Ärzte Zeitung, 08.11.2004

Niedrige Krebsrate für Sirolimus bei Immunsuppression

Fünf-Jahresdaten vorgestellt

MÜNCHEN (wst). Epidemiologische Studien haben Hinweise darauf ergeben, daß es bei Patienten nach einer Organtransplantation infolge einer immunsuppressiven Behandlung zu einer erhöhten Malignomrate kommt. Das immunsuppressive Medikament Sirolimus scheint dagegen das Wachstum verschiedener Tumorarten eher zu hemmen als zu fördern.

Mehreren europäischen Untersuchungen zufolge muß im Verlauf einer 20jährigen immunsuppressiven Behandlung bei 35 bis 50 Prozent aller Transplantat-Empfänger mit einer Tumorentwicklung gerechnet werden. Darauf hat der Chirurg Professor Karl-Walter Jauch vom Klinikum München-Großhadern bei einer Veranstaltung des Unternehmens Wyeth in München hingewiesen.

Viral bedingte Malignome sind bei Immunsuppression häufig

Vor allem Malignome mit viraler Ätiologie wie manche Hautkrebsformen, Genitaltumoren und lymphoproliferative Erkrankungen nehmen unter Immunsuppression zu. In einer Nacherhebung seit 1978 bei 2100 Patienten nach einer Nierentransplantation fand eine Arbeitsgruppe um Jauch bei 25 Prozent solide maligne Tumoren, so der Chirurg auf der Veranstaltung. Die durchschnittliche Nachbeobachtungszeit betrug zehn Jahre.

Sirolimus (Rapamune®) ist in der Lage, in vitro das Wachstum von Leber- und Nierenzellkarzinom sowie von Lymphomzellen zu hemmen. Auch im Tiermodell wurden tumorhemmende Eigenschaften des Immunsuppressivums nachgewiesen. Außer direkten antiproliferativen Eigenschaften trägt offensichtlich ein anti-angiogenetischer Effekt dazu bei, wie Jauch sagte.

Daten von über 33 000 Patienten ausgewertet

Auch klinische Daten dazu gibt es bereits. Beim diesjährigen US-amerikanischen Transplantationskongreß in Boston wurden die Daten einer Erhebung mit 33  000 Patienten vorgestellt. Die Patienten hatten zwischen 1996 und 2001 eine fremde Niere bekommen. Trotz der kurzen Nachbeobachtungszeit war bei den mit Sirolimus behandelten Patienten die Malignomrate um 59 Prozent niedriger als bei Organempfängern, die länger verfügbare Immunsuppressiva erhalten hatten.

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