Ärzte Zeitung, 14.02.2007

Dauertherapie mit Steroiden schützt Gelenke

Metaanalyse bestätigt: Kombi aus Steroiden plus Basisarznei beugt Gelenkschäden bei Rheuma am besten vor

LIVERPOOL (hub). Eine Kombitherapie mit Basistherapeutikum plus niedrig dosierten Steroiden kann die Progression einer Rheumatoiden Arthritis (RA) stärker bremsen als die Basistherapie alleine. Das hat jetzt eine Metaanalyse von 15 Studien bestätigt.

Insgesamt nahmen über 1414 RA-Patienten an den Studien teil. Das Gros der Patienten hatte die Erkrankung seit maximal zwei Jahren. Die Teilnehmer erhielten ein Basistherapeutikum plus Steroid oder ein Basistherapeutikum plus Placebo für ein oder zwei Jahre (Cochrane Database Syst Rev 1, 2007, 1). In regelmäßigen Röntgenuntersuchungen wurden Erosionen an den Gelenken und andere Schäden dokumentiert.

Das Ergebnis: In 14 der 15 Studien hatten die Patienten mit Steroidtherapie eine geringere Röntgen-Progression der Gelenkschäden als jene mit Placebo. "Die Evidenz, dass Patienten mit Rheumatoider Arthritis weniger Erosionen haben, wenn sie zusätzlich zum Basistherapeutikum Glukokortikoide erhalten, ist überzeugend", schreiben Professor John Kirwan aus Liverpool und seine Kollegen.

Die Kortikoide wurden von den Patienten gut vertragen. Unerwünschte Wirkungen der Steroidtherapie waren moderat und ähnlich jenen bei Patienten in der Placebogruppe.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie empfiehlt in den gültigen Leitlinien die Verordnung von Steroiden. "Die zusätzliche Gabe einer niedrig dosierten Kortisontherapie ist geeignet, die Krankheitsaktivität zu unterdrücken, bis die Basistherapie wirkt", heißt es in den Leitlinien. Doch viele Rheumatologen verordnen die Steroide auch darüber hinaus.

"Im ersten Jahr einer Therapie empfehle ich Steroide in niedriger Dosis zusätzlich zur Basistherapie", sagte Professor Elisabeth Märker-Hermann aus Wiesbaden der "Ärzte Zeitung". Als niedrig dosiert gilt eine Therapie mit 5 bis 7,5 mg Prednisolon pro Tag.

DIE ANALYSE IN KÜRZE

Kombitherapie gegen Gelenkschäden

Frage: Reduziert eine niedrig dosierte Steroidtherapie Gelenkerosionen bei Rheumatoider Arthritis (RA)?

Studie: Metaanalyse von 15 Studien mit insgesamt 1414 Patienten mit RA, analysiert von der Cochrane Colaboration, einer internationalen Organisation, die medizinische Forschung bewertet

Methode: Basistherapie (etwa Methotrexat, Gold, Sulfasalazin) plus Kortikoide (0,8 bis 16 mg / d Prednison-Äquivalent) oder Placebo für 1 bis 2 Jahre. Gelenkschäden durch Röntgen dokumentiert.

Ergebnis: In 14 von 15 Studien geringere Progression der Gelenkschäden mit Steroidtherapie. (hub)

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