Ärzte Zeitung, 19.05.2009

Eine feuchte Wunde juckt beim Heilen nicht

Alltagswunden wie Abschürfungen, oberflächliche Schnittverletzungen und Verbrennungen großzügig antiseptisch zu reinigen und zu versorgen ist mittlerweile obsolet.

Von Werner Stingl

Zur Reinigung von Bagatellwunden reicht - zumindest in Mitteleuropa - Leitungswasser aus.

Foto: Eva Blanda©www.fotolia.de

Zur Reinigung von Bagatellwunden reicht zumindest in Mitteleuropa Leitungswasser aus, betont die Apothekerin und selbstständige Apothekenberaterin Dr. Claudia Rosado aus München. Sterilität ist nicht erforderlich und die wiederholte Anwendung von Antiseptika sogar kontraproduktiv. Denn was Keime abtöten kann, greift auch Makrophagen sowie junge Gewebs- und Hautzellen an und behindert so die Wundheilung, sagte Rosado auf einer Veranstaltung des Unternehmens Novartis in München.

Die Vorstellung, dass eine Wunde juckt, wenn sie heilt, sei richtig, denn bei der Zellerneuerung werden Botenstoffe freigesetzt, die Juckreiz erregen. Harter Schorf auf neuer weicher Haut spannt und verstärkt den Juckreiz. Vor allem Kinder neigen dann dazu, die Wunde wieder aufzukratzen. Besser sei deshalb, mit einem feuchtigkeitsspendenden Wundgel wie Fenistil® Wundheilgel der Bildung von trockenem Schorf und damit auch dem Juckreiz entgegen zu wirken.

Die Sorge, eine feuchtgehaltene Wunde könnte zum Tummelplatz für Bakterien werden, ist unberechtigt. Denn im feuchten Wundmilieu können Immunzellen effektiver agieren als im trockenen, und Keime werden zuverlässig abgewehrt. Auch die Migration und Proliferation von Reparaturzellen geht unter feuchten Bedingungen schneller vonstatten als unter trockenen.

Um die feuchte Wundheilung auch bei Alltagswunden zu propagieren und überholte Empfehlungen auszuräumen, hat ein europäisches Expertengremium unter Mitarbeit von Professor Wolfgang Vanscheidt aus Freiburg ein Konsensuspapier erarbeitet. Es soll in Kürze einer breiten medizinischen Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »