Leserkommentare [17153]

[30.03.2017, 08:06:17]
Jens Wasserberg 
echte Versorgungssteuerung wäre notwendig 
In Zeiten eines echten Ärztemangels sollten man die kostbare Ressource Arzt nicht für nächtliche Befindlichkeitssprechstunden verschleudern.
Weder die Praxen, noch erst recht nicht die Krankenhäuser haben hierfür ausreichend ärztliches Personal.
Fürsorge bedeutet auch, die echten Kranken zu versorgen und nicht die Ärzte durch Missbrauch durch Gesunde unsinnig zu binden.
Eine spürbare Kostenbeteiligung zu Unzeiten würde den Spuk sofort beenden. Dass ein Fußpilzpatient nachts um 2.45 Uhr Honorar einbringt, ein Tumorpatient spätestens ab dem 2. Praxisbesuch nicht mehr, ist eine Absurdität dieses Systemes, in dem die Politik und auch die Ärzteschaft seit vielen Jahren den Mut vermissen lassen, die begrenzte Ressource Arzt zweckdienlich einzusetzen.

Während also das System vieler Orts vor dem Kollaps steht, diskutiert man die Frage, wie man zu weit über 70% unsinnige Inanspruchnahmen ausbauen kann.
Dies ist den echten Kranken nicht mehr vermittelbar.
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[30.03.2017, 08:02:45]
Gerhard Leinz 
Hirnloses Eigentor ? 
Die Krankenkassen wollen die "Akutbehandlung". Das war als "Riesenfortschritt" angekündigt. Doch die Therapeuten, die diese Leistungen erbringen werden nun bestraft, da die niedriger vergütete Akutbehandlung ( (812 Punkte) auf die Zahl der abrechenbaren psychotheraopeutischen leistungen (841 Punkte) angerechnet wird. Das heißt die Therapeuten verlieren pro Sitzungen Akutbehandlung ca. (841-812) = 29 X 0,10 = 2,9 Euro. Das ist für Therapeuten schon relevant bei dem im Vergleich zu anderen Arztgruppen unterirdischen Einkommen!
Glauben die Krankenkassen tatsächlich, das die mit viel "Tantam" angekündigte neue Leistung "Akutbehandlung" in relevanten Umfang erbracht werden wird? Oder ist geplant die Psychotherapeuten verstärkt die Verantwortung ("machen nicht das was Sie sollen") für die steigenden Zahlen der Krankenhausbehandlungen bei psychischen Störungen zu "überlassen?

Gerhard Leinz - Kiel zum Beitrag »
[29.03.2017, 19:38:33]
Thomas Georg Schätzler 
„Rin inne Kartübbeln, rut ut de Kartübbeln“? (Niederdeutsch) 
Im Englischen heißt es „It's ‚do this‘ one minute and ‚do that‘ the next“!

Von Veronika Schlimpert erschien mit ihrem Intro in der Ärzte Zeitung "Von wegen Weißkittelhypertonie: Dass Patienten im Behandlungszimmer oft höheren Blutdruck haben, ist vielen Ärzten bekannt. Jetzt sagt eine US-Studie: Bei der Praxismessung wird der Blutdruck eher unter- als überschätzt." http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/herzkreislauf/bluthochdruck/article/925993/blutdruck-messung-maskierte-hypertonie-bleibt-oft-unerkannt.html

Doch diese "Studie" war geschickt vormanipuliert! In Circulation wurde der "ORIGINAL RESEARCH ARTICLE" mit dem Titel: "Clinic Blood Pressure Underestimates Ambulatory Blood Pressure in an Untreated Employer-Based US Population - Results From the Masked Hypertension Study" von dem Psychiater und Verhaltensforscher Joseph E. Schwartz et al., "Center for Behavioral Cardiovascular Health (J.E.S., D.S., S.G., T.G.P.) im Department of Psychiatry and Behavioral Sciences, Stony Brook University, Stony Brook, NY (J.E.S.)"veröffentlicht.
http://circ.ahajournals.org/content/134/23/1794

Der Haken war, dass 888 angeblich gesunde Individuen ohne Blutdruck-Medikation einen "Screening-Blutdruck" von kleiner als 160/105 mm Hg haben mussten, um in die Studie aufgenommen zu werden. Damit wurden offenkundig Patienten mit einer Hypertonie 1. Grades inkludiert ["Methods: Between 2005 and 2012, 888 healthy, employed, middle-aged (mean±SD age, 45±10.4 years) individuals (59% female, 7.4% black, 12% Hispanic) with screening BP <160/105 mm?Hg and not taking antihypertensive medication..."]. Es wundert also nicht, dass diese Studienpopulation einen höheren Blutdruck beim Aufwachen gemessen hatte, als bei häufigen klinischen Kontrollen tagsüber. Insofern war es dann eine sich selbst erfüllende Prophezeiung ("self fulfilling prophecy"), wenn bei vielen Probanden eine letztlich durch 24-Stunden-RR-Messung bestätige maskierte Hypertonie vorlag ["Demonstrated CBP-aABP gradients, if confirmed in representative samples (eg, NHANES [National Health and Nutrition Examination Survey]), could provide guidance for primary care physicians as to when, for a given CBP, 24-hour ABP would be useful to identify or rule out masked hypertension"].

Die hier von Dr. Beate Schumacher sehr gut referierte Studie ist dagegen praxis- und realitätsnäher. Denn die Weißkittelhypertonie lässt sich in der allgemeinärztlichen Praxis durch wiederholte Messungen unter ruhigen Alltagsbedingungen hervorragend detektieren. Eine automatisierte Mehrfachmessung in der Praxis in einem Extra-Raum ist zusätzlich hilfreich. Die weiterführende ambulante 24-Stunden-Blutdruckmessung vermeidet als Goldstandard eine mögliche Übertherapie bei Weißkittelhypertonie.

In besonderer Kenntnis der persönlichen Lebens-, Liebes-, Beziehungs-, Arbeits- und Gemütszustände unserer Patientinnen und Patienten, wissen wir im hausärztlichen Versorgungsbereich im Gegensatz zu Fachärzten in Klinik und Praxis auch um die bio-psycho-sozialen Stimmungslagen und Stellgrößen, die eine Hypertonie, eine hypertensive Herzkrankheit bzw. Ko-Morbiditäten begünstigen.

Möglichst lebenslange sozialmedizinische Betreuung und Begleitung lassen Raum für Differenzialdiagnostik und -therapie, Pharmakotherapie, nicht-medikamentöse Intervention, Prävention, Lebensstil- und Verhaltens-Intervention. Dogmatische Auseinandersetzungen über eine vorhandene/nicht-vorhandene Weißkittelhypertonie helfen da nicht weiter: Unsere Patienten beziehen sich in Gesundheit und Krankheit auf multifaktoriell-biografische, sämtliche Facetten der Conditio humana umfassende, genetisch-hereditäre, epigenetische, exogene, endogene, idiopathische und leider manchmal auch iatrogene Bedingtheiten.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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[29.03.2017, 19:22:32]
Holger Barth 
Wichtige Chance aufgeschoben, aber nicht aufgehoben! 
Eine wichtige Chance zur Reform der unzureichend und ungleich geregelten Strukturzuschläge hat der Erweiterte Bewertungsausschuss aktuell sicherlich vertan. Sollten die neuen GOP'en für Sprechstunde und Akutbehandlung allerdings neben den genehmigungspflichtigen Leistungen zuschlagsberechtigt ausgestaltet worden sein(!?), könnte das nach einer etwa innerhalb eines Jahres zu erwartenden Revisionsentscheidung des Bundessozialgerichts zur gesetzeswidrigen Regelung der Strukturzuschläge bei dann gebotener gleichmäßiger Höherbewertung einer jeden zuschlagsberechtigten GOP (von der ersten Stunde an) um die anteiligen Personalkosten einer Halbtagskraft zu einer zumindest im Ansatz akzeptablen Lösung führen. Vielleicht kalkuliert die GKV diesen voraussichtlich notwendigen Schritt bereits ein. Trotzdem bleibt es natürlich richtig, dass Sprechstunde und Akutbehandlung eine gegenüber den genehmigungspflichtigen Leistungen höhere Bewertung hätten erfahren müssen. Das BMG sollte die Situation jetzt nutzen, um sich vom SG Marburg (Urteile vom 22.03.2017) aus dem "EBM-gebührenrechtlichen Tiefschlaf" wecken zu lassen und den gegenwärtigen Beschluss auch mit Blick auf die ohnehin zu reformierenden Strukturzuschläge zu beanstanden!
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[29.03.2017, 18:21:31]
Alexander Türstig 
Unwählbar: Gröhe (CDU) 
"Die CDU bekennt sich zur Delegation ärztlicher Leistungen (an Nichtärzte)"
Will Herr Gröhe wirklich persönlich verantwortlich sein, wenn er ärztliche Leistungen an Nichtärzte "delegiert" und sie direkt mit Krankenkassen abrechnen lässt? Dann müsste er zunächst einmal den "Sicherstellungsauftrag" beenden und alle, also auch die Kassenärzte leistungsgerecht vergüten lassen. Dazu müsste er die 1993 durch Seehofer eingeführte unsägliche "Budgetierung" der Kassenärzte endlich beseitigen, denn kein Nichtarzt wird (so dämlich sein) sich budgetieren zu lassen.

