Ärzte Zeitung, 13.12.2004

Die Pille für den Mann wird ein Kombipräparat

Forscher suchen neue Wege zur Kontrazeption bei Frauen und Männern / Testosteron-Spritze plus Gestagen-Implantat stoppt Spermien-Produktion

Längst ist die klassische "Pille" nicht mehr das einzige Kontrazeptivum auf dem Markt. Frauen, die nicht täglich an die Pilleneinnahme denken wollen, greifen heute bereits auf Intrauterin-Systeme mit Gestagen-Reservoir zurück, auf Depot-Spritzen, Implantate oder Pflaster. Doch arbeiten Wissenschaftler in den Labors weltweit an andersartigen Konzepten der Empfängnisverhütung.

Neue Angriffspunkte zur Kontrazeption bei Frauen sind etwa die Störung der Kommunikation zwischen Follikeln und der sich darin befindlichen Eizelle, die Verhinderung der Befruchtung oder die Verhinderung der Ei-Implantation in der Uterus-Schleimhaut durch Störung der Signale zwischen Eizelle und Uterus.

Elektronenmikroskopische Aufnahme von Spermien, die versuchen, in eine Eizelle einzudringen. Foto: Schering AG

Bei Männern wird an der Spermatogenese und an den verschiedenen Stadien der Spermienreifung geforscht bis hin zur Beeinflussung der Motilität der fertigen Samenzelle sowie der Fähigkeit, am Ei zu haften oder seine Außenhülle zu durchdringen. Etwa 60 Prozent der Männer sagen in Interviews, daß sie zur Verhütung bereit wären. In festen Partnerschaften steigt diese Zahl sogar auf bis zu 80 Prozent.

Zur Verhütung muß bei Frauen nur eine Eizelle pro Zyklus blockiert werden. Verhütung über Männer ist dagegen biologisch komplizierter. Die Spermatogenese bei Männern dauert gut siebzig Tage. Spermienzellen in allen Reifestadien bilden ein Gemenge, es gibt also unreife wie reife. So braucht man schließlich bis zu drei Monate, um wirklich sicher zu sein, daß auch wirklich alle Spermien infertil sind.

So, wie es zur Zeit aussieht, sagte Professor Günter Stock, Mitglied der Schering-Kommission für Forschung, werden Männer erst einmal nicht mit einer Pille verhüten können, sondern mit einer Kombination von Testosteron-Spritze und Gestagen-Implantat. Bis zu Marktreife, so Stock, dürften noch gut drei Jahre ins Land gehen.

Für Frauen werden die neuen Wirkmechanismen sogar erst in etwa fünf Jahren pharmakologisch umgesetzt sein, und zwar erst einmal als Spritze oder Implantat. Die orale Darreichungsform wird noch länger dauern. (KHS)

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