Ärzte Zeitung, 22.11.2013

Diskussion auf Medica

Die große Chance mit Patientendaten

Die Datenmengen aus dem Gesundheitswesen wachsen immer weiter. Experten sehen darin einen großen Mehrwert zur Verbesserung der Patientenversorgung.

Von Ilse Schlingensiepen

Die große Chance mit Patientendaten

Beim Nutzen und Auswerten von Patientendaten müssen Datenschutz und die Anonymität im Mittelpunkt stehen.

© Maksim Kabakou / Fotolia.com

DÜSSELDORF. Durch die Verordnung der günstigeren von gleich wirksamen Statinen ließen sich in Großbritannien pro Jahr mehr als 200 Millionen Pfund (240 Millionen Euro) einsparen. Das hat eine Gruppe von Wissenschaftlern herausgefunden.

Das Besondere an der Untersuchung: Sie basiert auf Daten, die der staatliche Gesundheitsdienst NHS zur Verfügung gestellt hat.

Der NHS verfügt über eine große Menge an Informationen über Patienten, die im staatlichen Gesundheitssystem versorgt werden. Darunter sind pro Jahr 500 Millionen Einträge zu den verordneten Arzneimitteln.

Der NHS hat beschlossen, diese Daten anonymisiert auch Dritten zugänglich zu machen, berichtete Professor Stefan Wrobel bei einer Diskussion zu "Big Data im Gesundheitswesen" auf dem Medica Health IT Forum in Düsseldorf.

Wrobel ist Leiter des Fraunhofer-Institutes für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS und Professor an der Universität Bonn.

Für Weiterentwicklung der personalisierten Medizin wichtig

"Wenn 500 Millionen Rezeptdaten öffentlich verfügbar gemacht werden, stellen sich eine Menge Fragen, auf die wir in Deutschland noch keine Antworten haben", sagte Wrobel.

Hierzulande müsse es eine Diskussion darüber geben, was man mit den Daten aus dem Gesundheitswesen machen will und was nicht. Die Datenmengen aus verschiedenen Quellen wachsen immer weiter. "Welchen Mehrwert können wir damit erzeugen?"

Die gezielte Auswertung vorhandener Daten könne es ermöglichen, Patienten unnötige Behandlungen zu ersparen und bestimmte Auffälligkeiten oder Risiken zu erkennen. Auch für die Weiterentwicklung der personalisierten Medizin seien sie von Bedeutung, sagte Wrobel.

Experten sähen in der Nutzung der Daten aus den unterschiedlichsten Quellen große Potenziale. So gehe die Unternehmensberatung McKinsey davon aus, dass sich durch Big Data allein im Gesundheitswesen der USA jährlich 300 Milliarden Dollar (223 Milliarden Euro) einsparen lassen.

Um die Chancen flächendeckend zu nutzen, müsse in Deutschland in diesen Bereich investiert werden, betonte Wrobel.

"Dann wären längerfristig andere Maßnahmen möglich, als per Dekret die Arzneimittelpreise zu senken, um Einsparungen zu erzielen."

Vorsichtig mit Daten umgehen

Die Nutzung medizinischer Daten zur Verbesserung der Patientenversorgung und zur Erhöhung der Effizienz kann und muss mit dem Datenschutz vereinbart werden, sagte der Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationssicherheit Nordrhein-Westfalen, Ulrich Lepper.

"Die Menschen müssen darauf vertrauen können, dass mit ihren Daten vorsichtig umgegangen wird."

Seiner Einschätzung nach haben die meisten Patienten keine Einwände dagegen, dass gesundheitsbezogene Daten auch über den eigentlichen Zweck hinaus benutzt werden, zum Beispiel für wissenschaftliche Auswertungen.

Dabei müsse aber eine Voraussetzung erfüllt sein: die Gewährleistung der Anonymität.

"Es muss sichergestellt sein, dass die Rückführbarkeit auf den einzelnen Patienten ausgeschlossen ist", betonte Lepper. Das sei allerdings alles andere als einfach.

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