Ärzte Zeitung online, 19.11.2008

Die Karotis-Sonografie - Ein Fenster zu den Gefäßen

Beunruhigt kommt der 53-jährige Mann in die Praxis. Sein Vater habe kürzlich einen Herzinfarkt gehabt, er selbst rauche und wiege ein paar Kilo zuviel. Ob seine Gefäße auch schon geschädigt seien? Solchen Patienten können Ärzte zur Risikoabschätzung eine Karotis-Sonografie anbieten.

Von Angela Speth

Die Karotis-Sonografie - Ein Fenster zu den Gefäßen

Voraussetzung für die Karotis-Sonografie ist ein hochauflösendes Ultraschallgerät.

Foto: Klaro

Sinnvoll ist eine solche Untersuchung besonders für Menschen, die nach PROCAM- oder ESC Euro-Score ein erhöhtes Herzinfarktrisiko haben.

Voraussetzung für die Karotis-Sonografie ist ein hochauflösendes Ultraschallgerät plus Gefäßsonde und Schallkopf mit 3,5 bis 7,5 Mhz Frequenz. Damit wird die Karotis samt umliegenden Arterien abgefahren, das Lumen sowie der Blutfluss wird bestimmt und an den Gefäßwänden wird nach Plaques gesucht, vor allem an der Karotisbifurkation, wo die meisten Verengungen liegen.

Moderne Geräte besitzen eine Kontur-Erkennung, die automatisch die Intima-Media-Dicke (IMD) misst. Insgesamt dauert die Untersuchung 15 bis 30 Minuten, bei schwierigen anatomischen Verhältnissen und stärkerer Verkalkung dauert die Karotis-Sonografie auch länger. Eine Wiederholung alle ein bis zwei Jahre ist ratsam.

Die atherosklerotische Last kann man per IMD abschätzen

Mit der IMD kann man die atherosklerotische Last abschätzen und hat - wie mehrere prospektive Studien belegen - einen guten Prädiktor für kardiovaskuläre Komplikationen. Auch zur Beurteilung eines Therapie-Erfolgs etwa mit Antihypertensiva wird sie herangezogen.

Die Normwerte betragen bei 30-Jährigen ungefähr 0,5 mm, bei 60-Jährigen etwa 0,8 mm. "Eine Dicke über 0,9 mm ist pathologisch, vor allem wenn Plaques vorliegen", sagt Dr. Frank Sonntag, niedergelassener Kardiologe aus Henstedt-Ulzburg.

Die IMD erleichtert auch Therapie-Entscheidungen

Die IMD erleichtert auch Therapie-Entscheidungen. Sonntag: "Wer deutliche Gefäßschäden hat, dem empfehle ich - selbst wenn er beschwerdefrei ist - präventiv Aspirin, ab einem von LDL-Wert 130 mg/dl zudem ein Statin." Bei Hochrisikopatienten senkt er den LDL-Wert unter 100 mg/dl.

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