Ärzte Zeitung, 07.10.2004

KOMMENTAR

Chance auf mehr Spenderorgane

Von Peter Leiner

Fast 10 000 nierenkranke Menschen warten derzeit auf ein neues Organ. Wenn der Bedarf besser als bisher gedeckt werden soll, dann ist es auch erforderlich, die Spenderkriterien vorsichtig zu erweitern. Daß dies erfolgreich sein kann, belegen die ersten Erfahrungen des 1999 ins Leben gerufenen Eurotransplant-Seniorprogramms, an dem auch Zentren in Deutschland teilnehmen. In diesem Programm erhalten Patienten über 64 Jahre Organe von Spendern, die ebenfalls über 64 Jahre sind. Bei der Auswahl der Spender werden dabei derzeit die Verträglichkeit der Blutgruppen und die Wartezeit berücksichtigt. Zudem wird die Zuteilung der Organe auf lokaler Ebene vorgenommen, um die Zeit des Organtransports und damit die kalte Ischämiezeit möglichst kurz zu halten.

Allerdings reichen diese Kriterien für den Transplantationserfolg nicht aus. Denn deutsche Urologen haben herausgefunden, daß die HLA-Gewebeverträglichkeit einziger Prädiktor für akute Abstoßungsreaktionen ist. Um das europäische Programm zu einem vollen Erfolg zu führen, sollte dieser Zusammenhang genauer analysiert werden und dann möglicherweise die Übereinstimmung einer Mindestzahl an HLA-Markern als Entscheidungskriterium aufgenommen werden, ohne die lokale Organ-Zuteilung zu gefährden.

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