Ärzte Zeitung, 24.05.2006

Neues Antibiotikum gegen intraabdominelle Infektionen

Erstes Antibiotikum aus der Substanzklasse der Glycylcycline / Effektivität und Sicherheit sind ähnlich hoch wie mit dem Standard-Regime

FRANKFURT/MAIN (nsi). Etwa jede dritte Sepsis wird durch schwere intraabdominelle Infektionen verursacht. Mit Tigecyclin, dem ersten Antibiotikum aus der Substanzklasse der Glycylcycline, lassen sie sich so effektiv und sicher behandeln wie mit dem Standard-Regime.

Ein Patient auf der Intensivstation wird betreut. Eine Sepsis wird bei einem Drittel der Patienten durch intraabdominelle Infektionen hervorgerufen. Foto: zb

Jährlich bekommen circa 154 000 Menschen in Deutschland eine Sepsis, 60 000 von ihnen sterben daran. Bei jedem dritten Patienten liegen schwere intraabdominelle Infektionen vor wie Divertikulitis, eitrige Bauchfellentzündung, komplizierte Appendizitis, Cholezystitis oder Darmperforation mit fäkaler Kontamination.

Polymikrobielle Infektionen mit Gram-negativen und Gram-positiven Erregern sind häufig. Daher benötigen die Patienten eine rasche wirksame Antibiotikatherapie. Tigecyclin, der erste Vertreter der Antibiotika-Substanzklasse Glycylcycline, ist ähnlich effektiv und sicher wie Standard-Regimes.

So hat Privatdozent Hanns-Peter Knaebel von der Universität Heidelberg die Studiendaten zusammengefaßt, die zur Zulassung der Substanz (Tygacil®) geführt haben: im vergangenen Jahr durch die US-amerikanische FDA, Anfang Mai dieses Jahres durch die europäische Zulassungsbehörde EMEA. Tigecyclin ist ab sofort in Deutschland erhältlich, hat der Hersteller Wyeth mitgeteilt.

    Wirksame Monotherapie ist möglich.
   

Indikationen sind komplizierte Infektionen der Haut und Weichteile sowie komplizierte, intraabdominelle Infektionen. Um eine lebensbedrohlich verlaufende Sepsis nach intraabdomineller Infektion zu verhindern, sei - außer der Elimination des Fokus und geschlossener, abdomineller Lavage - derzeit eine hochdosierte, par-enterale Antibiotikatherapie mit bis zu vier Substanzen notwendig, sagte Knaebel bei einer Veranstaltung des Unternehmens Wyeth in Frankfurt am Main.

An den für die Zulassung von Tigecyclin relevanten Studien hätten mehr als 3000 Personen teilgenommen, so der Heidelberger Chirurg. Unabhängig von der Grunderkrankung habe eine Monotherapie mit Tigecyclin 80 bis 88 Prozent der Infektionen, die in das Indikationsgebiet fielen, ausheilen lassen, so Knaebel.

Bei den komplizierten Haut- und Weichteilinfekten betrug die Heilungsrate 87 Prozent in den Tigecyclin-Gruppen und 89 Prozent bei Patienten, die eine Kombination aus Vancomycin und Aztreonam erhalten hatten.

Bei komplizierten intraabdominellen Infektionen lag die Heilungsrate bei jeweils 86 Prozent, sowohl mit der Tigecyclin-Monotherapie, als auch in Vergleichsgruppen mit Imipenem-Cilastatin-Therapie. "Das neue Antibiotikum füllt eine therapeutische Lücke", sagte Professor Tobias Welte von der Medizinischen Hochschule Hannover.

Unerwünschte Wirkungen - vor allem Übelkeit und Erbrechen - traten mit dem neuen Antibiotikum nicht gehäuft auf: Bei drei bis fünf Prozent der mit Tigecyclin Behandelten mußte die Therapie deswegen abgesetzt werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Zahl der Behandlungsfehler stagniert

"Fehler passieren, auch in der Medizin. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten durch einen Behandlungsfehler zu Schaden kommen, ist extrem gering." So lautete das Fazit von Dr. Andreas Crusius bei der Vorstellung der Behandlungsfehlerstatistik. mehr »

Naturvolk mit erstaunlich gesunden Gefäßen

In einer geradezu heroischen Studie haben US-Forscher Eingeborene der Amazonas-Region zur Calcium-Score-Messung in einen CT-Scanner geschoben. Noch nie wurde ein Volk mit so gesunden Arterien beschrieben. mehr »

Dann ist ein Hausbesuch abrechenbar

Die vollständige und vor allem korrekte Abrechnung der so genannten Leichenschau stellt Ärzte immer wieder vor Probleme. Beispielsweise stellt sich die Frage nach der eigenständigen Berechnung des Hausbesuchs. mehr »