"Ein Jurist, der Sorge hat, dass ihm ein Rechtspfleger die Arbeit wegnimmt, ist vor allem eines: ein schlechter Jurist"
Herr Gröhe, Ihre Juristen stellen aber auch nicht unter einer budgetierten Gesamtvergütung das Recht sicher. Ihr zynischer Vergleich zeugt nur von völliger Unkenntnis der "gesetzlichen Krankenversicherung". Sie betreiben schlechtesten Wahlkampf; die CDU ist für mich im Herbst nicht mehr wählbar :-p  zum Beitrag »
[29.03.2017, 17:40:34]
Claus Kühnert 
AB gegen Rückenschmerzen 

Angesichts der hinreichend bekannten Problematik der zu häufigen und großzügigen Gabe von Antibiotika und kaum noch zu beherrschender Resistenzen, macht es sehr betroffen, dass eine "Studie" gleich eine solche "preiswürdige Euphorie" auslöst. Wo steht die Studie, wurde sie in einer großen Patientenzahl und als Doppelblindstudie und wie langfristig durchgeführt? Sollen wir künftig alle bisher gewonnen Kenntnisse über das menschliche Mikrobiom und seine Beeinträchtigung durch AB - Gaben in den Müll kippen?
Die Arbeit der Kollega Albert aus Dänemark und die "eifrige" Preisvergabe werden einen Run und neuen Hype auslösen, dessen Fachgebiets übergreifenden Dimensionen nicht absehbar und überschaubar gestalten! - Mehr Sorgfalt und Zurückhaltung möchte ich hiermit anmahnen.
Dr. med. univ. C. Kühnert zum Beitrag »
[29.03.2017, 14:15:19]
Kurt-Michael Walter 
Faule Kompromisse zu Lasten der Pflegeberufeausbildung. 

Gesundheits- und Pflegeberufe sind attraktiv. Das signalisieren die hohen Zuläufe in die einschlägigen Ausbildungsberufe.

Hauptgründe warum der Verbleib in der Ausbildung und nach Übergang in den Beruf für die Branche nicht ausreichend ist sind die Arbeitsbedingungen, die mäßige Entlohnung und die unregelmäßigen Arbeitszeiten.

Eine gerechtere Bezahlung, mehr Anerkennung und eine verbesserte Work-Life-Balance wären für die Pflegekräfte dringend notwendig und angebracht. Statt faule Kompromisse zur Pflegeberufs-ausbildung zu beschließen sollten die verantwortlichen Politiker und Verbandsvertreter (Lobbyisten) sich mit den schlechten Arbeits- und Entlohnungsbedingungen in den Pflegeberufen zuallererst beschäftigen.

Zum Thema Pflegeberufsgesetz/-ausbildung: Die modulare Pflegeausbildung ist umgehend in das bestehende duale Bildungssystem zu integrieren. Der veraltete Sonderstatus der Gesundheits- und Pflegeberufe wäre von der Politik umgehend ab zu schaffen. Das Gesundheitsbildungssystem wäre dann nicht mehr wie bisher Ländersache sondern Bundessache. Hohe Einsparungen in Millionen- bzw. längerfristig betrachtet sogar in Milliardenhöhe wären pro Jahr möglich.

Zum Thema Akademisierung: Solange unklar ist welche Aufgaben studierte Pflegekräfte übernehmen sollen ist hier erst einmal Klarheit zu schaffen. Für leitende Aufgaben kann ein Studium sinnvoll sein, ebenso für Aufgaben in der praktischen Ausbildung. Diese Bedarfe können aber heute ebenso durch eine entsprechende Fortbildung gedeckt werden. Für die allermeisten Aufgaben in unmittelbaren Kontakt mit Patienten und Patientinnen ist ein Studium nicht erforderlich.

Weder gibt es genügend höherwertige Aufgaben noch zahlt sich heute ein Studium finanziell aus, denn allen verantwortlichen Politikern und Lobbyisten ist bekannt, dass studierende Pflegekräfte oftmals die gleichen Tätigkeiten wie nicht studierte Kolleginnen und Kollegen ausführen.

