Ärzte Zeitung online, 07.01.2011

Im Alter gut zu Fuß: Chancen auf ein langes Leben

PITTSBURGH (mut). Mithilfe der Gehgeschwindigkeit lässt die Lebenserwartung gut abschätzen: Wer mit 65 Jahren noch schnellen Schrittes zuwege ist, hat gute Aussichten, über 90 oder gar 100 Jahre alt zu werden.

Mit 65 Jahren noch gut zu Fuß - dann darf man auf ein hohes Alter hoffen

Auf die Geschwindigkeit kommt es an: Wer im Schnitt 5,7 km/h schafft, kann auf ein hohes Alter hoffen.

© cammer / fotolia.com

Sag mir, wie schnell du bist, und ich sage Dir, wie alt du wirst - so ähnlich lassen sich die Ergebnisse einer Metaanalyse von US-Forschern aus Pittsburgh zusammenfassen (JAMA 2011; 305:50).

Mit der recht einfach zu ermittelnden Gehgeschwindigkeit haben Ärzte somit eine gutes Maß für die Vitalität und damit die Lebenserwartung älterer Patienten, berichten die Wissenschaftler auf Basis von neun Kohortenstudien mit insgesamt knapp 35.000 Teilnehmern.

Die Probanden wurden zum Teil repräsentativ aus der älteren Bevölkerung ausgewählt. In allen Studien war zu Beginn die Gehgeschwindigkeit erfasst worden. Die Forscher um Dr. Stephanie Studenski schauten nun, wie lange die Teilnehmer lebten. Im Schnitt wurden dabei Daten über 12 Jahre lang erhoben, etwa die Hälfte der Teilnehmer starb im Beobachtungszeitraum.

Die Studienautoren fanden nun einen signifikanten Zusammenhang zwischen Gehgeschwindigkeit und Lebenserwartung über alle Altersgruppen hinweg. Die Unterschiede waren erwartungsgemäß bei den jüngsten Teilnehmern (65 Jahre) am stärksten ausgeprägt - je nach Gehgeschwindigkeit und Geschlecht hatte diese Altersgruppe eine Lebenserwartung von 8 zusätzlichen Jahren (immobile Männer, maximal 0,2 m/s) bis 43 Jahren (fitte Frauen, mindestens 1,6 m/s).

65-jährige Frauen, die locker 1,6 m/s (5,7 km/h) schaffen, dürfen also mit einem biblischen Alter von 108 Jahren rechnen, Männer im Schnitt dagegen mit zehn Jahren weniger. Ein kleiner Trost: Je höher das Alter, um so geringer sind die Unterschiede bei der maximalen Lebenserwartung zwischen Männern und Frauen.

Ab 85 Jahren haben sowohl die fittesten Männer als auch die vitalsten Frauen noch eine Lebenserwartung von etwa 12 Jahren. Ein Unterschied bleibt allerdings bestehen: Immobilität geht bei Männern im hohen Alter viel stärker als bei Frauen mit einem raschen Tod einher.

Im Alter von 95 Jahren dürfen die schnellsten Frauen mit 6,3 weiteren Jahren rechen, immobile Frauen mit 3,6 - ein Unterschied von nur noch 2,7 Jahren. Bei Männern liegt der Unterschied zwischen den schnellsten und den immobilen bei 4,5 Jahren.

Aufschlussreich sind die Zahlen auch, wenn man die Überlebensraten über zehn Jahre betrachtet. Von den fitten 75-jährigen Männern, die 1,6 m/s oder mehr schaffen, leben zehn Jahre später noch 87 Prozent, von den immobilen Männern nur noch 19 Prozent - bei den Frauen liegen die jeweiligen Raten zwischen 91 und 35 Prozent.

Die Autoren gehen davon aus, dass die Gehgeschwindigkeit sowohl krankheitsbedingte Beeinträchtigungen als auch die körperliche Fitness subsummiert und deswegen die Lebenserwartung gut vorhersagt.

[09.01.2011, 13:08:55]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Lebenserwartung in Schrittgeschwindigkeit!
Jetzt können wir auswählen: "Go slow, die fast". "The slower You go, the better You die". "Live fast, die early" (Rick Ross, rapper). "Get Rich or Die Tryin'"(Filmtitel von Jim Sheridan, Regie, starring 50 Cent). "It's speed which kills". "Stillstand ist der Tod, geh voran, bleibt alles anders" (Herbert Grönemeyer). Oder auch "Stirb langsam 5.0" mit Bruce Willis als Frührentner.

Mit freundlichen, kollegialen Grüßen, Dr. med. T. G. Schätzler, FAfAM DO
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[07.01.2011, 18:09:49]
Dr. Susanne Daiber 
Snails?
Der Artikel bestätigt alle Geriater. Diese haben sich schon lange mit der Gehgeschwindigkeit befasst. Und mit einem simplen Test- Timed up and go- Test können sie eine Einschätzung der Fitness treffen- für schon deutlich eingeschränkte Mobilität. Nun zeigt sich, dass auch bei höheren Gehgeschwindigkeiten die Fitness mit der Lebenserwartung korreliert. Eigentlich nicht erstaunlich. Erstaunlich eigentlich, dass die Medizinwelt bisher noch so wenig Aufmerksamkeit auf die Gehgeschwindigkeit gerichtet hat. Eine KOrrektur muss gemacht werden: es handelt sich um m/sec, nicht mm. Sonst wären es wirklich Schnecken gewesen...  zum Beitrag »

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