Ärzte Zeitung, 20.12.2005

Geschlechtskrankheiten oft im Kombi-Pack

Aktuelle Daten aus Deutschland zu sexuell übertragbaren Krankheiten / Meldesystem des Robert-Koch-Instituts

BERLIN (gvg). Mindestens jeder neunte Patient mit einer Geschlechtskrankheit hat zusätzlich eine oder mehrere weitere. Spezialisten empfehlen deswegen, stets die gesamte Palette möglicher Erkrankungen zu prüfen.

So wird immerhin bei jedem zehnten Syphilis-Kranken eine HIV-Infektion neu diagnostiziert. Und zwölf Prozent der Patienten mit Gonorrhoe haben im Genitalbereich gleichzeitig eine Chlamydien-Infektion.

Die Daten stammen aus der jetzt vorgestellten Sentinel-Erhebung des Robert-Koch-Instituts (RKI) zu sexuell übertragbaren Krankheiten (STD). An diesem seit 2002 bestehenden Register beteiligen sich Mitarbeiter aus 233 Einrichtungen im Gesundheitswesen, darunter 160 niedergelassene Ärzte.

Mit 26 Prozent sehr häufig sind demnach erneute STD-Infektionen, die auftreten, nachdem bereits in der Vergangenheit einmal eine STD durchgemacht worden ist. Studienleiterin Dr. Viviane Bremer von der Abteilung Infektionsepidemiologie des RKI bezeichnete dieses Ergebnis im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" als besonders erschreckend.

Es sei ein Indiz dafür, daß Geschlechtserkrankungen, die zum Teil schwere Spätfolgen hätten, von vielen nicht ernst genommen würden, selbst dann nicht, wenn eine solche Krankheit bereits einmal durchgemacht wurde.

Ärzte in Praxis und Klinik müßten sehr viel stärker auf Geschlechtserkrankungen achten und bei jedem Verdacht eine Labordiagnostik veranlassen, wünschen sch die RKI-Spezialisten. Falle die Diagnostik positiv aus, gehöre auch die Suche nach Doppelinfektionen zum Pflichtprogramm.

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Neues Register deckt auf: Es ist zu früh, sich in Sachen Geschlechtskrankheiten gemütlich zurückzulehnen

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