Ärzte Zeitung, 21.07.2004

Kelchstein-Zertrümmerung minimal-invasiv

Bei großen unteren Nierenkelchsteinen ist minimal-invasiver perkutaner Eingriff eine Option

TÜBINGEN/MANNHEIM (bib). Nierenkelchsteine unter 2 cm werden in der Regel mittels extrakorporaler Stoßwellenlithotripsie (ESWL) zertrümmert. Bei unteren Nierenkelchsteinen werden damit je nach Lithotripter aber nur 25 bis 60 Prozent der Patienten steinfrei. Möglicherweise ist bei solchen Steinen die minimal-invasive perkutane Nephrolitholapaxie (Mini-PCNL) die günstigere Alternative.

Die Mini-PCNL ist eine Variante der bei größeren Steinen angewandten konventionellen PCNL. Bei der werden Steine nach Punktion des Nierenkelches direkt zerkleinert und unter Sicht entfernt. Dabei kann es zu Komplikationen kommen - die Rate kann bis zu 23 Prozent betragen. Solche Komplikationen sind etwa transfusionspflichtige Blutungen (je nach Zentrum ein bis 20 Prozent), seltener etwa Darmperforation oder Sepsis.

Die Mini-PCNL ist weniger invasiv, da der Punktionskanal nur einmal bougiert und ein spezielles 12-Charrière-Mini-Nephroskop verwendet wird. Bei der Behandlung von 98 Patienten erzielte Privatdozent Sven Lahme von der Uni Tübingen mit der Mini-PCNL Steinfreiheitsraten von 98 Prozent. Die Komplikationsrate war niedrig: drei Prozent fieberhafte Harnwegsinfekte, ein Prozent Transfusionen. Die Therapie dauerte im Mittel 91 Minuten, die Wiederbehandlungsrate betrug 0,7 (Aktuel Urol 35, 2004, 98). "Für die Mini-PCNL sprechen die deutlich günstigeren Steinfreiheitsraten, die akzeptable Behandlungsdauer und die geringe Morbidität des Verfahrens", so Lahme.

Professor Kai Uwe Köhrmann von der Uni Mannheim hingegen sieht bei der Mini-PCNL "eher die Gefahr, daß durch die englumigen Arbeitskanäle die Fragmente nicht vollständig entfernt werden können." Er vermutet zudem, "daß die Blutungsrate eher durch den Operateur als vom Durchmesser des Nephroskopschaftes bestimmt wird."

Die Mini-PCNL böten nur wenige Zentren an. Die ESWL sei an vielen Kliniken möglich und könne ambulant erfolgen, so Köhrmann. Prospektive, randomisierte Vergleichsstudien beider Verfahren stehen noch aus.

"Der ausschlaggebende Grund für die begrenzten ESWL-Erfolge liegt am erschwerten Abgang der Fragmente aus dem Unterkelch." Köhrmann verweist darauf, daß die Fragmentpassage etwa durch Vibrationsmassage in Kopftieflage und intensive Hydratation gefördert werden kann.

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