INTER Versicherungsgruppe
Ärzte Zeitung, 01.06.2016

Praxisabgabe

Die Strategie entscheidet

Die Suche nach einem Praxisnachfolger sollte keine Lebensaufgabe sein. Denn mit der richtigen Strategie wappnen Praxischefs sich auch für neue Stolperfallen aus dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz.

Die Strategie entscheidet

Das klassische Inserat in Fachmedien kann Teil der Strategie auf der Suche nach einem Praxisnachfolger sein.

© Friso Gentsch / dpa

NEU-ISENBURG. Den Arztkittel beruhigt an den Nagel hängen, die eigene Praxis zu einem guten Preis einem Nachfolger übergeben und dann den Ruhestand genießen, das ist sicher der Traum eines jeden Praxischefs.

Der Traum kann auch Realität werden - wenn sich Praxisinhaber frühzeitig und strategisch um einen Praxisnachfolger bemühen und dabei auch potenzielle rechtliche Imponderabilien, wie den drohenden Praxisaufkauf durch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) berücksichtigen, der durch das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz (VSG) erleichtert worden ist.

Bevor Ärzte die - manchmal auch Jahre dauernde - Suche nach einem Praxisnachfolger aufnehmen, sollten sie sich ein realistisches Bild ihrer Praxis machen. Zu der Marktanalyse zählen unter anderem Lage, medizintechnische Ausstattung, Zahl der Stammpatienten, wettbewerbliches Umfeld sowie soziodemografische Strukturen in der Umgebung/Region.

Als Aufschlag sollten sie dann einen Goodwill einkalkulieren, den ideellen Wert der Praxis. Auf dieser Basis lässt sich das weitere Vorgehen planen.

"Wichtig trotz Verkaufsabsichten: Weiter in Praxis investieren"

"Wichtig ist für Ärzte, trotz Verkaufsabsichten weiter in die Praxis zu investieren, um sie zum Beispiel auch medizintechnisch auf aktuellen Stand zu halten. Das erhöht die Attraktivität für einen potenziellen Praxisnachfolger", rät Michael Schillinger, Vorstandsmitglied der INTER Versicherungsgruppe.

Die Versicherungsgruppe will Ärzte, wie berichtet, künftig in puncto Praxismanagement ganzheitlich beraten. Dazu gehört auch der komplexe Prozess der Praxisabgabe.

Zunächst haben Praxischefs mehrere Optionen, die Praxisabgabe zu gestalten. Eine Chance ist die Beschäftigung von Weiterbildungsassistenten, von denen einer später die Praxis übernehmen kann. Zum anderen können Praxisinhaber auf Praxisbörsen von KV und anderen Anbietern nach einem geeigneten Praxisnachfolger suchen.

Hier haben es Landärzte mitunter schwer, sie werden aber auch von der KV oder örtlichen Initiativen unterstützt. Vor einer großen Herausforderungen können künftig vor allem Praxischefs in überversorgten Gebieten stehen.

Denn das VSG fordert von den KVen, Praxissitze aufzukaufen, wenn der Versorgungsgrad in dem betreffenden Gebiet - nach einer Anpassung der Bedarfsplanung - 140 Prozent und mehr aufweist. Gerade in Ballungsgebieten mit einer hohen Facharztdichte ist dieser Wert schnell erreicht.

Auch Nachbesetzung in überversorgten Gebieten möglich

Da der Praxisaufkauf als Soll-Regelung gestaltet ist, dürfen die Zulassungsausschüsse aber nach wie vor einem Antrag auf Nachbesetzung in überversorgten Gebieten zustimmen.

Das gilt zum Beispiel durch die ebenfalls im VSG festgelegte Ausnahme, dass eine Praxisübernahme durch einen Arzt möglich ist, der seit mindestens drei Jahren mit dem abgebenden Arzt gemeinsam in der betreffenden Praxis tätig war.

Abgebende Ärzte sollten deshalb frühzeitig in einem Gespräch mit dem Zulassungsausschuss klären, ob eine Ablehnung des Nachbesetzungsantrages droht.

Als wirksames Schutzschild gegen einen drohenden Praxisaufkauf durch die KV kann nach Auffassung von Experten auch die Führung oder Gründung von Praxiskooperationen dienen.

Demnach können sich vom Zulassungseinzug bedrohte Praxen durch Einbringung in eine Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) schützen, wenn diese mindestens drei Jahre vor Abgabe begründet wurde. (maw)


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