Ärzte Zeitung, 07.03.2012

IT-Konzerne setzen auf Gesundheit

Den deutschen Gesundheitsmarkt haben die "Big Player" der IT-Branche längst als ertragreiches Geschäftsfeld erkannt. Bei der CeBIT zeigt sich, dass für Microsoft, Dell, IBM und HP Kliniken die ersten Ansprechpartner sind - aber nicht die einzigen.

Von Monika Seelmann-Dörfler

IT-Konzerne setzen auf Gesundheit

CeBIT-Besucher auf dem Stand von Microsoft: Der mobile Zugriff auf die Daten wird zunehmend wichtig.

© Philipp Schulze / dpa

HANNOVER. Mit einem teuren Versprechen hat IBM auf sein Engagement im Gesundheitsmarkt aufmerksam gemacht.

Rund 100 Millionen Dollar investierte Big Blue in sein Programm Smarter Healthcare. Das Unternehmen beteiligt sich an Forschungsprojekten und stellt zusammen mit Partnern IT-Lösungen für den Gesundheitsmarkt zusammen.

IBM hofft, dass sich das Geschäft langfristig auszahlt. Allein in Deutschland soll nach Schätzungen der IBM-Gesundheitsexperten der Rückstau für längst fällige Investitionen 30 Milliarden Euro betragen.

HDZ NRW als gutes Beispiel

Ein Beispiel, wie das in der Praxis funktioniert, zeigt das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen (HDZ NRW). Dort verbessert eine telemedizinische Lösung in Verbindung mit Gesundheitsmanagement Prävention, Therapie und Diagnostik für chronisch kranke Patienten.

Dafür sorgt das Portal medPower, das auf einer durch IBM Technologie gestalteten serviceorientierten Architektur Informationen in einer elektronischen Patientenakte zusammenführt.

Die Klinikleitung verspricht sich davon eine höhere Behandlungsqualität, niedrigere Kosten und eine bessere Zusammenarbeit im Workflow von kooperierenden Ärzten und Patienten auch über die Grenzen der Klinik hinaus.

Mircrosoft kooperiert mit Quali Medical

Bereichsübergreifende IT-Lösungen verabreicht auch Microsoft mit dem vom Washington Hospital Center entwickelten Unified Intelligence System (UIC) seit 2008 vor allem in den USA.

Die Zusatz-Software für Krankenhaus Informationssysteme (KIS) und Bildarchivierungssysteme (PACS) ist bisher über ein Pilotstadium bei den Asklepios Kliniken und dem Klinikum Ingolstadt in Deutschland nicht hinausgekommen.

Mithilfe des Amalga Unified Information System (UIS) gehört die zeitaufwendige, fehlerbehaftete mehrfache manuelle Eingabe von Daten im medizinischen Alltag und in der Verwaltung laut Microsoft der Vergangenheit an, weil auf die Daten klinikübergreifend zugegriffen werden kann.

Das Programm ist vor allem für die Entscheidungsfindung in Research und Management in Krankenhausverbünden und Versorgungsnetzen ausgelegt. Microsoft kooperiert dabei mit dem Schweizer Unternehmen Quali Medical.

Neben dieser komplexen Lösung vertreibt die Health Solution Group von Microsoft zusammen mit Partnern angepasste Portallösungen, Server- und Office-Produkte für die Verwaltung von Krankenhäusern und weiteren Betrieben des Gesundheitswesen.

Bessere Patientenbetreuung durch mobilen Helfer

Gezielt auf den schnellen Zugriff auf Patientendaten durch Ärzte und medizinisches Fachpersonal in Kliniken auf Station setzt Dell, das mit einer eigenen Healthcare- Lösung auf dem Markt ist, dem Mobile Clinical Computing (MCC).

MCC verbindet ein Mobilgerät mit dem zentralen Krankenhaussystem. Die Patientendaten werden nicht auf dem Gerät selbst, sondern im Rechenzentrum der Kliniken verwaltet.

Einer der ersten Anwender in Deutschland ist das SRH Kurpfalz-Hospital in Heidelberg. Dr. Ralph Winter, Leiter der Neurologischen Abteilung, beschreibt den Arbeitsablauf mit dem mobilen Helfer: "Dell hat uns die Möglichkeit geboten, Informationen digital mit einem mobilen System während unserer Stationsrunden abzurufen. Wir sehen darin ein großes Entwicklungspotenzial bei der Patientenbetreuung."

Wie attraktiv in Deutschland das Geschäft mit Krankenhäusern für IT-Giganten ist, zeigt unlängst der große Nachzügler im Healthcare-Markt beweisen. Erst Ende Februar hat auch HP, zunächst auf die USA beschränkt, eine Healthcare-Allianz mit Software-Partnern angekündigt.

Zusammen mit den Programmen der Channel-Partner will der Konzern beispielsweise mobile Workstations für PACS oder das Alarmüberwachungssystem SARA (Situational Awareness and Response Assistant) vermarkten.

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