Ärzte Zeitung, 18.10.2004

Neues Mittel gegen Abstoßung schont Gefäße

Lebensqualität mehr im Fokus

BERLIN (gvg). Transplantationsmediziner haben die Hoffnung geäußert, chronische Abstoßungsreaktionen bei Patienten nach einer Transplantation durch neue Immunsuppressiva in den Griff zu bekommen. So kann mit Everolimus, einem Proliferationshemmer, die Transplantat-Vaskulopathie aufgehalten werden.

"Die Atherosklerose-ähnliche Verdickung der Blutgefäßinnenwände ist einer der Prozesse, die der chronischen Transplantatabstoßung zugrunde liegen", sagte Privatdozent Manfred Hummel vom Berliner Paulinenkrankenhaus auf einer Veranstaltung des privaten Bundesverbands Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz in Berlin.

Er berichtete von aktuellen Zweijahresdaten einer Studie von Dr. Howard Eisen von der Temple University School of Medicine in Philadelphia. Die Daten wurden vor kurzem beim Kongreß der Internationalen Gesellschaft für Herz- und Lungentransplantation (ISHLT) in San Francisco vorgestellt.

Den Ergebnissen zufolge läßt sich bei Patienten nach einer Herztransplantation durch eine immunsuppressive Kombinationstherapie, die die seit März 2004 in Deutschland erhältliche Substanz Everolimus (Certican®) enthält, eine Verdickung der Blutgefäßinnenwand weitgehend verhindern. Hummel hofft, daß sich dieser Unterschied langfristig auch in einer längeren Überlebenszeit der Transplantate niederschlägt.

Für Dr. Klemens Budde von der Nephrologischen Poliklinik der Charité Berlin rückt die Lebensqualität der Patienten zunehmend in den Mittelpunkt der Therapieentscheidung: "Wir kommen an einen Punkt, wo wir zwischen verschiedenen Präparaten wählen können und so bei der Behandlung auf individuelle Bedürfnisse Rücksicht nehmen können".

Als Beispiel für eine weitere Neuerung nannte er die mikroverkapselte Form des schon länger genutzten Magen-Darm-verträglichen Immunsuppressivums Mycophenolsäure. Auch kortisonfreie Behandlungen würden nach Nierentransplantationen zunehmend erprobt, um den Patienten die mit einer Dauertherapie verbundenen, metabolischen Komplikationen zu ersparen.

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