Ärzte Zeitung online, 30.04.2017

Abnehmen mit Genuss

KFZ-Diät: Eine gute Option zur Gewichtsreduktion

"Low Fat" und "Low Carb" sind zwei mögliche Strategien, um Gewicht zu reduzieren. Die KFZ-Diät nutzt die Vorteile beider Methoden für ein ausgewogenes Ernährungsprogramm.

Von Angelika Bauer-Delto

KFZ-Diät: Option zur Gewichtsreduktion

Geschafft! Für eine langfristige Gewichtsreduktion sollten die Gewohnheiten des Patienten überprüft und seine Fähigkeit gestärkt werden, selbstbestimmt zu erkennen, was ihm gut tut.

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"Ohne Genuss ist jede Diät zum Scheitern verurteilt", so Professor Olaf Adam, Ernährungsmedizin im Physiologikum der LMU München. Genießen bedeute jedoch nicht, (viel) zu konsumieren. Beim Konsumieren gibt man Gelüsten nach, die dazu verführen, sie schnell zu befriedigen, während beim Genießen die Wertschätzung und Achtsamkeit für das, was gegessen wird, eine wichtige Rolle spielt. Für eine langfristige Gewichtsreduktion sollten die Gewohnheiten des Patienten überprüft und seine Fähigkeit gestärkt werden, selbstbestimmt zu erkennen, was ihm gut tut.

KFZ-Diät: Was ist das?

Das "K" steht für Kohlenhydrate, "F" für Fette und "Z" für Zwischenmahlzeiten.

Frühstück und Mittagessen sind fettarm, aber kohlenhydratreich; das Abendessen ist kohlenhydratarm. Zwischenmahlzeiten sollen Heißhungerattacken verhindern.

< p>Ein großes Problem bei adipösen Patienten sei, dass Sättigungssignale nicht ausreichend wahrgenommen werden, erklärte Adam beim Internistenkongress in Mannheim. Bis die dafür verantwortlichen neuroendokrinen Regelkreise wieder funktionieren, können Monate vergehen – bis dahin ist eine willentliche Steuerung des Essverhaltens erforderlich. Eine professionelle Begleitung, wie Abnehmkurse sie bieten, ist dabei hilfreich, um Jojo-Effekte zu vermeiden.

Wichtig: Sport und Entspannung

Unter Stress ist die Kontrolle des Essverhaltens besonders schwierig. Stress ist eine Notfallreaktion des Körpers, bei der Cortison freigesetzt wird. In der Folge werden alle Energiereserven bereitgestellt. Lässt der Stress beispielsweise nach einem arbeitsreichen Tag nach, setzt ein kaum beherrschbares Hungergefühl ein. Bewegung, Sport und Entspannungsverfahren sollten daher Abnehmprogramme ergänzen.

Wissenschaftlich begründete Ernährungsstrategien, die zu einer effektiven Gewichtsabnahme führen, sind Low Carb- und Low Fat-Diäten, sagte Adam. Vorteile von kohlenhydratreduzierten Diäten sind ein schneller und ausgeprägter Gewichtsverlust und positive Effekte auf den Stoffwechsel. Das Lipidprofil wird günstig beeinflusst und der Insulinspiegel sinkt. Allerdings ist die Diät einseitig, geht meist mit einem überhöhten Fleischverzehr einher und es besteht die Gefahr einer Ketose.

Als Dauerernährung sei die Low Carb-Diät nicht geeignet, betonte Adam. Die Low Fat-Diät dagegen führt zu keiner Besserung der Insulinresistenz, erlaubt aber eine vielseitige Ernährung. Daher wurde die KFZ-Diät entwickelt, die Low Carb- und Low Fat-Diät kombiniert. "K" steht für Kohlenhydrate, "F" für Fette und "Z" für Zwischenmahlzeiten.

Frühstück und Mittagessen sind dabei fettarm, aber kohlenhydratreiche Produkte dürfen verzehrt werden. Das Abendessen ist dagegen kohlenhydratarm. Zwischenmahlzeiten sorgen dafür, dass es nicht zu Heißhungerattacken kommt. 30 Prozent der Energie sollen in Form von Fett, 55 Prozent als Kohlenhydrate und 15 Prozent durch Proteine zugeführt werden, wie es auch von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlen wird.

Nach diesen Prinzipien kann sich der Patient langfristig ausgewogen und gesund ernähren. Wichtiger Vorteil der KFZ-Diät sei, dass der Patient über seine Ernährung nachdenkt, sich informiert und plant, was er isst, betonte Adam in Mannheim. Durch die abendliche Low Carb-Mahlzeit kommt es über einen langen Zeitraum aufgrund der niedrigen Insulinspiegel zu einer vermehrten Fettverbrennung und damit zu einer guten Gewichtsreduktion.

Weitere Infos zur Methode "Genussvoll essen und abnehmen" und zum zertifizierten Kursprogramm: www.kfzdiaet.de

[30.04.2017, 15:34:24]
Thomas Georg Schätzler 
Keine "faulen" Kompromisse: "low fat" und "low carb" gleichzeitig ist populistische Irreführung!
Es kommt nicht darauf an, w i e v i e l Fette gegessen werden, sondern w e l c h e Arten bzw. Qualitäten von Fetten/Ölen durchaus großzügig täglich verkonsumiert werden können: Natives Oliven-, Walnuss-, Raps- und Leinöl mit aufsteigendem Gehalt an Omega-3-Fettsäuren (Omega-3-PUFA), a-Linolensäure (ALA) aus Pflanzen und Eicosapentaensäure (EPA) bzw. Docosahexaensäure (DHA) aus Fischöl.

Spätestens seit der PREDIMED-Studie kann man davon ausgehen, dass sich das Herz-Kreislauf-Risiko mit einer an Olivenöl und Nüssen reichen Mittelmeer-Diät senken lässt (NEJM 2013; 368: 1279).
http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/krebs/article/889453/handvoll-tag-nuesse-knabbert-lebt-laenger.html

Low-Fat kann sich also nur auf gefährliche Ernährungs-Varianten mit zu vielen, mehrfach ungesättigten, meist tierischen Fetten beziehen, von denen mit fetten Fleisch- und Wurstwaren, speziell bei unsachgemäßem Grillen im Bevölkerungsdurchschnitt erheblich und im Übermaß gegessen bzw. "gefressen" werden.

Fetter Fisch wie Makrele, Nord-See- und -Pazifik-Lachs, aber auch Kabeljau, Seelachs, Hering, Rotbarsch, Seeteufel und Plattfische sind wegen hohem Omega-3-PUFA Gehalt bei KHK-RISIKO vorteilhafter und konterkarieren die undifferenzierte "low-fat"-Empfehlung endgültig.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund  zum Beitrag »

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