Ärzte Zeitung online, 20.11.2008

Biofeedback lindert Nackenschmerzen

Schulter-Nacken-Schmerzen und andere Beschwerden lassen sich langfristig mit Biofeedback lindern. Patienten trainieren bestimmte Muskelgruppen und können die Auswirkungen auf den Tonus am Bildschirm verfolgen.

Von Wolfgang Geissel

Biofeedback lindert Nackenschmerzen

Per Oberflächen-Elektromyografie lassen sich Muskelspannungen messen und auf einem Bildschirm sichtbar machen.

Foto: sbra

Mit der Oberflächen-Elektromyografie (EMG) lassen sich Muskelspannungen messen und die Werte auf einem Bildschirm als Kurve sichtbar machen. Die Elektroden zur Ableitung werden auf der Haut platziert. "Das Prinzip ist ähnlich wie eine EKG-Ableitung vom Herzmuskel", sagt der Orthopäde Dr. Maximilian Meichsner aus Bad Tölz dazu. Aktuelle muskuläre Dysbalancen und ein erhöhter Muskeltonus lassen sich so mit einem Oberflächen-EMG-Biofeedback lokalisieren und den Patienten sichtbar machen. Unter optischer Kontrolle können die Patienten so lernen, ihre Muskulatur gezielt einzusetzen: etwa mit Entspannungsverfahren einen erhöhten Muskeltonus zu reduzieren oder aber auch geschwächte Muskeln, etwa nach einer Op, gezielt zu aktivieren und wieder zu kräftigen.

Nackenschmerz oft durch Fehlhaltung bei PC-Arbeit

Der niedergelassene Facharzt setzt das Verfahren zum Beispiel mit Erfolg bei Schulter-Nacken-Schmerzen ein. Solche Beschwerden treten zum Beispiel sehr häufig durch Fehlhaltungen bei der Bildschirmarbeit auf. Durch gezieltes Training der Schultermuskulatur - etwa Entlastung des oberen Trapezius-Muskels durch aktiven Einsatz des unteren Trapezius - lassen sich die Beschwerden lindern.

Hat der Patient das Trainingsprinzip mit Unterstützung des EMG-Biofeedbacks am Bildschirm gelernt, dann kann er zu Hause die Übungen auch ohne Biofeedback fortführen. "Mit dem Verfahren lernen die Patienten, ihre Probleme langfristig in den Griff zu bekommen", sagt Meichsner. Bei hochakuten Beschwerden sei das Verfahren weniger geeignet. Der Orthopäde greift auf Biofeedback zurück, wenn nach Anamnese und Diagnostik konventionelle Verfahren wie physikalische oder manuelle Therapie versagt haben.

Nach einer EMG-Eingangsuntersuchung reichen meist drei Biofeedback-Sitzungen von etwa 20 Minuten aus. Bei hartnäckigen Beschwerden und in der Rehabilitation können es aber auch zehn Sitzungen werden. Die Wirksamkeit der Methode ist in Studien belegt, sagt Meichsner. So sei bei Schulter-Nacken-Schmerzen im Vergleich zur Krankengymnastik mit Biofeedback die beschwerdearme Zeit deutlich verlängert worden.

SinfoMed, www.sinfomed.de

Medica: Hall 4 / G30

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