Ärzte Zeitung, 15.11.2006

Neues Präparat erspart bei Eisenüberladung Infusionen

Therapie bei myelodysplastischen Syndromen

LEIPZIG (scho). Die Therapie bei Anämien, die Transfusionen erfordern - etwa bei Patienten mit myelodysplastischen Syndromen - könnte sich künftig stark vereinfachen. Denn seit kurzem ist eine orale Behandlung möglich. Damit entfallen die belastenden und zeitaufwendigen Deferoxamin-Infusionen.

Myelodysplastische Syndrome (MDS) sind bekanntlich Knochenmark-Erkrankungen, bei denen die Blutbildung von genetisch veränderten Blut-Stammzellen ausgeht. Der häufigste klinische Befund ist eine Anämie, welche bei mehr als 80 Prozent der Betroffenen auftritt. Grund dafür ist die ineffektive Erythropoese, die bei nahezu allen Patienten Transfusionen erfordern. Ohne zusätzliche Therapie ist damit eine Eisenüberladung des Körpers unvermeidlich.

Die bisherige Standardtherapie, um Komplikationen der Eisenüberladung zu verhindern, bestehe in einer täglichen bis zu zehnstündigen subkutanen Infusion von Deferoxamin. Daran erinnerte Professor Norbert Gattermann von der Uni Düsseldorf bei der Tagung der deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie in Leipzig. Seit kurzem sei auch eine Therapie mit dem Eisenchelator Deferasirox (Exjade®), der eingenommen wird, möglich. Angewendet werden solle das Medikament bei Patienten mit stabiler MDS, die Transfusionen erhalten, wenn die Serum-Ferritinwerte über 1000 bis 2000 ng/ml liegen oder andere Zeichen einer Eisenüberladung vorhanden sind. Es sollten keine Begleiterkrankungen vorliegen, die die Prognose der Patienten stark beeinträchtigen, so Gattermann auf dem von Novartis unterstützen Symposium.

Der neue Eisenchelator sei so wirksam wie Deferoxamin und werde nur noch einmal täglich eingenommen (wir berichteten). Der Wirkstoff bindet mit hoher Affinität an Eisen und bildet einen Chelatkomplex - also eine stabile Verbindung mit Metallionen -, der über die Galle ausgeschieden wird. Das gewebetoxische freie Eisen wird gebunden und lebensbedrohliche Folgeerkrankungen wie Herz- oder Leberversagen werden verhindert.

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