Sonntag, 12. Februar 2012
Ärzte Zeitung, 17.03.2010

Zwei Blutdrucksenker in nur einem Molekül

Zwei Blutdrucksenker in nur einem Molekül

Neuartiger Wirkstoff mit dualen Wirkmechanismus beweist starke antihypertensive Wirkung

ATLANTA (eis/ob). Ein neuartiges Antihypertensivum, das gleichzeitig den Angiotensin-II-Rezeptor und das Enzym Neprilysin hemmt, hat jetzt erstmals in einer Vergleichsstudie eine starke blutdrucksenkende Wirkung unter Beweis gestellt.

Die Studiendaten wurden von Professor Michael Böhm aus Homburg/Saar beim ACC-Kongress in Atlanta vorgestellt und gleichzeitig im Fachblatt "Lancet" (online) publiziert. Bei der neuen Substanz (vorläufige Bezeichnung LCZ696) handelt sich um einen Hemmstoff sowohl des AT1-Rezeptors als auch des Enzyms Neprilysin (NEP). Das Enzym ist verantwortlich für den Abbau natriuretischer Peptide. Oral angewendet verstärkt die NEP-hemmende Wirkkomponente die günstigen Effekte der natriuretischen Peptide, während durch Blockade des AT1-Rezeptors gleichzeitig die Wirkung von Angiotensin II gehemmt wird. Ob daraus eine stärkere Wirkung auf den Blutdruck resultiert, ist in einer "Proof of Concept"-Studie geprüft worden, in der LCZ696 mit dem AT1-Rezeptorblocker Valsartan und Placebo verglichen wurde. Insgesamt nahmen 1328 Patienten mit mildem bis moderatem Bluthochdruck teil.

Ergebnis der jeweils achtwöchigen Behandlung: In niedriger Dosis war LCZ696 einer Behandlung mit Placebo überlegen. Bei mittlerer und hoher Dosierung wurden zudem der systolische und der diastolische Blutdruck stärker gesenkt als mit mittleren und hohen Dosen von Valsartan. Besonders ausgeprägt war die Wirkung von LCZ696 auf den systolischen Blutdruck. Bei hoher Dosis wurde mit der Substanz zudem der Pulsdruck deutlich stärker gesenkt als mit dem AT1-Rezeptorblocker. Die Daten belegen somit eine komplementäre Wirkung beider Wirkkomponenten von LCZ696.

Die neue Substanz erwies sich zudem gut verträglich, speziell Angioödeme wurden nicht beobachtet.

Die NEP-Hemmung scheint aufgrund ihrer verstärkenden Effekte auf natriuretische Peptide auch ein potenziell günstiger Ansatz zur Behandlung von Patienten mit Herzinsuffizienz sein.

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