Ärzte Zeitung, 08.01.2007

Bei Aszites sind Diuretika und Punktion Option

Forcierte Diurese sollte vermieden werden / Albumin-Substitution nach Parazentese beugt Niereninsuffizienz vor

MÜNCHEN (wst). Entwickeln Patienten mit Leberzirrhose Aszites, der durch Natriumrestriktion nicht mehr in den Griff zu bekommen ist, kann eine schonende Diurese mit Aldosteronantagonisten versucht werden. Aber auch eine Aszitespunktion ist ambulant gut möglich. Als neue Option werden potente Aquaretika bereits in klinischen Studien erprobt.

Leberzirrhose-Patienten mit Aszites haben ein zentral-effektives vermindertes Blutvolumen. Das heißt, das Gesamtvolumen ist zwar erhöht, weil die Varizen gefüllt sind. Das Volumen, das zur Durchblutung der Organe zur Verfügung steht, ist jedoch erniedrigt. Deshalb soll eine weitere massive Abnahme des Plasmavolumens, etwa durch eine forcierte diuretische Therapie, unbedingt vermieden werden. Darauf wies Professor Alexander L. Gerbes vom Klinikum München Großhadern auf einer hepatologischen Fortbildungsveranstaltung in München hin.

Zur schonenden Diurese sind Aldosteronantagonisten Mittel der Wahl. Nur wenn damit kein ausreichender Behandlungserfolg gelingt, können vorsichtig und in schrittweiser Dosierung Schleifendiuretika addiert werden, so Gerbes auf der von der Falk Foundation und Essex Pharma unterstützten Veranstaltung.

Fällt die Entscheidung zur Aszitespunktion (Parazentese), ist der Eingriff auch ambulant möglich, so der Hepatologe. Nach Daten einer Studie mit mehr als 600 Patienten, die Aszitesvolumina von durchschnittlich neun Litern hatten und ambulant punktiert wurden, gab es keine Hinweise auf eine relevante Blutung oder sonstige schwerere Komplikationen.

Um eine Niereninsuffizienz zu vermeiden, sei es allerdings wichtig, bei Parazentesen von mehr als sechs Litern ausreichend intravenös Albumin (6 g pro Liter Bauchwasser) in natriumchloridfreier Lösung zu substituieren.

Patienten mit rezidivierendem Aszites profitieren von der Anlage eines transjugulären intrahepatischen portosystemischen Shunts (TIPS). Dabei müssen allerdings nach Gerbes Kontraindikationen im Auge behalten werden. Das sind etwa eine schwere Einschränkung der Leberfunktion, zum Beispiel Bilirubin größer 3 bis 5 mg / ml (51,3 bis 85,5 µmol / l), eine hepatische Enzephalopathie Grad II und mehr, eine ausgeprägte Herzinsuffizienz, Lebertumoren, eine für die Shuntanlage ungünstige Gefäßsituation oder, bedingt, auch ein Alter über 65 Jahren.

Zur medikamentösen Therapie bei Aszites werden inzwischen große Hoffnungen auf neuartige Aquaretika wie den Vasopressin-V2-Rezeptorantagonisten VPA-985 gerichtet. Phase- III-Studien hierzu sind unter anderem an Gerbes' Abteilung im Klinikum Großhadern bereits angelaufen.

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