Ärzte Zeitung, 26.04.2010

Mega-Studie soll Handy-Risiken definitiv klären

Gesundheitliche Folgen sollen bei etwa 250 000 Handy-Nutzern untersucht werden / Studiendauer von bis zu 30 Jahren

LONDON (ob). Auf die immer wieder gestellte Frage, ob die mit der Nutzung von Mobiltelefonen verbundene Strahlenbelastung negative Auswirkungen auf die Gesundheit hat, soll eine jetzt gestartete Mega-Studie eine definitive Antwort geben.

Mega-Studie soll Handy-Risiken definitiv klären

Mit der Studie soll prospektiv untersucht werden, wie sich die Strahlung von Handys auf die Gesundheit auswirkt. © Luis Camargo / fotolia.com

Auch wenn nach derzeitiger Studienlage keine eindeutigen Anzeichen für mögliche Gesundheitsrisiken durch Handy-Nutzung zu erkennen sind, halten Forscher eine generelle Entwarnung für verfrüht. Dafür seien unter anderem die Laufzeiten der bisherigen Studien noch zu kurz.

Endgültige Gewissheit soll die Mega-Langzeitstudie COSMOS (Cohort Study on Mobile Communications) bringen, für die ein Konsortium aus fünf europäischen Ländern jetzt den Startschuss gegeben hat. In Großbritannien, Dänemark, Schweden, Finnland und den Niederlanden sollen bis zu 250 000 Handy-Nutzer im Alter zwischen 18 und 69 Jahren für die Teilnahme an dieser Studie gewonnen werden. Im Unterschied zu früheren Studien, in denen Daten zum Gebrauch von Mobiltelefonen basierend auf der Erinnerung im Rückblick per Fragebogen erhoben wurden, will man in der jetzt aufgelegten prospektiven Studie die reale Nutzung präzise per Monitoring erfassen. Die Privatsphäre der Teilnehmer bleibe dabei selbstverständlich geschützt, betonen die Autoren.

Damit mögliche, sich sehr langsam über Jahrzehnte entwickelnde Erkrankungen wie Karzinome der Beobachtung nicht entgehen, soll die Laufzeit der Studie bis zu 30 Jahre betragen. In Großbritannien sollen 2,4 Millionen Handy-Nutzer eine Einladung zur Studienteilnahme erhalten. Die britischen Forscher hoffen, dass allein in ihrem Land am Ende etwa 100 000 ihre Zustimmung geben werden. In der Studie sollen nicht nur mögliche Auswirkungen auf die Entwicklung von Hirntumoren untersucht werden. Auch potenzielle Effekte auf neurodegenerative Erkrankungen wie Morbus Parkinson oder Alzheimer-Demenz oder auf Hauttumoren nehmen die Forscher ins Visier. Zudem soll geklärt werden, ob das Telefonieren mit Handys langfristig Störungen wie Kopfschmerzen, Tinnitus, Schlafstörungen oder depressive Verstimmungen auslösen kann.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »