Ärzte Zeitung online, 17.04.2009

140 / 90 mmHg: das gilt auch nach Apoplexie

Patienten mit arterieller Hypertonie profitieren auch im hohen Alter von einer Normalisierung des Blutdrucks. Auch nach Schlaganfall oder bei einer Karotis-Stenose ist das Konzept des "Bedarfshochdrucks" heute überholt.

Von Philipp Grätzel von Grätz

Blutdruck o.k.? Das ist nach den Ergebnissen einer Studie auch bei alten Menschen wichtig.

Foto: Bilderbox@fotolia.de

Auf die Bedeutung der Blutdrucksenkung im Alter weisen Internisten und Neurologen hin. Die Themen Hypertonie, Altersmedizin und Schlaganfall gehören zu den Schwerpunkten des Kongresses in diesem Jahr. "Wir wissen heute, dass jeder Patient mit einem Blutdruck über 140/90 mmHg ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko hat, völlig unabhängig vom Lebensalter", betonte DGIM-Vorsitzender und Kongresspräsident Professor Rainer Kolloch vor dem Kongress. In erster Linie bezog er sich dabei auf die im vergangenen Jahr im "New England Journal of Medicine" publizierte HYVET-Studie, an der 3845 Hypertoniker im Alter von mehr als 80 Jahren teilgenommen hatten.

Die Patienten in dieser Studie erhielten für im Mittel 1,8 Jahre entweder eine blutdrucksenkende Therapie aus Indapamid und Perindopril oder aber Placebo. Der Blutdruck lag bei 173/91 mmHg zu Beginn der Studie. Die Behandlung senkte den Druck im Mittel um 15/6 mmHg. Das wirkte: Die Gesamtsterberate war mit Verumtherapie um gut ein Fünftel niedriger als mit Placebotherapie, was dazu geführt hatte, dass die Studie vorzeitig abgebrochen wurde.

Kolloch machte darauf aufmerksam, dass sich die Vorteile der Verumtherapie in der HYVET-Studie nicht nur in einer niedrigeren Gesamtsterberate niederschlugen, sondern auch bei praktisch allen kardiovaskulären Endpunkten. "Das Risiko, einen Schlaganfall zu entwickeln, war um 30 Prozent geringer, wenn der Blutdruck gesenkt wurde. Und bei der Herzinsuffizienz war es sogar um 64 Prozent geringer."

Sowohl Kolloch als auch der 2. Vorsitzende der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft, Professor Martin Grond, betonten, dass es bei der Blutdrucknormalisierung im Alter keine neurologisch begründeten Einschränkungen gebe. Das Konzept des "Bedarfshochdrucks", wonach das Gehirn älterer Menschen und namentlich von Menschen nach Schlaganfall einen höheren Blutdruck brauche, sei obsolet. Der Grenzwert von 140/90 mmHg gelte grundsätzlich auch dann, wenn die Patienten einen Schlaganfall hinter sich hätten, so die Experten unisono. "Selbst bei einer Stenose der Arteria carotis interna haben Hypertonie-Patienten mit einem Blutdruck von unter 140/90 mmHg die bessere Prognose", so Kolloch.

Symposium

Hochdruck und Alter
Montag, 20. April, 8.15 Uhr,
Halle 4/1
Leitung: M. Wehling (Mannheim), H.-U. Wittchen (Dresden)

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