Ärzte Zeitung, 02.09.2004

Ohne Farbpigmente gibt es keine Zapfen

Bei Farbenblinden fehlt oft ein Photopigment und damit ein Teil der Retinazellen

NEU-ISENBURG (sko). Daß wir unsere Umwelt farbig sehen, verdanken wir speziellen Zellen im Auge, den Zapfen. Von denen gibt es drei Sorten, die Blau-, Rot und Grünzapfen. Bei farbenblinden Patienten mit einer Störung des Rot-Grün-Sinnes ist einer dieser Farbsinne verloren gegangen. Doch was fehlt?

Falschfarbenaufnahme der Retina. Die Farbkreise entsprechen jeweils Rot-, Grün- und Blauzapfen. Kann ein Patient keine grünen Pigmente bilden, fehlen die Grünzapfen (Bild a). Wurde das Gen für rotes Pigment durch das Gen für grünes Pigment ersetzt, ersetzen Grünzapfen die Rotzapfen (Bild b). Foto: PNAS/ J. Carroll

Die entsprechenden Zapfen oder das entsprechende Pigment in den Zapfen? Um diese Frage zu klären, haben Dr. Joseph Carroll und seine Kollegen von der University of Rochester im US-Staat New York mit einem speziellen Ophthalmoskop das Zapfenmuster auf der Netzhaut bei farbenblinden Patienten untersucht.

Da Farbenblindheit vererbt wird, nahmen die Forscher zudem Blutproben und untersuchten die entsprechenden Genabschnitte (PNAS 101, 2004, 8461). Ergebnis: Bei einer Person, dessen Gen für das rote Photopigment durch das Gen für das grüne Pigment ersetzt war, waren auch auf der Netzhaut die Rot-Zapfen durch Grün-Zapfen ersetzt.

Bei einer anderen Person, bei der das Gen für das grüne Pigment mutiert war und deshalb ein funktionsunfähiges Pigment gebildet wurde, fehlten alle Grün-Zapfen, so daß das Zapfenmuster löchrig war. Dieser Verlust beeinflußte aber außer dem Farbsehen keine andere Funktion.

Die Forscher folgern daraus, daß bei Farbenblinden beide Mechanismen, also der Verlust einer Zapfenart sowie das Fehlen eines Pigments, bedeutsam sind. Zudem zeige die Studie, daß es mit der speziellen Untersuchung - dem Adaptive optics retinal imaging - gelingen könne, andere Augenerkrankungen, die die Zapfen betreffen, frühzeitig zu entdecken.

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