Ärzte Zeitung, 29.03.2005

Die Tablette am Stiel hilft gegen Durchbruchschmerzen

Fentanyl-Stick wirkt schnell über die Mundschleimhaut

FRANKFURT AM MAIN (hbr). Bei Durchbruchschmerzen brauchen Krebskranke ein schnell wirkendes Analgetikum, um die Attacken rasch unter Kontrolle zu bringen. Der Fentanyl-Stick verkürzt dabei die Schmerztherapie-Lücke besonders effizient.

Der Stick wird etwa zehn Minuten lang an der Mundschleimhaut der Wange entlanggeführt. Foto: Archiv

Die schmerzstillende Wirkung des Sticks setzt bereits nach etwa fünf Minuten ein, wie Dr. Thomas Nolte vom Wiesbadener Hospiz Advena beim Deutschen Schmerztag in Frankfurt am Main berichtet hat.

Damit ergänzt er als schnelle Akuthilfe die Dauermedikation, die bei Tumorschmerz-Patienten meist bereits retardierte Opioide der WHO-Stufe III beinhaltet. Denn starke Schmerzspitzen kann auch eine gut angepaßte basale Therapie nicht abfangen: 80 Prozent der Tumorpatienten berichten von Durchbruchschmerzen, die zusätzlich schnell wirksame Opioide wie den Fentanyl-Stick (Actiq®) erforderlich machen können.

Der schnelle Effekt verschaffe dem Präparat einen Wirkvorsprung vor anderen Opioiden mit kurzwirksamer Galenik, so Nolte. Denn auch bei den als Turbo-Schmerzbremse angewandten nicht retardierten Mitteln bleibt oft ein Zeitproblem: Durchbruchschmerzen entstehen zwar meist plötzlich, dauern aber im Mittel nur 30 Minuten.

Das reicht für üble Qualen, ist jedoch auch bei schnellwirkenden oralen Opioiden für einen optimalen Einsatz oft zu kurz. Denn bis sie greifen, können 20 Minuten vergehen. Dafür ist unter Umständen noch Wirkung vorhanden, wenn sie nicht mehr nötig ist.

Grund der verkürzten Anlaufphase des Fentanyl-Sticks ist der spezielle Aufnahmeweg des Wirkstoffs. Die Patienten müssen die Tablette am Stiel ähnlich anwenden wie einen Lutscher, den sie an der Wangenschleimhaut reiben. Dabei wird der Wirkstoff freigesetzt.

Er ist lipophil, kann Zellmembranen leicht passieren und wird über die Schleimhaut besonders schnell resorbiert. Die Wirkung steige 15 Minuten lang an und klinge nach einer Stunde wieder ab, so der Wiesbadener Schmerztherapeut bei einer von Cephalon unterstützten Veranstaltung. Durch die kurze Wirkdauer wird ein Überhang-Effekt minimiert.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »