Kongress, 21.04.2009

Internisten fordern Screening auf schlafbezogene Atemstörungen

Für die Prognose von Herz-Kreislauf-Patienten haben schlafbezogene Atemstörungen große Bedeutung. Screening ist wichtig, die Therapie ist einfach.

Von Thomas Meißner

Internisten fordern Screening auf schlafbezogene Atemstörungen

Mit Beatmung wird bei Atemstörungen im Schlaf erfolgreich behandelt.

Foto: ResMed

Für ein Screening auf schlafbezogene Atemstörungen bei verschiedenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben sich mehrere Internisten beim Kongress in Wiesbaden ausgesprochen. Atemstörungen hätten erhebliche prognostische Bedeutung für diese Patienten. Zugleich seien die Patienten einfach behandelbar.

Etwa die Hälfte aller Patienten mit Herzinsuffizienz oder anderen kardiovaskulären Erkrankungen seien von Atemstörungen während des Schlafes betroffen, sagte Professor Winfried J. Randerath aus Solingen, selbst wenn die Herzerkrankungen klinisch stabil seien. "Zu einem nicht unerheblichen Anteil sind das zentrale Atemstörungen", so Randerath, aber auch obstruktive Atemstörungen kämen vor. Obstruktive Atemstörungen können einerseits zu kardiovaskulären Folgeschäden führen, zum Beispiel zu Hypertonie oder zu einem Schlaganfall. Andererseits entwickeln Patienten etwa mit einer Herzinsuffizienz oder einer absoluten Arrhythmie bei Vorhofflimmern Atemstörungen als Folgeerkrankung.

Um Betroffene zu finden, müsse man Patienten mit Herzinsuffizienz, Vorhofflimmern oder mit einer Hypertonie fragen, ob der Partner eine unregelmäßige Atmung beobachtet hat, ob geschnarcht wird oder ob man tagsüber unwillkürlich einschlafe, sagte Randerath. Allerdings übersehe man mit diesen Fragen noch viele Patienten. Zwar existieren mehrere Fragebögen zu Erfassung schlafbezogener Atemstörungen. Diese sind jedoch durchweg nicht validiert. Im Zweifelsfall solle eine ambulante Polygraphie vorgenommen werden, riet Randerath.

Dieser etwa im Vergleich zu Herzkatheteruntersuchungen relativ geringe Aufwand sei angesichts der Bedeutung der schlafbezogenen Atemstörungen für die Morbiditäts- und Sterberaten der Patienten und der einfachen Therapiemöglichkeiten gerechtfertigt, so auch der Kardiologe Dr. Jan Börgel aus Bochum. Er trat damit Argumenten entgegen, ein generelles Screening kardiovaskulär kranker Menschen sei nicht finanzierbar. Börgel vertritt außerdem die Hypothese, dass Atemstörungen eine große Bedeutung bei der Entstehung des metabolischen Syndroms haben. Dabei habe die Sympathikusaktivierung wahrscheinlich eine große Bedeutung.

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