Ärzte Zeitung, 14.09.2004

Mehr als ein Liter Bier täglich fördert chronische Pankreatitis

Jeder zweite Patient hat nach 20 Jahren einen Insulinmangel-Diabetes / Bei exokriner Insuffizienz fördern Amylase-Lipase-Präparate Verdauung

LEIPZIG (otc). Wer nur bis zu 50 Gramm Alkohol pro Tag - das entspricht etwa einem Liter Bier oder einer halben Flasche Wein - zu sich nimmt, hat nur ein geringes Risiko, eine chronische Pankreatitis zu bekommen. Das Risiko ist bei einem täglichen Konsum von 50 bis 100 Gramm täglich bereits sechsfach erhöht.

Liegt die tägliche Alkohol-Menge bei über 100  Gramm, ist das Risiko sogar etwa zwölfmal höher.

Das sind Ergebnisse einer Fall-Kontroll-Studie, die bei der 59. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) in Leipzig vorgestellt wurde.

Entscheidend für das Risiko einer chronischen Pankreatitis scheint danach die kumulative Menge des Alkohols zu sein, wie Professor Peter Layer vom Israelitischen Krankenhaus in Hamburg gesagt hat. Man könne im Laufe seines Lebens ohne erhöhtes Risiko für eine chronische Pankreatitis bis zu 700 Liter reinen Alkohols - dies entspricht zwei Badewannen voll - trinken. Ab 700 Litern steige das Risiko allerdings drastisch, so Layer. Auch Rauchen könne die Entstehung begünstigen.

Wichtig für die Entwicklung der Krankheit sei aber auch eine vermutlich genetische Disposition, so Layer bei einem Symposium von Solvay. 20 Prozent aller Patienten mit - dann idiopathischer - chronischer Pankreatitis hätten vor der Erkrankung keinen Alkohol getrunken.

Die chronische Pankreatitis verläuft meist in mehreren Stadien: In den ersten Jahren sind Schmerzen und Pankreatitis-Schübe typisch, im Spätstadium kommt es zur exokrinen und endokrinen Insuffizienz. Etwa jeder zweite Patient hat nach 20 Jahren einen Insulinmangel-Diabetes.

Entscheidend bei der Therapie ist eine konsequente Alkoholkarenz. Sie reduziert zum Beispiel Frequenz und Heftigkeit von Schmerzschüben, die Erkrankung schreitet langsamer voran. In fortgeschrittenen Krankheitsstadien ist vor allem der Ausgleich von Störungen der Fettverdauung durch Ersatz der Verdauungsenzyme wichtig, sagte Layer. Das Schlüsselenzym dabei ist die Lipase.

Zur Substitution der Lipase-Aktivität haben sich vor allem Mikro-Präparationen (etwa Kreon®) zu den Mahlzeiten bewährt. Dabei sei vor allem auf eine ausreichende Dosierung (25 000 bis 50 000 Einheiten pro Mahlzeit) zu achten.

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