Forschung und Praxis, 07.06.2004

Eine clevere Arzneikombi erhält neue Niere

Nach Nierentransplantation schützt eine individuelle konzentrationskontrollierte Therapie mit dem modernen Immunsuppressivum Everolimus (Certican®) plus niedrigdosiertem Ciclosporin vor Abstoßung und erhält zudem eine gute Nierenfunktion. Dabei hat sich eine minimale Everolimus-Tageskonzentration im Blut (Talspiegel) von mehr als 3 ng / ml als besonders effektiv erwiesen.

Forscher um Dr. Stefan Vitko aus Prag behandelten in zwei Studien fast 500 Patienten nach Nierenübertragung (Am J Transplant 4, 2004, 626). Sie bekamen in der ersten Studie 1,5 oder 3 mg / Tag Everolimus und Steroid plus niedrigdosiert Ciclosporin - abhängig von Everolimus-Spiegel und den Zusatzarzneien.

In der zweiten Studie gab es zudem initial den Antikörper Basiliximab (Simulect®). Primärer Endpunkt war die Nierenfunktion nach sechs Monaten. Ergebnis: Über die Hälfte der Patienten hatte ein maximales Kreatinin von 132 µmol / l, was für eine sehr gute Langzeitprognose spricht.

Die Inzidenz akuter Abstoßung lag mit Talspiegeln unter 3 ng / ml signifikant höher (Studie 1: sechs von acht, Studie 2: drei von sechs Patienten) als mit Talspiegeln über 3 ng / ml (Studie 1: 38 von 221, Studie 2: 31 von 234 Patienten). Basiliximab brachte bei Talspiegeln unter 3 ng / ml ein zusätzliches Plus.

Der Grund für steigende Kreatininwerte bei Everolimus-Ciclosporin-Kombination sei der Synergismus beider Wirkstoffe, so Dr. Klemens Budde von der Berliner Charité. Daher macht es Sinn, Ciclosporin so niedrig wie möglich und an den Everolimus-Spiegel angepaßt zu dosieren. Und: "Es scheint so, daß die Niedrigdosis-Strategie in Kombination mit Basiliximab das Problem der Nierenbeeinträchtigung teilweise löst", so Budde bei einer Novartis-Veranstaltung. (slp)

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