Nur wenn die Aufgabenverteilung zwischen akademischen und nicht akademischen Berufen der Gesundheitsversorgung neu geordnet werden würde bekäme das System einen neuen Schub, denn dann und nur dann käme es zu einer Abgrenzung von Berufsrollen und es ließe sich eine akademische Ausbildung ohne Weiteres begründen.

Ander Länder machen es vor, dass dies ohne Qualitäts- und Versorgungs-einbußen möglich ist. Hierzulande ist man so weit, wie die aktuelle Diskusion um die Ausbildung in den Pflegeberufen zeigt, noch lange nicht.

Zur DKG: Der Vertreter der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) sollte das Bekenntnis zur generalistischen Pflegeausbildung umgehend kassieren und erst mal Sinnvoll überdenken bevor er Stellung nimmt.
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[29.03.2017, 12:57:48]
Horst Grünwoldt 
Bakterien-Jagerei 
Auch begeißelte Bakterien haben diesen Antrieb gewiß nicht, um andere (Bakterien-)Stämme zu jagen. Was die Bakteriologen um Steve Presse´von der Arizona State University in Tempe beobachtet haben, dürfte der schlichte Verdrängungs-Wettbewerb von verschiedenen Mikrobenspezies um ein Nährsubstrat sein.
Wie wir ja seit langen schon wissen, wird so gut wie jedes Biotop mit verwertbaren Nährstoffgehalt selten von einer bakteriellen Mischkultur, sondern meistens von einer dominierenden, bestangepaßten Reinkultur als "Platzhalter" kommensalisch beherrscht. Beispiele dafür sind unsere menschlichen und tierischen Haut- und Schleimhautfloren, oder die tierart- und verdauungsspezifische Darmflora. Deshalb kann man vielleicht sogar von bakteriologischem Kolonialismus sprechen.
"Räuberisches" Verhalten den hirn- und seelenlosen Mikroben anzudichten, gehört wohl in das Reich von American Fiction!
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock zum Beitrag »
[28.03.2017, 23:09:15]
Kurt-Michael Walter 
Kompro­miss von Karl Lauterbauch und Georg Nüßlein wurde wieder einkassiert! 

Ein heftiger Streit um die Pflegeberufeausbildung ist heute in der großen Koa­li­tion ent­brannt und nach einer hitzigen Debatte unter den Mit­glie­dern der SPD-Fraktion wieder einkassiert worden "und das ist GUT so".

Es muß den Leser der Eilmeldung schon sehr nachdenklich stimmen und den Angstschweiß auf die Stirn treiben wenn die Pflegeberufsausbildung auf einem Kompromis, ausgehandelt von den "Spezialisten" Prof. Karl Lauterbach (SPD) und Erwin Rüddel (CDU), aufbaut werden sollte.

Alle in der Koalition schienen sich schon zu freuen, dass die "Speziaisten" einen "faulen" Kompromiss gefunden hatten, der es erlaubt, das Gesetz noch in dieser Legislatur abzuschließen zu können. Ganz nach "Pipi Langstrumpf: Wir bauen uns das Pflegeberufegesetz ganz so wie es uns gefällt".

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[28.03.2017, 16:42:07]
Franz J. Linnenbaum 
Es mehren sich aber Hinweise, dass Bandscheibenschädigungen auch andere als mechanische Ursachen haben können 
Jeder Änderung im althergebrachten Wissen in der Medizin wird schon immer und nicht ohne guten Grund skeptisch entgegengetreten. Aber vielfach ist halt doch etwas dran. Auch ich habe bereits mehrfach erlebt, dass stark schmerzgeplagte Bandscheibenpatienten z.B. nach Antibitikagabe im Rahmen eine urologischen Behandlung einer Pyelonephritis umgehende dramatische Besserung auch der Rückenschmerzen aufwiesen. Jahre später habe ich dann bei erneut auftretenden Beschwerden bei diesem Patienten keine übliche Therapie mit NSAIR , Kortikoiden etc angesetzt, sondern mit ebenso dramatischer Besserung wiederum ein Antibiotikum verabreicht. Es hat aber rasch geholfen, benötigte nicht Wochen, um Besserung hervorzurufen. Bei der Vorstellung von 6 Monaten Ampicillin verliert man die Freude an so einem Vorgehen. Falls Probleme auftreten, hat man nicht viele Verteidiger auf seiner Seite. Ich achte jedenfalls seither unbedingt auf Modic changes, nehme Laborparameter für Entzündung ab, ggf. Szinti und dann konfrontiere ich die Patienten bei sonstiger Therapieresistenz über diese und vergleichbare Studien aus Kanada und Ungarn. zum Beitrag »
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