensbereich gehörendes Geheimnis oder ein Betriebs- oder Geschäftsgeheimnis, offenbart, das ihm als
1. Arzt, Zahnarzt, Tierarzt, Apotheker oder Angehörigen eines anderen Heilberufs, der für die Berufsausübung oder die Führung der Berufsbezeichnung eine staatlich geregelte Ausbildung erfordert,
2. Berufspsychologen mit staatlich anerkannter wissenschaftlicher Abschlußprüfung,
3. Rechtsanwalt, Patentanwalt, Notar, Verteidiger in einem gesetzlich geordneten Verfahren, Wirtschaftsprüfer, vereidigtem Buchprüfer, Steuerberater, Steuerbevollmächtigten oder Organ oder Mitglied eines Organs einer Rechtsanwalts-, Patentanwalts-, Wirtschaftsprüfungs-, Buchprüfungs- oder Steuerberatungsgesellschaft,
4. Ehe-, Familien-, Erziehungs- oder Jugendberater sowie Berater für Suchtfragen in einer Beratungsstelle, die von einer Behörde oder Körperschaft, Anstalt oder Stiftung des öffentlichen Rechts anerkannt ist,
4a. Mitglied oder Beauftragten einer anerkannten Beratungsstelle nach den §§ 3 und 8 des Schwangerschaftskonfliktgesetzes,
5. staatlich anerkanntem Sozialarbeiter oder staatlich anerkanntem Sozialpädagogen oder
6. Angehörigen eines Unternehmens der privaten Kranken-, Unfall- oder Lebensversicherung oder einer privatärztlichen, steuerberaterlichen oder anwaltlichen Verrechnungsstelle
anvertraut worden oder sonst bekanntgeworden ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft."

Aus dem Original-Gesetzestext geht unzweideutig hervor, dass es nicht nur eine ärztliche, sondern eine umfassende diagnostisch-therapeutisch-interventionell-soziale Schweigepflicht gibt. Die ärztliche Schweigepflicht kann nur in begründeten Ausnahmefällen und bei hinreichendem Verdacht auf schwere Straftaten aufgehoben werden. Eine allgemeine Suizidgefährdung ist allein deshalb davon ausgenommen, weil ein suizidales Handeln gar nicht strafbar ist. Eine unvorhersehbare Amok-Handlung oder ein erweiterter Suizid mit akuter Selbst- und Fremdgefährdung, sei es im Dunstkreis von Schützenvereinen oder der Fliegerei, wird im Rahmen ärztlich-psychiatrischer Untersuchungen i. d. R. n i c h t angekündigt bzw. ist nicht diagnostizierbar.

§ 203 Strafgesetzbuch (StGB) - Verletzung von Privatgeheimnissen geht in Absatz 2 noch wesentlich weiter:
"(2) Ebenso wird bestraft, wer unbefugt ein fremdes Geheimnis, namentlich ein zum persönlichen Lebensbereich gehörendes Geheimnis oder ein Betriebs- oder Geschäftsgeheimnis, offenbart, das ihm als
1. Amtsträger,
2. für den öffentlichen Dienst besonders Verpflichteten,
3. Person, die Aufgaben oder Befugnisse nach dem Personalvertretungsrecht wahrnimmt,
4. Mitglied eines für ein Gesetzgebungsorgan des Bundes oder eines Landes tätigen Untersuchungsausschusses, sonstigen Ausschusses oder Rates, das nicht selbst Mitglied des Gesetzgebungsorgans ist, oder als Hilfskraft eines solchen Ausschusses oder Rates,
5. öffentlich bestelltem Sachverständigen, der auf die gewissenhafte Erfüllung seiner Obliegenheiten auf Grund eines Gesetzes förmlich verpflichtet worden ist, oder
6. Person, die auf die gewissenhafte Erfüllung ihrer Geheimhaltungspflicht bei der Durchführung wissenschaftlicher Forschungsvorhaben auf Grund eines Gesetzes förmlich verpflichtet worden ist, anvertraut worden oder sonst bekanntgeworden ist."
Wenn also der CDU-Verkehrsexperte und MdB Dirk Fischer eine Lockerung der Schweigepflicht für sensible Berufe fordert, sollte er sich erstmal juristisch kundig machen, inwieweit er s e l b s t davon betroffen wäre.

Für die A u f h e b u n g der ärztlichen Schweigepflicht in begründeten Ausnahmefällen gibt es allgemein verbindliche Regeln, die für alle anderen Berufsgruppen privat und e b e n s o professionell gelten:
"§ 34 Strafgesetzbuch (StGB) - Rechtfertigender Notstand
Wer in einer gegenwärtigen, nicht anders abwendbaren Gefahr für Leben, Leib, Freiheit, Ehre, Eigentum oder ein anderes Rechtsgut eine Tat begeht, um die Gefahr von sich oder einem anderen abzuwenden, handelt nicht rechtswidrig, wenn bei Abwägung der widerstreitenden Interessen, namentlich der betroffenen Rechtsgüter und des Grades der ihnen drohenden Gefahren, das geschützte Interesse das beeinträchtigte wesentlich überwiegt. Dies gilt jedoch nur, soweit die Tat ein angemessenes Mittel ist, die Gefahr abzuwenden."

Wenn sich die bisher vermuteten Abläufe im Cockpit des Germanwings-Airbus so zugetragen haben, hätte keine Macht der Welt, kein Mediziner, Jurist, Bundestagsabgeordneter oder gar eine Gesetzesänderung diese Tat jemals verhindern können. Wer jetzt im Nachhinein alles besser gewusst oder gemacht hätte, offenbart nur seine mangelhafte psychosoziale Kompetenz und Empathie-Fähigkeit.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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[31.03.2015, 13:15:45]
Helmtrud Harnack 
Das Kind starb nachweislich an Masern 
Danke für den Link. Es ist allerdings ein vorläufiger Obduktionsbericht. Unbekannt ist, die Infektionsquelle zu Masern bei Nichtimpfung gegen Masern. Wäre das Kind gegen Masern geimpft worden und verstorben, wäre ein Impfschaden als Auslöser für den Todesfall sicher abgelehnt worden. So hat ursächlich laut dem Bericht Masern wohl die Grundkrankheit bei einem geschwächten Kind verstärkt – Prinzip: Ursache und Wirkung, bestehende Grundkrankheit. Siehe u.a. Kommentar zu Aufklärung allein macht nicht immun vom 30.03.15. Dort ist leider ein Tippfehler zum Grundgesetz, es muss heißen Art. 3, nicht Art. 23.
Nochmals Danke.

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